Frem­de Tanz­welt des VA Wölfl

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR -

Der Cho­reo­graf VA Wölfl und sein Neu­er Tanz ma­chen vie­les an­ders: Um 12 Uhr mit­tags und um 24 Uhr schick­te er sei­ne Tän­zer auf die Büh­ne des Mar­stalls in Benrath und schreibt da­zu im Pro­gramm­zet­tel: „Ver­trei­bung aus dem Le­ben, oh­ne das The­ma Flücht­lin­ge“. Und dann erlebt der Zu­schau­er: Mo­ti­ve aus sei­nem Stück „Von mit nach t“, die ge­zück­ten Re­vol­ver, die Gi­tar­re, die rie­si­gen Tan­noy-Laut­spre­cher, den Satz „Mein Kör­per ist ein Zeug­nis bru­ta­ler De­mo­kra­tie“der Tän­ze­rin Kris­tin Schuster, den „Clar­ke Ga­bleDop­pel­gän­ger“Petr Has­tik, Cha Cha Cha. Als die Tän­zer, auch die Män­ner, sich in ih­ren wei­ßen Rü­schen­klei­dern auf den Bo­den le­gen, wird das zum „ho­ri­zon­tal Cha Cha Cha“, aber es han­delt sich nicht um ei­ne Hoch­zeit, son­dern um die Er­mor­dung Ro­bert Ken­ne­dys, die da nach­ge­stellt wird. Der Schrift­stel­ler J.G. Ball­ard hat das At­ten­tat auf John F. Ken­ne­dy mal wie ein Au­to­ren­nen be­trach­tet, („Os­wald fun­gier­te als Star­ter“), an die­sen Ro­man „Crash“er­in­nern die lee­ren Ka­ros­se­ri­en auf der Büh­ne, „Spon­so­red by Le­xus“heißt es da­zu. Wie im­mer fas­zi­niert, blen­det und un­ter­stützt das Licht. Al­les ist ver­dich­te­ter, post­mo­der­ne Ele­men­te, Pop-Kul­tur und pu­re Kunst fin­den zu­sam­men. Wie im­mer blitzt beim „Neu­en Tanz“hin­ter dem Hu­mor ei­ne Düs­ter­nis auf, nimmt auch ein Boo­gie von John Lee Hoo­ker ei­ne neue Fär­bung an, wenn er mit Ha­waii-Mu­sik kon­tras­tiert wird. Ein Satz trifft im Mar­stall im­mer zu: „Es ist ei­ne frem­de und selt­sa­me Welt.“Und je­des Mal, wenn man wie­der ans Ta­ges­licht tritt, kommt sie ei­nem noch frem­der und selt­sa­mer vor. Tho­mas Hag

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