Mer­kel zeigt Rück­grat in der Flücht­lings­fra­ge

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESS­LER

Ei­ne Kanz­le­rin, die zehn Jah­re un­ge­fähr­det im Amt ist, wirft so schnell nichts um. Den an­schwel­len­den Wi­der­stand in ih­rer ei­ge­nen Par­tei ge­gen den Kurs in der Flücht­lings­kri­se fe­der­te sie im Vor­feld des Par­tei­tags ge­schickt mit klei­ne­ren Zu­ge­ständ­nis­sen ab. In ih­rer Re­de – ei­ne der bes­ten, die sie je ge­hal­ten hat – leg­te sie ei­nem Ver­mächt­nis gleich ih­re Sicht der Din­ge über­zeu­gend dar. Als Christin und ver­ant­wor­tungs­vol­le Po­li­ti­ke­rin kann sie Men­schen in ech­ter Not nicht ab­wei­sen, so­lan­ge ihr Land über sol­che Res­sour­cen ver­fügt wie die Bun­des­re­pu­blik.

Das war schon stark. Da spricht je­mand, der im Ein­klang mit sich selbst ist. Aber Mer­kel ist zu lan­ge Macht­po­li­ti­ke­rin, als dass sie nicht auch wüss­te, wann sie die­ses Land über­for­dert. Noch ein­mal ei­ne Mil­li­on Flücht­lin­ge ist po­li­tisch oh­ne gro­ße Ver­wer­fun­gen nicht vor­stell­bar. Mer­kel hat ihr po­li­ti­sches Schick­sal auf dem CDU-Par­tei­tag aber­mals mit der Lö­sung der Flücht­lings­fra­ge ver­knüpft. Sie hat gu­te Ar­gu­men­te auf ih­rer Sei­te: Hu­ma­ni­tät, die gu­te Wirt­schafts­la­ge, die Hilfs­be­reit­schaft der Be­völ­ke­rung. Jetzt muss es ihr ge­lin­gen, die Zah­len zu sen­ken, oh­ne die Gren­zen zu schlie­ßen oder ei­ne hu­ma­ni­tä­re Ka­ta­stro­phe aus­zu­lö­sen. Schwie­rig, aber mach­bar. BE­RICHT

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