CDU: Wohn­ort­pflicht für Flücht­lin­ge

Die CDU hat sich auf dem Bun­des­par­tei­tag klar hin­ter den Kurs von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel in der Flücht­lings­kri­se ge­stellt. An­er­kann­ten Flücht­lin­gen sol­len Wohn­or­te vor­ge­schrie­ben wer­den.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON EVA QUADBECK UND GREGOR MAYNTZ

KARLS­RU­HE Die CDU will die Flücht­lings­strö­me in­ner­halb Deutsch­lands künf­tig bes­ser steu­ern. „Wir müs­sen zu­sätz­li­che Wan­de­rungs­be­we­gun­gen in die Groß­städ­te und Bal­lungs­räu­me ver­hin­dern und ei­ne gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung in Deutsch­land ge­währ­leis­ten“, heißt es in dem heu­te beim Par­tei­tag in Karls­ru­he be­schlos­se­nen An­trag zur Flücht­lings­po­li­tik. Die CDU will dem­nach ei­ne zeit­lich be­grenz­te „Wohn­sitz­auf­la­ge“für je­ne Flücht­lin­ge prü­fen, die zwar ei­nen an­er­kann­ten Auf­ent­halts­sta­tus ha­ben, aber noch oh­ne Job sind.

Wäh­rend die Kanz­le­rin in ih­rer be­ju­bel­ten Re­de ihr „Wir schaf­fen das“wie­der­hol­te und ih­re Flücht­lings­po­li­tik mit der Men­schen­wür­de be­grün­de­te, be­schloss der Par­tei­tag ei­ne in­nen­po­li­tisch här­te­re Gan­gart. Bis­lang un­ter­lie­gen Flücht­lin­ge oh­ne An­er­ken­nung ei­ner Re­si­denz­pflicht, die aber nach drei Mo­na­ten er­lischt. Da­nach gilt für die Nicht-An­er­kann­ten und Ge­dul­de­ten auch heu­te schon ei­ne Wohn­sitz­auf­la­ge. Da­hin­ter steht der Ge­dan­ke, dass die Kom­mu­nen bei der Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge mög­lichst gleich­mä­ßig be­las­tet wer­den sol­len. Nun er­wägt die CDU, auch an­er­kann­ten Flücht­lin­gen die­se Auf­la­ge zu ma­chen. Ei­ne sol­che Re­ge­lung galt bei­spiels­wei­se auch schon in den 90er Jah­ren für Spät­aus­sied­ler. „Ge­ra­de mit Blick auf ei­ne ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on ist ei­ne Wohn­sitz­auf­la­ge, wie es sie in der Ver­gan­gen­heit be­reits ge­ge­ben hat, auch jetzt über­le­gens­wert“, sag­te Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) un­se­rer Re­dak­ti­on. Wer ei­nen Job fin­de, müs­se selbst­ver­ständ­lich dort woh­nen kön­nen, wo er den ei­ge­nen Le­bens­un­ter­halt durch sei­ne Ar­beit be­strei­ten kön­ne.

Die ges­tern ver­ab­schie­de­te „Karls­ru­her Er­klä­rung zu Ter­ror und Si­cher­heit, Flucht und In­te­gra­ti­on“ent­hält ei­ne Rei­he wei­te­rer in­nen- und au­ßen­po­li­ti­scher Vor­schlä­ge zur bes­se­ren Steue­rung und zur Ver­rin­ge­rung der Flücht­lings­zah­len in Deutsch­land. Auch ei­ne in­ten­si­ve­re Grenz­kon­trol­le ist als Mög­lich­keit ge­nannt, eben­so der Ein­satz elek­tro­ni­scher Fuß­fes­seln für Ge­fähr­der. Die Wan­de­rungs­be­we­gun­gen der Flücht­lin­ge in­ner­halb Deutsch­lands ma­chen den Kom­mu­nen er­heb­lich zu schaf­fen. Ei­gent­lich sol­len die Flücht­lin­ge nach Ein­woh­ner­zahl und wirt­schaft­li­cher Leis­tungs­fä­hig­keit der Bun­des­län­der ver­teilt wer­den. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen wa­ren Flücht­lin­ge je­doch viel­fach nicht in den Städ­ten und Krei­sen an­ge­kom­men, in die sie per Bus oder Zug rei­sen soll­ten. Im­mer wie­der rei­sen die Neu­an­kömm­lin­ge zu Ver­wand­ten und Freun­den an­ders­wo in Deutsch­land wei­ter. Ham- burg ist bei Af­gha­nen be­son­ders be­liebt, Nord­deutsch­land ins­ge­samt bei Sy­rern. Auch der neue Flücht­lings­aus­weis soll hel­fen, die Be­we­gun­gen bes­ser zu steu­ern.

Die CSU be­grüß­te den Vor­stoß. „Die Er­fah­run­gen der letz­ten Mo­na­te zei­gen, dass an­er­kann­te Flücht­lin­ge in über­durch­schnitt­li­cher Hö­he in die Bal­lungs­zen­tren und Groß­städ­te zie­hen, was dort zu ei­ner wei­te­ren Ver­schär­fung auf dem meist schon sehr an­ge­spann­ten Woh­nungs­markt und ei­ner Stei­ge­rung der So­zi­al­hil­fe­kos­ten führt“, sag­te der in­nen­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Ste­phan Mayer (CSU), un­se­rer Re­dak­ti­on. „Je eher die Mög­lich­keit der An­ord­nung ei­ner Wohn­sitz­auf­la­ge kommt, des­to bes­ser wä­re es.“

Auch der Vor­sit­zen­de des In­nen­aus­schus­ses im Bun­des­tag, Ans­gar He­ve­ling (CDU), dringt auf ei­ne ra­sche Um­set­zung der Idee: „Wir wer­den in der nächs­ten Zeit noch ei­ne Rei­he von ge­setz­li­chen Än­de­run­gen beim Asyl­recht vor­neh­men, so dass ei­ne Re­ge­lung auch dort er­fol­gen kann, wenn sie nicht mehr im Asyl­pa­ket II un­ter­zu­brin­gen sein soll­te.“Leit­ar­ti­kel Po­li­tik

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