Sonn­tags ge­hört Mut­ti mir

Die frü­he­re Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Kris­ti­na Schröder for­dert beim CDU-Par­tei­tag ei­nen po­li­tik­frei­en Sonn­tag. Für die Fa­mi­lie.

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Der Sonn­tag ist tra­di­tio­nell ein po­li­ti­scher Tag. In den Kir­chen fin­det zwar kei­ne Par­tei­po­li­tik statt, ge­sell­schaft­li­che Ori­en­tie­rung ge­hört aber für vie­le Geist­li­che in ih­re Pre­digt. Für vie­le Kirch­gän­ger schloss sich frü­her dem Got­tes­dienst der Stamm­tisch an – ein Hort po­li­ti­scher Er­re­gung, kla­rer Aus­spra­che, ein­fa­cher The­sen.

Ex-Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Kris­ti­na Schröder (CDU) wünscht sich nun ei­nen po­li­tik­frei­en Sonn­tag. Wo­bei die zwei­fa­che Mut­ter da­mit nicht den Kampf ge­gen die Stamm­ti­sche führt, son­dern ein fa­mi­li­en­freund­li­ches Wo­che­n­en­de im Blick hat. Sie möch­te schlicht frei­ha­ben: kei­ne Wahl­kreis­sprech­stun­de, kei­ne Ter­mi­ne, kei­ne Gre­mi­en­sit­zun­gen – nach Mög­lich­keit. Zur po­li­ti­schen Ent­halt­sam­keit will die Po­li­ti­ke­rin dann doch nie­man­den zwin­gen. So war das bei Schröder auch, als sie Mi­nis­te­rin war: Sie ist zwar für ei­ne Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie, aber un­mis­sio­na­risch in der Fra­ge, wie das ge­hen soll. Sie ist zwar für ei­ne Frau­en­quo­te, will sie den Un­ter­neh­men aber selbst über­las­sen.

Schrö­ders An­trag war je­den­falls ge­schickt plat­ziert: Ließ die CDU die­sen Par­tei­tag doch aus­ge­rech­net am drit­ten Ad­vent mit den Sit­zun­gen von Prä­si­di­um und Vor­stand be- gin­nen. Manch ei­ner in der Par­tei fand das un­christ­lich. Nun geht es Schröder vor al­lem dar­um, dass sie selbst nicht schief an­ge­guckt wird, wenn sie sonn­tags lie­ber mit ih­ren Kin­dern spielt. Im­mer­hin streb­te sie 2013 kei­ne wei­te­re Amts­zeit mit dem Ar­gu­ment an, sie wol­le mehr Zeit für die Fa­mi­lie. Das glaub­te ihr kaum ei­ner, da sie als Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin, in der Öf­fent­lich­keit und in ih­rer Hes­sen-CDU oh­ne­hin ei­nen schwe­ren Stand hat­te. Tat­säch­lich wä­ren ih­re Aus­sich­ten, im Amt zu blei­ben, schlecht ge­we­sen.

So fiel das Mi­nis­te­ri­um an die SPD, und Schröder be­kam das zwei­te Kind. Die am­tie­ren­de Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig ist, mitt­ler­wei­le un­über­seh­bar, eben­falls mit dem zwei­ten Kind schwan­ger. Beim Spit­zen­per­so­nal der SPD hat sich al­ler­dings nicht der Sonn­tag, son­dern der Mitt­woch zum Fa­mi­li­en­tag ent­wi­ckelt. Ganz oh­ne Par­tei­tags­be­schluss ver­schwin­den Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­b­ri­el und die Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin re­gel­mä­ßig mit­tags aus Ber­lin, um nach­mit­tags für ih­re Kin­der da zu sein.

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