SE­RIE WAS MACHT EI­GENT­LICH Le­cker, kna­ckig, ein­fach pri­ma

Wil­li Meu­ter hat ge­schuf­tet, Mut nicht nur als Bo­xer be­wie­sen. Sei­ne Rost­brat­wurst wird selbst in New York ge­schätzt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON O. E. SCHÜTZ

Es ist kein Ur­teil von Gour­met-Tes­tern. Aber ei­nes von Leu­ten, die wis­sen, was auf Kir­mes­sen, Volks­fes­ten, bei Fuß­ball­spie­len oder jetzt wie­der auf Weih­nachts­märk­ten sehr ge­fragt ist: ei­ne Brat­wurst. „Le­cker, kna­ckig, ein­fach pri­ma!“lau­te­te das Ur­teil ei­ner Ju­ry, die auf der gro­ßen Düs­sel­dor­fer Kir­mes die bes­te Thü­rin­ger Rost­brat­wurst kür­te – un­ter sie­ben Stän­den, die den bes­ten Ruf hat­ten. Der Sie­ger kam aus Mön­chen­glad­bach, ein­stim­mig ge­wählt: „Thü­rin­ger Wurst­wa­ren Wil­li Meu­ter.

Wil­li Meu­ter, ge­lern­ter Metz­ger und in sei­ner Ju­gend­zeit Ama­teurbo­xer, steht mit sei­nen 78 Jah­ren nicht mehr selbst im Wa­gen am Grill. Doch er hat das Ge­schäft drei Jahr­zehn­te, bis 2002, be­trie­ben und dann sei­ner Toch­ter El­ke über­ge­ben, die es seit­her führt. Ganz so, wie es der Va­ter ge­macht hat: nur mit zwei Sor­ten Würst­chen, Thü­rin­ger Rost­brat­wurst, da­zu seit et­li­chen Jah­ren Kra­kau­er, und ein auf dem Grill ge­rös­te­tes Rög­gel­chen. „Schon op­tisch pi­co­bel­lo“, ur­teil­te Dirk Fröh­lich, Chef ei­nes Düs­sel­dor­fer Par­ty­ser­vice und Ju­ror, beim Test.

Wil­li Meu­ter selbst ist der eher rus­ti­ka­le Typ. Den Bo­xer, der er in sei­ner Ju­gend­zeit war, sieht man ihm an. Als Jun­ge, der am Al­ten Markt und vor al­lem in Un­te­rei­cken auf­ge­wach­sen ist, ging er auf dem Pau­sen­hof kei­ner Prü­ge­lei aus dem Weg – „bis ich ei­nes Ta­ges vor Ge­richt lan­de­te. „Dort hat der Rich­ter mir ge­ra­ten, mei­ne Kraft wo­an­ders aus­zu­le­ben – im Box­ring. Das ha­be ich dann ge­tan.“Ein Be­rufs­schul­leh­rer schick­te ihn dann zum Ver­ein „Faust­kämp­fer Mön­chen­glad­bach“.

Gro­ße Ti­tel hat Wil­li Meu­ter als Ama­teur im Halb­schwer­ge­wicht nicht ge­holt. Aber im­mer­hin war er stark ge­nug, zwei Jah­re all­wö­chent­lich den Spar­rings­part­ner des Köl­ner Ori­gi­nals Pe­ter Mül­ler zu spie­len: „Für 100 Mark am Tag, für ei­nen Ama­teur­kampf gab es höchs­tens mal 40 Mark.“Mül­ler, we­gen sei­ner ge­bück­ten Kampf­hal­tung und des fröh­li­chen Aus­se­hens all­ge­mein „dä Aap“oder „Mül­lers Aap“ge­nannt, ern­te­te sei­ne größ­ten Schlag­zei­len, als er 1952 bei ei­nem Kampf um die deut­sche Mit­tel­ge­wichts-Welt­meis­ter­schaft nicht sei­nen Geg­ner Hans Stretz, son­dern Ring­rich­ter May Pip­pow zu Bo­den schlug („Der hat­te mich Zi­geu­ner ge­nannt“) und dann noch auf die vier Se­kun­dan­ten so­wie sei­nen Ma­na­ger und Schwie­ger­va­ter Jupp Thelen, die ein­grei­fen woll­ten, ein­schlug. Wil­li Meu­ter je­den­falls spiel­te für 100 Mark pro Tag zwei Jah­re Mül­lers Spar­rings­part­ner: „Ich muss­te viel ein­ste­cken, ha­be ihn aber auch ei­ni­ge Ma­le auf die Bret­ter ge­schickt.“

Zu­pa­cken hat Wil­li Meu­ter früh ge­lernt: Mit fünf, sechs Jah­ren half er schon in der Bä­cke­rei sei­nes Va­ters an der Ecke Markt­stieg/Ka­pu­zi- ner­stra­ße. Als das Haus bei ei­nem Bom­ben­an­griff nie­der­brann­te und sein Va­ter mit nur ei­nem Bein aus dem Krieg heim­kehr­te, er­nähr­te sich die Fa­mi­lie vor al­lem von dem Obst und Ge­mü­se aus ih­rem gro­ßen Gar­ten an der Vier­sener Stra­ße in der Nä­he des Fried­hofs. Die vier Kin­der muss­ten tüch­tig hel­fen beim Ern­ten und Trans­port auf den Al­ten Markt, wo sie den Stand mit auf­bau­ten, be­vor sie mit der Stra­ßen­bahn nach Un­te­rei­cken zur Schu­le fuh­ren. „Die Haus­auf­ga­ben ha­be ich abends im Licht ei­ner Pe­tro­le­um­lam­pe oder mor­gens auf dem Schul­hof ge­macht“, er­zählt Wil­li Meu­ter.

Statt ei­ne Bä­cker­leh­re be­gann er 1954 ei­ne Aus­bil­dung zum Metz­ger. Und als die El­tern be­gan­nen, mit ei­nem Kir­mes­wa­gen auf die Jahr­märk­te zu fah­ren, um Wurst zu ver­kau­fen, war die Rich­tung für Wil­li klar: Gas­tro­no­mie. Wil­lis Frau Ur­su­la, ei­ne ge­lern­te Nä­he­rin, stieg bald mit ein. Zu­erst führ­ten die Meu­ters von 1969 bis 1972 in He­len­abrun­nHei­mer die Gast­stät­te Jun­kers­hüt­te, dann wur­de ein Kir­mes­wa­gen an­ge­schafft: „Der kos­te­te 30.000 Mark, aber wir brauch­ten ihn eben, Kre­dit gab es für uns nicht. Al­so muss­te ich Wech­sel un­ter­schrei­ben“, er­zählt Wil­li Meu­ter. Er ver­dien­te Geld da­zu, in­dem er Fleisch­trans­por­te ent­lud und Rin­der­hälf­ten in Kühl­häu­ser schlepp­te. „Ich ha­be 100 St­un­den die Wo­che ge­ar­bei­tet.“

Doch der Mut hat sich dank des Zu­pa­ckens und Flei­ßes („Oft ge­nug war es zwölf, drei­zehn St­un­den am Tag“) ge­lohnt. Bald stan­den zwei, dann drei Wa­gen auf dem Hof bzw. den Märk­ten und Plät­zen der Re­gi­on, bis hin zum „Cen­tro“in Ober­hau­sen.

FOTOS: ILGNER (1), KN (8)

Thü­rin­ger Rost­brat­wurst, Kra­kau­er und Rög­gel­chen – mehr muss nicht sein, um ein­ge­fleisch­te Fans zu ha­ben: Wil­li Meu­ter am Grill.

Seit 1966 ver­hei­ra­tet: Ur­su­la und Wil­li Meu­ter.

FOTO: AR­THUR HAARDT

Will Meu­ters ers­ter Ver­kaufs­stand, hier bei der Er­öff­nung der Vier­sener Fuß­gän­ger­zo­ne 1973.

Con­sul Car­ne­va­lis: Aus­zeich­nung der Gro­ßen Glad­ba­cher Kar­ne­vals­ge­sell­schaft 1989 für Wil­li Meu­ter (Drit­ter von rechts).

Den Le­bens­abend ge­nie­ßen ...

Lus­ti­ger Abend bei ei­ner Rei­se nach Budapest.

Toch­ter El­ke Meu­ter führt seit 2002 das Ge­schäft.

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