„Pa­ra­no­ide“Steu­er­fahn­der ge­win­nen vor Ge­richt

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON LAU­RA SANDGATHE

FRANKFURT/M. Der Fall sorg­te bun­des­weit für Auf­se­hen: Vier hes­si­sche Steu­er­fahn­der, die jah­re­lang er­folg­reich Steu­er­hin­ter­zie­her ent­larvt hat­ten, wur­den für pa­ra­no­id er­klärt und zwangs­pen­sio­niert. Jetzt hat ein Ge­richt klar­ge­stellt: Die Gut­ach­ten im Auf­trag der Fi­nanz­ver­wal­tung, die den Vor­wurf be­le­gen soll­ten, wa­ren falsch.

Laut ei­nem Me­dien­be­richt ha­ben die vier Fahn­der vor dem Ober­lan- des­ge­richt Frankfurt in letz­ter In­stanz ei­nen Sieg er­run­gen. Das Ge­richt sah es als er­wie­sen an, dass die Gut­ach­ten zur psy­chi­schen Ver­fas­sung der Steu­er­fahn­der, die im Auf­trag der hes­si­schen Fi­nanz­ver­wal­tung er­stellt wor­den wa­ren, vor­sätz­lich fal­sche In­for­ma­tio­nen ent­hiel­ten. Ein Gut­ach­ter hat­te den Vier be­schei­nigt, un­ter un­heil­ba­rer Pa­ra­noia zu lei­den. Auf Grund­la­ge des Gut­ach­tens hat­te die Fi­nanz­ver­wal­tung sie für dienst­un­fä­hig er­klärt und zwangs­pen­sio­niert, hieß es.

Die Fahn­der hat­ten jah­re­lang für die Fi­nanz­ver­wal­tung der hes­si­schen Lan­des­re­gie­rung ge­ar­bei­tet und am Fi­nanz­platz Frankfurt ge­gen Ban­ken er­mit­telt, die das Geld ih­rer Kun­den am Fis­kus vor­bei ins Aus­land ge­schmug­gelt hat­ten. Zu­nächst wur­de ih­re Ar­beit von der Lan­des­re­gie­rung un­ter­stützt. Doch dann fiel ih­nen 1999 ei­ne CD-ROM mit den Da­ten von Steu­er­hin­ter­zie­hern, die ihr Geld in Liech­ten­stein ver­steckt ha­ben soll­ten, in die Hän­de. Aus den Rei­hen der neu­en CDU- Re­gie­rung in Hes­sen kam die An­sa­ge, den Fall nicht zu be­ar­bei­ten.

Die Fahn­der ver­mu­te­ten da­mals, so die „Ber­li­ner Mor­gen­post“, ei­ne Ver­bin­dung zur CDU-Schwarz­geld­af­fä­re. Auch hier gab es Kon­ten in Liech­ten­stein. Dem Be­richt zu­fol­ge hat­te die hes­si­sche Uni­on rund 20 Mil­lio­nen Mark il­le­gal in ei­ne Stif­tung ge­steckt. Die da­ma­li­ge hes­si­sche Lan­des­re­gie­rung be­hin­der­te die Er­mitt­lun­gen der Steu­er­fahn­der in dem Fall und ver­setz­te schließ­lich die vier Fahn­der je­weils in ei­ne an- de­re Di­enst­stel­le. Jah­re­lang sei­en sie schi­ka­niert wor­den, hieß es.

Nun steht den Fahn­dern Scha­den­er­satz in ei­ner Hö­he von ins­ge­samt 226.000 Eu­ro zu. Au­ßer­dem sol­len sie die Mög­lich­keit ha­ben, künf­tig ent­ste­hen­de Min­der­ein­nah­men bei der Al­ters­ver­sor­gung gel­tend ma­chen zu kön­nen. Um die Hö­he der An­sprü­che zu be­gren­zen, soll das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um an­ge­fragt ha­ben, ob die Vier wie­der im Staats­dienst ar­bei­ten wol­len. Die­ses An­ge­bot hät­ten al­le vier ab­ge­lehnt.

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