Ma­ri­ne Le Pens sieg­rei­che Nie­der­la­ge

Der Front Na­tio­nal ge­winnt in Frank­reich kei­ne ein­zi­ge Re­gi­on, er­reicht aber 6,8 Mil­lio­nen Wäh­ler. Das bringt al­le Be­tei­lig­ten in die Bre­douil­le.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON CHRIS­TI­NE LON­GIN

PA­RIS In ei­nem Punkt wa­ren sich die meis­ten Red­ner ei­nig: Nach den Re­gio­nal­wah­len in Frank­reich muss sich et­was än­dern. Bei den Kon­ser­va­ti­ven be­gan­nen die Ve­rän­de­run­gen nicht ein­mal 24 St­un­den nach Schlie­ßung der Wahl­lo­ka­le. Die Vi­ze-Par­tei­vor­sit­zen­de Nat­ha­lie Ko­sci­us­ko-Mo­ri­zet wur­de ges­tern ge­feu­ert, weil sie noch am Wahl­abend die Stra­te­gie ih­res Par­tei­chefs Nicolas Sar­ko­zy kri­ti­siert hat­te. Des­sen Re­pu­bli­ka­ner hat­ten sie­ben der 13 Re­gio­nen ge­won­nen, drei al­ler­dings nur mit Schüt­zen­hil­fe der So­zia­lis­ten. Die Re­gie­rungs­par­tei hat­te ih­re Kan­di­da­ten aus dem Ren­nen ge­nom­men, um so ei­nen Sieg des rechts­ex­tre­men Front Na­tio­nal (FN) zu ver­hin­dern. Auch wenn Sar­ko­zy sein Ge­sicht wah­ren konn­te, ist das Er­geb­nis ei­ne Schlap­pe für den Ex-Prä­si­den­ten.

„Frank­reich er­war­tet ei­ne an­de­re Po­li­tik und neue Ge­sich­ter“, be­merk­te Bru­no Le Mai­re, der mit 46 Jah­ren deut­lich jün­ger ist als der 60jäh­ri­ge Ex-Prä­si­dent. Mit dem Ar­gu­ment der Er­neue­rung will der frü­he­re Mi­nis­ter Le Mai­re auch bei den Vor­wah­len im No­vem­ber über­zeu­gen, bei de­nen Sar­ko­zy ei­gent­lich Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der Re­pu­bli­ka­ner wer­den woll­te. Doch Sar­ko­zys Stra­te­gie wird nun of­fen kri­ti­siert: Sein Ver­such, mit stramm rech­ter Rhe­to­rik dem FN Wäh­ler ab­zu­ja­gen, ist ge­schei­tert.

Zwar hat der is­lam- und eu­ro­pa­feind­li­che Front Na­tio­nal kei­ne der 13 Re­gio­nen ge­won­nen, doch setz­te Le Pen die The­men. So wirk­te Sar­ko­zy am Wahl­abend denn auch mü­de und un­in­spi­riert, als er die üb­li­chen Flos­keln ver­kün­de­te, um dann ins Fuß­ball­sta­di­on zu ent­schwin­den.

Auch bei den re­gie­ren­den So­zia­lis­ten, die mit nur fünf ge­won­ne­nen Re­gio­nen ei­ne wei­te­re Nie­der­la­ge ein­ste­cken muss­ten, be­gann di­rekt nach der Wahl ei­ne Dis­kus­si­on über den Kurs der Par­tei. „Wir kön­nen nicht so wei­ter­ma­chen“, mahn­te Par­tei­chef Je­an-Chris­to­phe Cam­ba­dé­lis. Er for­der­te ei­ne Ve­rän­de­rung der Par­tei­li­nie hin zu ei­nem schär­fe­ren lin­ken Pro­fil in den kom­men­den 18 Mo­na­ten. Die Re­gie­rung will zwar „schnel­ler han­deln, um bes­se­re Er­geb­nis­se vor­zu­wei­sen“, wie Pre­mier­mi­nis­ter Manuel Valls ver­sprach. Der An­fang 2014 ein­ge­lei­te­te, eher un­ter­neh­mer­freund­li­che Kurs soll al­ler­dings nicht auf­ge­ge­ben wer­den. „Der Prä­si­dent will sei- ne Rich­tung bei­be­hal­ten“, zi­tier­te der „Fi­ga­ro“ei­nen Be­ra­ter von François Hol­lan­de, der nach den An­schlä­gen vom No­vem­ber ein Po­pu­la­ri­täts­hoch erlebt wie seit sei­ner Wahl 2012 nicht mehr. Auch als Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat für 2017 zeich­net sich der Amts­in­ha­ber ab, der al­ler­dings nur an­tre­ten will, wenn die Ar­beits­lo­sig­keit sinkt.

Beim FN steht Ma­ri­ne Le Pen als Kan­di­da­tin für 2017 fest. Doch auch die Par­tei­che­fin wird sich ei­ner in­ter­nen De­bat­te stel­len müs­sen. Denn die Stich­wahl er­gab ein­mal mehr, dass die Rechts­po­pu­lis­ten oh­ne Ver­bün­de­ten kei­ne Wahl ge­win­nen kön­nen. Ihr An­teil liegt zwar in­zwi­schen bei rund 28 Pro­zent – 6,8 Mil­lio­nen Fran­zo­sen ha­ben den FN ge­wählt. Aber die „glä­ser­ne De­cke“scheint er­reicht zu sein. „In ei­nem Wahl­sys­tem, wo Ko­ali­tio­nen ge­bil­det wer­den müs­sen, um zu ge­win­nen, blei­ben die Fron­tis­ten iso­liert. Des­halb ist im Fal­le von Zwei­kämp­fen ihr Sieg au­ßer Reich­wei­te“, sag­te der FN-Ex­per­te Jo­ël Gom­bin der Zei­tung „Li­bé­ra­ti­on“. Um die Iso­la­ti­on zu durch­bre­chen, schlug FNVi­ze Flo­ri­an Phil­ip­pot ein Bünd­nis mit dem Po­pu­lis­ten Nicolas Dupont-Ai­gnan vor, des­sen Par­tei „De­bout la Fran­ce“(„Steh auf, Frank­reich“) in der ers­ten Run­de auf knapp vier Pro­zent ge­kom­men war.

Le Pens Nich­te Ma­ri­on geht so­gar noch wei­ter: Sie könn­te sich ei­ne gro­ße Rechts­par­tei vor­stel­len, der auch der rech­te Rand der Re­pu­bli­ka­ner an­ge­hört. Mit Sar­ko­zys rech­tem Vor­den­ker Patrick Bis­son hat sie sich be­reits ge­trof­fen.

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