Cum-ex-De­als: Jagd auf die Ban­ken

NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Wal­ter-Bor­jans droht den Geld­häu­sern mit Raz­zi­en.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

DÜSSELDORF Nord­rhein-West­fa­lens Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren als Schreck­ge­spenst für Steu­er­sün­der er­wie­sen. Mehr­fach kauf­te das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um CDs mit den Da­ten deut­scher Steu­er­pflich­ti­ger, die im Ver­dacht ste­hen, den Fis­kus ge­prellt zu ha­ben. Jetzt greift Wal­ter-Bor­jans in Sa­chen Cum-exGe­schäf­te an, je­nen De­als, bei de­nen sich zwei In­ves­to­ren durch Kauf und Ver­kauf ei­ner Ak­tie rund um den Tag der Di­vi­den­den­zah­lung Steu­er­gut­schrif­ten si­chern, ob­wohl nur ein­mal Steu­ern be­zahlt wur­den.

Sol­che Ge­schäf­te sind nicht mehr er­laubt; frü­her wa­ren sie recht­lich um­strit­ten. Die Ban­ken, die an die­sen Ge­schäf­ten be­tei­ligt wa­ren, sind in Er­klä­rungs­not. Für sie sei es „höchs­te Zeit zu han­deln“, hat Wal­ter-Bor­jans der „Süd­deut­schen Zei­tung“ge­sagt, und be­reits mit Raz­zi­en in den Geld­häu­sern ge­droht. Die Er­mitt­lungs­be­hör­den, die die­sen De­als seit Jah­ren nach­ge­hen, ha­ben nach An­ga­ben der Zei­tung Ma­te­ri­al über mehr als 100 ver­däch­ti­ge Ban­ken und Fonds aus dem Inund Aus­land ge­sam­melt. Der Vor­wurf ist im­mer der glei­che: Die Fi­nanz­an­bie­ter sol­len im gro­ßen Stil Cum-ex-Ge­schäf­te nur des­halb ge­macht ha­ben, um sich ei­ne ein­mal ge­zahl­te Ka­pi­tal­er­trag­steu­er auf die Di­vi­den­den vom Fis­kus mehr­mals er­stat­ten zu las­sen. Er­mit­telt wer­de we­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung.

Dass es zum The­ma Cum-ex noch kein höchst­rich­ter­li­ches Ur­teil gibt, dürf­te in­des kaum ent­schei­dend sein für ei­ne even­tu­el­le Rück­zah­lungs­pflicht. „Das sagt ei­nem der ge­sun­de Men­schen­ver­stand, dass man nicht er­stat­tet be­kom­men kann, was man nicht ge­zahlt hat“, sag­te der Frank­fur­ter Wirt­schafts­straf­rechts-Ex­per­te Bernd Groß un­se­rer Re­dak­ti­on. Da­her emp­fiehlt er Ban­ken, auf die An­kün­di­gung des Mi­nis­ters zu re­agie­ren: „Da soll­te man rei­nen Tisch ma­chen.“An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass es kein höchst­rich­ter­li­ches Ur­teil ge­be, sei es auch viel­fach noch mög­lich, dass die Be­trof­fe­nen „nur“die er­stat­te­te Sum­me zu­rück­zah­len müss­ten, zu­züg­lich der üb­li­chen sechs Pro­zent Zin­sen pro Jahr, so Groß. „Straf­recht­li­che Ver­ur­tei­lun­gen kön­nen bei recht­zei­ti­ger und voll­um­fäng­li­cher Ko­ope­ra­ti­on häu­fig ver­mie­den wer­den“, so Groß. Ei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge Aus­sa­ge kön­ne es aber nicht ge­ben, es kom­me bei der Prü­fung im­mer auf den Ein­zel­fall an.

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