Vom Feu­er­wehr­mann zum Is­la­mis­ten

Sven Lau ist ei­ner der Vor­den­ker der sala­fis­ti­schen Sze­ne. Nun steht er im Ver­dacht, ak­tiv den Ter­ror zu un­ter­stüt­zen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON J. ISRINGHAUS, V. PATEL, G. PE­TERS UND A. RÖH­RIG

DÜSSELDORF/MÖN­CHEN­GLAD­BACH Oft ha­ben die Men­schen in Düsseldorf-Holthausen Sven Lau nicht zu Ge­sicht be­kom­men. Der Sala­fis­ten­Pre­di­ger, der ges­tern in Mön­chen­glad­bach fest­ge­nom­men wur­de, war 2014 nach Düsseldorf ge­zo­gen, sei aber, so Laus Nach­barn, stets un­auf­fäl­lig ge­we­sen. Trotz­dem herrsch­te im Vier­tel ges­tern Un­ru­he. Lau ha­be, so ei­ne An­woh­ne­rin, Kon­takt zu Ju­gend­li­chen in der Sied­lung ge­sucht. Be­stä­tigt wird dies von der Po­li­zei nicht. Al­ler­dings ha­ben die Be­hör­den Lau vor­ge­wor­fen, jun­ge Men­schen für den ex­tre­mis­ti­schen Sala­fis­mus an­zu­wer­ben.

Lau selbst hat den Ver­dacht, mit Ter­ro­ris­ten un­ter ei­ner De­cke zu ste­cken, im­mer weit von sich ge­wie­sen. Nun hält ihn die Bun­des­an­walt­schaft zu­min­dest für ei­nen Ter­ror-Un­ter­stüt­zer. Ges­tern wur­de der 35-Jäh­ri­ge ver­haf­tet: Laus an­geb­li­ches hu­ma­ni­tä­res En­ga­ge­ment für not­lei­den­de Mus­li­me in der Kri­sen­re­gi­on soll pro­pa­gan­dis­tisch ge­tarn­te Ter­ror­hil­fe ge­we­sen sein. In vier Fäl­len, so die Bun­des­an­walt­schaft, ha­be er die in Sy­ri­en ak­ti­ve ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung „Jam­wa“un­ter­stützt, in­dem er Men­schen ver­mit­tel­te und Ma­te­ri­al be­sorg­te.

Lau ist hier­zu­lan­de ne­ben Pier­re Vo­gel ei­ner der be­kann­tes­ten Köp­fe der Sala­fis­ten-Sze­ne. Ge­bo­ren am 14. Ok­to­ber 1980 in Mön­chen­glad­bach, mach­te er nach sei­ner Schul­zeit ei­ne Aus­bil­dung zum In­dus­trie­me­cha­ni­ker, kon­ver­tier­te zum Is­lam, wur­de spä­ter Be­rufs­feu­er­wehr­mann. Im Jahr 2005 grün­de­te er ei­ne Mo­schee in Mön­chen­glad­bach-Ei­cken und wur­de spä­ter Vor­sit­zen­der des um­strit­te­nen und vom Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­te­ten Ver­eins „Ein­la­dung zum Pa­ra­dies“, der längst auf­ge­löst ist. Dort fir­mier­te er als „Abu Adam“und ver­such­te, jun­ge Men­schen für sei­nen ra­di­ka­li­sier­ten Glau­ben zu ge­win­nen. Da­nach war Lau für ver­schie­de­ne sala­fis­tisch-ex­tre­mis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen bun­des­weit ak­tiv, dar­un­ter das Koran-Ver­tei­ler-Netz­werk „Lies!“. Auch in Neuss tauch­te er auf, beim Un­ter­stüt­zer­ver­ein „Hel­fen in Not“, ei­ner vom Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­te­ten sala­fis­ti­schen Be­we­gung.

Bun­des­weit Schlag­zei­len mach­te Lau als selbst er­nann­ter Chef der „Scha­ria-Po­li­zei“. Mit Glau­bens­brü­dern, die oran­ge­far­be­ne Wes­ten mit der Auf­schrift „Sha­ria Po­li­ce“tru­gen, war er durch Wup­per­tal pa­trouil­liert und hat­te die Re­geln des ul­tra­kon­ser­va­ti­ven Is­lam ver­kün­det: kein Al­ko­hol, kein Glücks­spiel, kei­ne Mu­sik, kei­ne Dro­gen. Die Ak­ti­on sorg­te bun­des­weit für Em­pö­rung und wur­de vom Zen­tral­rat der Mus­li­me scharf kri­ti­siert.

In­ter­net-Vi­de­os zeig­ten Lau zu­dem be­reits im Jahr 2013 in Bür­ger­kriegs­ge­bie­ten in Sy­ri­en. Auf ei­nem Foto ist er auf ei­nem Pan­zer zu se­hen. Er selbst hat­te be­haup­tet, dort zu hu­ma­ni­tä­ren Zwe­cken ge­we­sen zu sein. Sei­nen Rei­se­pass ha­ben die Be­hör­den ein­ge­zo­gen. Der Kon­ver­tit klag­te da­ge­gen und ver­lor. Hin­wei­sen zu­fol­ge hat­te er sich er­neut nach Sy­ri­en ab­set­zen wol­len.

Die Zahl der ge­walt­be­rei­ten Sala­fis­ten in NRW ist zu­letzt von 300 auf 500 ge­stie­gen. Die­se wür­den aber vom Ver­fas­sungs­schutz eng­ma­schig über­wacht, sagt Jörg Ra­de­ma­cher, Spre­cher des In­nen­mi­nis­te­ri­ums. So sei auch die Ver­haf­tung Laus ein Er­geb­nis kon­se­quen­ter Er­mitt­lungs­ar­beit ge­we­sen. An­lass, die Über­wa­chung der Sala­fis­ten jetzt noch zu ver­stär­ken, ge­be es nicht. Ins­ge­samt ge­hen die Si­cher­heits­be­hör­den in NRW von 2500 Sala­fis­ten aus, die meis­ten gel­ten als ge­mä­ßigt. Sie ver­tei­len sich auf rund 40 Netz­wer­ke. Die Sala­fis­ten be­ru­fen sich auf ei­nen 1400 Jah­re al­ten Ur-Is­lam. Lau et­wa be­zeich­ne­te laut In­nen­mi­nis­te­ri­um sei­ne nach Sy­ri­en zum Kämp­fen aus­ge­reis­ten Be­kann­ten als „Mär­ty­rer im Glau­ben“.

Das Foto soll Sven Lau (hin­ten) auf ei­nem Pan­zer in Sy­ri­en zei­gen. Es wur­de von ei­nem mut­maß­li­chen IS-Kämp­fer mit dem Han­dy auf­ge­nom­men. Nach Ein­schät­zung von Si­cher­heits­be­hör­den ist das Bild echt.

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