Ei­ne Lie­bes­er­klä­rung an den Rum

Der Glad­ba­cher Schrift­stel­ler Die­ter Wirtz hat ge­mein­sam mit dem Rum-Ex­per­ten Dirk Becker „Das gro­ße Buch vom Rum“ver­öf­fent­licht. Er fin­det, dass Rum die wohl am meis­ten ver­kann­te Spi­ri­tuo­se in der Ge­nuss­welt ist.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Um­ge­ben von dut­zen­den fla­ckern­den Ker­zen hockt er hin­ter sei­nem Schreib­tisch, der wohl be­kann­tes­te Pi­rat des 21. Jahr­hun­derts, Cap­tain Jack Spar­row, hoch kon­zen­triert über Land­kar­te und Kom­pass ge­beugt. Er greift nach ei­ner Fla­sche und fragt in sei­ner be­rühmt rot­zi­gen Art: „Wie­so ist der Rum dau­ernd al­le?“Ahn­lich be­we­gen­de Fra­gen wird sich si­cher auch Hen­ry Mor­gan ge­stellt ha­ben, „ei­ner der wüs­tes­ten Trun­ken­bol­de un­ter der Son­ne und einst der am meis­ten ge­fürch­te­te Pi­rat der Ka­ri­bik“, wie Die­ter Wirtz ihn be­schreibt. Heu­te ist so­gar ein Rum nach Mor­gan be­nannt, und der Cap­tain in­spi­rier­te den Schrift­stel­ler of­fen­sicht­lich so sehr, dass Wirtz ihm das ers­te Ka­pi­tel in sei­nem neu­en Werk „Das gro­ße Buch vom Rum“wid­me­te.

Der 65 Jah­re al­te Glad­ba­cher mit der klei­nen, mond­för­mi­gen Bril­le auf der Na­se, hat nicht nur ein Fai­b­le für Pi­ra­ten. Er ist auch ein ech­ter Lieb­ha­ber von all je­nen Din­gen, die für Pi­ra­ten so ty­pisch und heu­te vor al­lem als un­ge­sund ver­schrien sind. Dar­aus macht er kei­nen Hehl, ganz im Ge­gen­teil: Er schreibt drü­ber, zwi­schen­durch im­mer ei­ne lan­ge Zi­gar­re in der rech­ten Hand und ein Gläs­chen Rum in der lin­ken. Kei­ner vom Dis­coun­ter. Bei Wirtz muss es ein gu­ter sein. Am liebs­ten sind ihm sol­che, die mit „H“ge­schrie­ben wer­den – al­so Rhum. „Das sind die mil­den, ur­sprüng­li­chen, die di­rekt aus Zu­cker­rohr­saft ge­brannt wer­den“, er­klärt Wirtz. Die aus Frank­reich. Die spa­ni­schen und bri­ti­schen Rum­sti­le – auch be­kannt als Ron und Rum – „zie­hen ei­nem schon mal die Schu­he aus“, sagt El­ke Wirtz, Ehe­frau des Schrift­stel­lers.

Über­haupt spielt das „H“ei­ne span­nen­de Rol­le in Die­ter Wirtz’ Le­ben. Denn der Schrift­stel­ler trägt ei­nes zwi­schen Vor- und Zu­na­men. „Das war ein Un­glücks­fall“, sagt er. Ei­gent­lich heißt der Glad­ba­cher Hans Die­ter Wirtz, wird von al­len aber nur Die­ter ge­ru­fen. „Als ich mein ers­tes Buch schrieb, woll­te ich H. Die­ter Wirtz auf dem Ein­band ste­hen ha­ben.

Der Ver­lag ver­tausch­te das“, er­zählt der 65-Jäh­ri­ge. Und weil schon al­le Um­schlä­ge ge­druckt wa­ren, blieb es da­bei. Für im­mer. Die­ter Wirtz nimmt so­was ge­las­sen, Die­ter Wirtz ver­schwen­det kei­ne Zeit für sol­che Nich­tig­kei­ten. Lie­ber ver­bringt er sie mit ei­ner gu­ten Zi­gar­re und ei­nem Rum. Oder eben dem Schrei­ben dar­über. Am liebs­ten tut Die­ter Wirtz das abends, „nach 22 Uhr, ger­ne bis um 5 Uhr mor­gens“, sagt er.

Nach­dem er schon ei­ni­ge Zi­gar­ren-Bü­cher ver­öf­fent­licht hat, wur­de es Zeit für den Rum. Ei­ne Lie­bes­er­klä­rung auf 320 Sei­ten an das Ge­tränk, das Pi­ra­ten schon zu schät­zen wuss­ten und für den Schrift­stel­ler mehr als nur ei­ne Spi­ri­tuo­se ist. „Denn Rum ist wohl die am meis­ten ver­kann­te Spi­ri­tuo­se in der Ge­nuss­welt – und Rum ist der Stoff, der Träu­me ge­biert“, schreibt er. Ge­mein­sam mit Dirk Becker sind die Sei­ten ent­stan­den, „er ist der RumEx­per­te und ich der Fach­mann, wenn es ums Ge­schich­ten­er­zäh­len geht“, sagt Wirtz.

An­ders wür­de „Das gro­ße Buch vom Rum“auch nicht funk­tio­nie­ren – wä­ren chro­no­lo­gisch Rum­sor­ten auf­ge­lis­tet und da­zu ein paar Hin­ter­grund­in­fos zur Her­kunft – „das wür­de kei­ner le­sen“, sagt Die­ter Wirtz. Der Glad­ba­cher schreibt über die Ge­schich­te, taucht in frem­de Kul­tu­ren ein und reist durch Län­der, die manch­mal mehr, manch­mal we­ni­ger mit Rum zu tun ha­ben. Wer wis­sen möch­te, was es mit ei- nem 300 Jah­re al­ten Hut auf sich hat oder war­um die Zi­gar­re Sü­ße braucht – für 49,99 Eu­ro gibt es „Das gro­ße Buch vom Rum“in al­len Buch­hand­lun­gen zu kau­fen.

Ge­gen ei­nen Cock­tail hat der Schrift­stel­ler üb­ri­gens nichts, man soll­te nur nicht den teu­ers­ten Rum da­für neh­men, sagt er. Bei der Mi­schung Co­la-Rum rei­che so­gar der wei­ße, bil­li­ge. Lie­ber aber hat Wirtz sei­nen Rum pur, so wie Spar­row und Mor­gan, mit dem win­zi­gen Un­ter­schied, dass Wirtz’ sich bis­her nie die Fra­ge stel­len muss­te: „Wie­so ist der Rum dau­ernd leer?“

RP-FOTO: DETLEF ILGNER

Die­ter Wirtz ist ein Ge­nie­ßer durch und durch. Ei­ne gu­te Zi­gar­re, ein fei­nes Gläs­chen Rum, und der Schrift­stel­ler ist zu­frie­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.