Nordtveit hat Lust auf den Po­kal

Der Nor­we­ger ist seit Ja­nu­ar 2011 Bo­rus­se. Zwei Po­kal­par­ti­en gab es seit­her im Bo­rus­sia-Park. In der Sai­son 2011/12 das Ach­tel­fi­na­le ge­gen Schal­ke und das Halb­fi­na­le ge­gen die Bay­ern. Da ver­schoss „Ho­wie“ei­nen Elf­me­ter. Heu­te ge­gen Bre­men soll es bes­ser l

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

Bald hat Ha­vard Nordtveit sein Fünf­jäh­ri­ges. Im Ja­nu­ar 2011 kam er zu­nächst auf Leih­ba­sis von Ar­senal Lon­don nach Glad­bach, spä­ter wur­de der Nor­we­ger fest ver­pflich­tet. Er hat viel erlebt seit­her: ei­ne Re­le­ga­ti­ons­ret­tung, den Auf­schwung Bo­rus­si­as vom Fast-Ab­stei­ger zum Spit­zen­team der Bun­des­li­ga, die Rück­kehr in den Eu­ro­pa­po­kal, den Auf­stieg in die Cham­pi­ons Le­ague. Die ak­tu­el­le Sai­son ist so­zu­sa­gen ein De­stil­lat sei­ner bis­he­ri­gen Zeit als Bo­rus­se: von Platz 18 auf Rang drei bin­nen we­ni­ger Wo­chen, zu­dem or­dent­li­che Auf­trit­te in der Kö­nigs­klas­se. Zu­letzt gab es mal wie­der Rück­schlä­ge: das Eu­ro­pa-Aus und die 0:5-Nie­der­la­ge in Leverkusen.

„Fünf Ge­gen­to­re sind zu viel“, sagt er Nordtveit. „Wir ha­ken das aber ab“, ver­si­cher­te er. Und wie geht das schnel­ler, als mit dem nächs­ten Spiel. Das schnel­le Um­schal­ten ist ge­ra­de nach Nie­der­la­gen ein Vor­teil der eng­li­schen Wo- chen. „Es ist gut, dass das Spiel schnell kommt“, sagt Nordtveit. „Das Spiel“ist für ihn ei­nes, auf das er sich freut. Denn Wer­der Bre­men kommt heu­te Abend zum Po­kal­spiel in den Bo­rus­sia-Park – das ist für Nordtveit trotz ei­nes hal­ben Jahr­zehnts Bo­rus­sia et­was Au­ßer­ge­wöhn­li­ches. 134 Bun­des­li­ga-Spie­le, 20 im Eu­ro­pa-Po­kal und zwölf im DFB-Po­kal hat der 25-Jäh­ri­ge für Bo­rus­sia ge­macht, doch nur zwei Heim­spie­le im DFB-Po­kal – bei­de in der Sai­son 2011/2012, zu­nächst das Ach­tel­fi­na­le ge­gen Schal­ke (3:1) und das Halb­fi­na­le ge­gen die Bay­ern.

Nordtveits Er­in­ne­rung an das letz­te Heim­spiel im Po­kal ist, sa­gen wir mal, durch­wach­sen. Viel­mehr an Emo­ti­on ging nicht: Ein Halb­fi­na­le ge­gen den FC Bay­ern München, das in ei­nem Elf­me­ter­schie­ßen gip­fel­te nach tor­lo­sen 120 Mi­nu­ten. „Es ist nicht ganz so krass wie die Cham­pi­ons Le­ague, aber so ein Abend­spiel mit rich­tig geiler Stim­mung und so viel Span­nung – das war klas­se“, sagt Nordtveit. Dumm ist für ihn nur, dass er un­ge­wollt zu den Haupt­dar­stel­lern des Abends ge­hör­te – in­des war ihm kei­ne Hel­den­rol­le zu­ge­dacht. Denn Nordtveits Elf­me­ter lan­de­te am Bein von Manuel Neu­er, es war Glad­bachs letz­ter Schuss, und so war er vor­bei, der Traum vom End­spiel in Ber­lin.

Nordtveits Fehl­schuss je­doch war ein Ran­das­pekt an die­sem Abend, auch wenn er ent­schei­dend war. Denn auch Dan­te hat­te ver­ge­ben, und der gab kurz da­nach sei­nen Wech­sel zu den Bay­ern be­kannt. Wo­mit sich der Bra­si­lia­ner jed­we­den Kre­dit bei den Glad­bach-Fans ver­spielt hat. Nordtveit in­des ge­hört als flei­ßi­ger Ar­bei­ter eher zum Kult­Per­so­nal Bo­rus­si­as.

Zu­mal sich sei­ne Si­tua­ti­on nach dem Trai­ner­wech­sel für ihn zum Bes­se­ren ge­wen­det hat. Bei Lu­ci­en Fav­re war er vor al­lem Back­up auf der Sechs, bei An­dré Schu­bert wird er va­ria­bel ein­ge­setzt: als Rechts­ver­tei­di­ger mal, dann als Sech­ser, vor al­lem aber als In­nen­ver­tei­di­ger. Da könn­te dann auch die Zu­kunft sein. Heu­te Abend wird er in­des ganz si­cher für die in­ne­re Si­cher­heit zu­stän­dig sein, künf­tig aber wei­ter va­ria­bel blei­ben. „Ich se­he Ho­wie da, wo er ge­braucht wird. Er hat es auf der Sechs gut ge­macht und ist auch als In­nen­ver­tei­di­ger ein ver­läss­li­cher Spie­ler“, sagt Schu­bert. Gro­ße Wil­lens­kraft ha­be Nordtveit und zu­dem ei­ne „su­per Men­ta­li­tät“. Män­ner mit sol­chen Ei­gen­schaf­ten sind ge­ra­de für den Po­kal prä­des­ti­niert.

Im Som­mer en­det Nordtveits Ver­trag zwar, doch darf man da­von aus­ge­hen, dass er ver­län­gert wird, viel­leicht so­gar in Kür­ze. Schu­bert gab ges­tern zu, dass er die Aus­wei­tung des Nordtveits­chen Ar­beits­pa­piers „sehr be­grü­ßen“wür­de. „Das macht mein Agent“, sagt Nordtveit, wenn er auf das The­ma an­ge­spro­chen wird. Er selbst wol­le sich auf Fuß­ball kon­zen­trie­ren. Zu­letzt je­doch hat er auch durch­bli­cken las­sen, dass es ihm schon in den Kram pas­sen wür­de, mit Glad­bach mal Ti­tel zu ge­win­nen. Da­für nur die­se ei­ne Rest­Sai­son ein­zu­pla­nen, wä­re viel­leicht et­was ver­mes­sen. Nordtveit kann sich dem­nach wohl noch ein paar Jah­re als Bo­rus­se vor­stel­len.

Wenn es ei­nen Ti­tel ge­ben kann für die Glad­ba­cher, dann am ehes­ten im Po­kal. Beim op­ti­ma­len Ver­lauf sind es „nur“noch vier Spie­le bis zum Tri­umph, denn das Tref­fen mit Bre­men fin­det im Ach­tel­fi­na­le statt. „Wir Spie­ler lie­ben die­sen Wettbewerb, er gibt viel Ener­gie“, sagt Nordtveit. Er hat Lust auf den Po­kal. Da gibt es kein Grau, nur Schwarz oder Weiß, drin oder drau­ßen – das ist der Thrill. Nordtveit mag Thrill, we­ni­ger im Pri­vat­le­ben, auf dem Platz aber de­fi­ni­tiv. Je­doch mit Gren­zen. Als er die Ge­schich­te von 1984, die­sem wil­den 5:4 ge­gen Bre­men nach Ver­län­ge­rung, er­zählt be­kommt, sagt er: „So span­nend wol­len wir es ei­gent­lich nicht ma­chen. Aber wie im­mer es kommt: Wich­tig ist nur, dass wir wei­ter­kom­men.“Nach dem Eu­ro-Aus vor ei­ner Wo­che soll es im Po­kal wei­ter­ge­hen. Sonst hät­te Bo­rus­sia bin­nen ei­ner Wo­che ver­dammt viel ver­lo­ren.

FOTO: IMAGO

21. März 2012: Das ist die letz­te Ak­ti­on des Po­kal­halb-Fi­nals der Bo­rus­sen ge­gen den FC Bay­ern: Ha­vard Nordtveit schei­tert im ent­schei­den­den Elf­me­ter­schie­ßen am Mün­che­ner Tor­wart Manuel Neu­er – Bo­rus­sia ist aus­ge­schie­den.

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