Ita­lie­ner ka­men, um zu ar­bei­ten – und blie­ben als Freun­de

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON AN­GE­LA WILMS-ADRIANS

STADT­MIT­TE Pa­net­to­ne und Weih­nachts­stol­len la­gen et­was ab­seits vom gro­ßen Büf­fet und schie­nen doch in die­ser Nach­bar­schaft als tra­di­tio­nel­le Weih­nachts­spe­zia­li­tä­ten aus Ita­li­en und Deutsch­land den Abend sym­bo­lisch zu be­glei­ten: Die ita­lie­ni­sche Ge­mein­de fei­er­te mit deut­schen Gäs­ten im Pfarr­saal St. Vi­tus den 60. Jah­res­tag des An­wer­be­ab­kom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und Ita­li­en. Da­mit wur­de der Ar­beits­auf­ent­halt aus­län­di­scher Ar­beit­neh­mer ge­re­gelt. Im fröh­li­chen Aus­tausch wur­den nun die Spra­chen bei­der Län­der ge­spro­chen. Zu­vor hat­te Pfar­rer Don Ren­zo Stefani, ita­lie­ni­scher Seel­sor­ger für das Bis­tum, den Got­tes­dienst im Müns­ter ze­le- briert. Im Pfarr­zen­trum er­freu­te sich der Geist­li­che wie auch Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wil­helm Rei­ners und Gi­no Pa­ci­fi­co, stell­ver­tre­tend für den er­krank­ten ita­lie­ni­schen Ge­ne­ral­kon­sul Emi­lio Lol­li des Kon­su­la­tes Köln, im Kreis der Ge­mein­de an Pro­gramm und Ge­sel­lig­keit. Der Schü­ler Mar­ko er­öff­ne­te den of­fi­zi­el­len Part am Flü­gel mit ita­lie­ni­scher Mu­sik. Kin­der der ita­lie­ni­schen Schu­le führ­ten ei­ne klei­ne Weih­nachts­ge­schich­te auf.

An­na Pas­qua­li­na Ro­ve­re er­in­ner­te an das am 20. De­zem­ber 1955 ge­schlos­se­ne Ab­kom­men. Sie be­zeich­ne­te es als „den Be­ginn ei­ner wun­der­ba­ren Freund­schaft“. Die An­fän­ge sei­en we­gen der frem­den Spra­che und Kul­tur so­wie des an­de­ren Kli­mas für die ers­ten An­kom­men­den nicht leicht ge­we­sen, doch es ha­be bald wun­der­ba­re und tie­fe Be­rüh­rungs­punk­te ge­ge­ben, er­zähl­te Ro­ve­re. Ihr Ehe­mann Gio­van­ni Fer­ra­ro sprach sei­nen of­fi­zi­el­len Part in Ita­lie­nisch. Der 48-Jäh­ri­ge ver­ließ vor 28 Jah­ren Ka­la­bri­en, um hier zu ar­bei­ten, wäh­rend sei­ne Frau be­reits als klei­nes Kind mit den El­tern nach Deutsch­land kam. „Ich lie­be bei­de Län­der“, sagt sie und ist of­fen­bar in bei­den Spra­chen glei­cher­ma­ßen zu­hau­se. Ähn­lich sieht es wohl Gio­van­ni Cam­pe­si, der be­tont, sich in sei­ner zwei­ten Hei­mat sehr wohl zu füh­len.

Gio­van­ni Fer­ra­ro ist po­li­tisch en­ga­giert und be­schäf­tigt sich seit Jah­ren in­ten­siv mit dem The­ma In­te­gra­ti­on. An­läss­lich des Ju­bi­lä­ums war er mit Bar­to­lo­meo Se­chi von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel nach Ber­lin ein­ge­la­den wor­den. „Das war ein wun­der­ba­res Er­leb­nis“, schwärmt der 68-jäh­ri­ge Se­chi. Der ge­bür­ti­ge Sar­de kam mit 18 Jah­ren nach Deutsch­land. Mön­chen­glad­bach be­zeich­net er als „mei­ne Hei­mat“, wo er sich so­zi­al und po­li­tisch en­ga­giert.

Ähn­lich fühlt Ro­ma­no Pam­pa­nin, der 1959 im Al­ter von 13 Jah­ren nach Deutsch­land kam und in Holt ein Eis­ca­fé führt. In den ers­ten Jah­ren ha­be er noch da­von ge­träumt, ir­gend­wann nach Ita­li­en zu­rück­zu­ge­hen. Doch das sei lan­ge vor­bei, sagt Pam­pa­nin und er­gänzt ent­schie­den: „Mei­ne Söh­ne wur­den hier ge­bo­ren. Sie sind zum Gym­na­si­um am Ge­ro­wei­her ge­gan­gen und ha­ben hier stu­diert. In Holt bin ich bei den Pil­gern und Jä­gern. Mei­ne In­ter­es­sen sind hier. Hier ha­be ich mich im­mer sehr gut ge­fühlt“.

RP-FOTO: RAUPOLD

Gio­van­ni Fer­ra­ro (l.) mit dem Ehe­paar Bar­tho­lo­meo und Wil­ma Se­chi ka­men nach Mön­chen­glad­bach und füh­len sich hier wohl.

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