Steu­er­zah­ler-Bund für Flücht­lings-Stopp

Der Prä­si­dent des Bun­des der Steu­er­zah­ler, Rei­ner Holz­na­gel, plä­diert für ei­ne Schlie­ßung der deut­schen Gren­zen, wenn Eu­ro­pa sei­ne Au­ßen­gren­zen nicht schüt­zen kann. Von der Bun­des­re­gie­rung for­dert er ei­ne Re­form­agen­da 2020.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON BIRGIT MARSCHALL UND GREGOR MAYNTZ

BER­LIN Ei­ne an­hal­tend ho­he Zahl an täg­lich an­kom­men­den Flücht­lin­gen wür­de aus Sicht von Rei­ner Holz­na­gel, dem Prä­si­den­ten des Bun­des der Steu­er­zah­ler, von der Mehr­heit der Steu­er­zah­ler nicht mehr wei­ter to­le­riert. Die Steu­er­zah­ler hät­ten ei­nen An­spruch dar­auf, dass Deutsch­land sei­ne Gren­zen si­che­re, um die Ein­wan­de­rung zu re­du­zie­ren, sag­te Holz­na­gel im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Er un­ter­stüt­ze das Schen­gen-Ab­kom­men und Eu­ro­pas of­fe­ne Gren­zen. „Schen­gen be­deu­tet aber, dass Eu­ro­pa sei­ne Au­ßen­gren­zen schützt. Wenn die Si­che­rung der eu­ro­päi­schen Au­ßen­gren­zen im Stress­test der kom­men­den Mo­na­te wei­ter­hin nicht funk­tio­niert, müs­sen wir un­se­re deut­schen Gren­zen zwangs­läu­fig na­tio­nal­staat­lich si­chern“, sag­te er.

Ähn­li­che For­de­run­gen gab es im Vor­feld des CDU-Bun­des­par­tei­tags in Karls­ru­he. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) konn­te sich mit ih­rem Flücht­lings­kurs je­doch vor­erst durch­set­zen. Ei­ne Schlie­ßung der deut­schen Gren­zen bleibt für Mer­kel wei­ter­hin kei­ne Op­ti­on.

Noch sei der Steu­er­zah­ler von stark stei­gen­den Flücht­lings­kos­ten nicht be­trof­fen, sag­te Holz­na­gel. Der Staat ha­be aus­rei­chend Steu­er­ein­nah­men, um die wach­sen­den Kos­ten oh­ne Steu­er­er­hö­hun­gen oder Neu­ver­schul­dung zu fi­nan­zie­ren. „Die Schul­den­kri­se ist für die Steu­er­zah­ler im Ver­gleich zur Flücht­lings­kri­se das weit­aus grö­ße­re Pro­blem“, sag­te der Steu­er­zah­ler­prä­si­dent. In Grie­chen­land und Por­tu­gal sei die Ent­wick­lung „nicht so, dass wir uns ent­spannt zu­rück- leh­nen kön­nen“. Aber auch die deut­sche Po­li­tik sei mit der Ren­te mit 63 und der Er­hö­hung der Müt­ter­ren­ten fal­sche Schrit­te ge­gan­gen.

„Wir dür­fen nicht glau­ben, dass es bei uns so gut wie in den letz­ten Jah­ren wei­ter­ge­hen wird“, sag­te er. Die Po­li­tik sei viel zu sehr auf Staats­kon­sum und so­zia­le Wohl­ta­ten aus­ge­rich­tet als dar­auf, das Wirt­schafts­wachs­tum auch in der Zu­kunft zu si­chern. „Wir brau­chen in der nächs­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ei­nen Kanz­ler, ei­ne Kanz­le­rin, die ei­ne Re­form­agen­da 2020 auf den Weg bringt. So wie Ger­hard Schröder das 2003 mit der Re­form­agen­da 2010 ge­macht hat.“Be­stand­teil der Re­form­agen­da 2020 müs­se „ei­ne gro- ße Steu­er­re­form sein, die Ent­las­tun­gen und Ver­ein­fa­chun­gen für Wirt­schaft und Bür­ger bringt“.

Scharf kri­ti­sier­te Holz­na­gel das Ver­hal­ten der Län­der bei den Ver­hand­lun­gen über ei­ne Re­form der Bund-Län­der-Fi­nanz­be­zie­hun­gen. Un­längst hat­ten die 16 Län­der be­schlos­sen, noch mehr Geld vom Bund zu for­dern, da­mit die Neu­ord­nung des Län­der­fi­nanz­aus­gleichs ge­lingt und kei­nes der Län­der hin­ter­her schlech­ter ge­stellt ist. „Das Ver­hal­ten der Bun­des­län­der ist em­pö­rend“, sag­te Holz­na­gel. Die 16 Län­der hät­ten sich „zu­sam­men ge­tan, um den Bund bei der Re­form der Bund-Län­der-Fi­nanz­be­zie­hun­gen aus­zu­neh­men wie ei­ne Weih- nachts­gans“. Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) „darf ei­nen sol­chen fre­chen Griff in sei­ne Kas­se nicht zu­las­sen: Er muss den Be­schluss der Län­der ab­leh­nen“, for­der­te Holz­na­gel.

Lohn­kos­ten­zu­schüs­se zur schnel­le­ren und leich­te­ren In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in den Ar­beits­markt lehn­te er ab. „Zu­nächst ist ei­ne gu­te Aus­bil­dung wich­tig. Wenn die­se nicht vor­han­den ist, ent­wi­ckeln sich al­le mög­li­chen Maß­nah­men zu ei­nem Stroh­feu­er“, sag­te er. „Zu­dem hal­te ich nichts von Pri­vi­le­gie­run­gen. Al­le Bür­ger brau­chen gu­te Rah­men­be­din­gen und Chan­cen, um sich auf dem Ar­beits­markt be­haup­ten zu kön­nen.“

FOTO: DPA

Der Flücht­lings­strom nach Eu­ro­pa reißt nicht ab. Auf die­sem Bild sieht man Flücht­lin­ge, die En­de Ok­to­ber na­he dem baye­ri­schen Weg­scheid an der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze war­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.