Face­book-Het­ze in 24 St­un­den lö­schen

Hass­pa­ro­len sol­len schnel­ler aus dem In­ter­net ver­schwin­den. Das ist ein Er­geb­nis der von Jus­tiz­mi­nis­ter Maas ins Le­ben ge­ru­fe­nen Ar­beits­grup­pe. Kri­ti­ker wer­fen dem Mi­nis­ter vor, sich von Face­book vor­füh­ren zu las­sen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON JAN DREBES, DA­NI­EL FIENE UND FLO­RI­AN RINKE

BER­LIN/DÜSSELDORF Je­den Tag schrei­ben Nut­zer in Online-Platt­for­men wie Face­book, Twit­ter oder Youtu­be neue Kom­men­ta­re, in de­nen sie zu Ge­walt ge­gen Flücht­lin­ge auf­ru­fen, Volks­ver­het­zung be­trei­ben oder Hass­pa­ro­len ge­gen An­ders­den­ken­de und An­ders­gläu­bi­ge ver­brei­ten. Dem will Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) ent­ge­gen­tre­ten und hat nun mit den Un­ter­neh­men nach lan­gem Rin­gen ver­ein­bart, dass sie kon­kre­ter und kon­se­quen­ter als bis­her ge­gen Het­ze auf ih­ren Sei­ten vor­ge­hen. Face­book er­klär­te et­wa das Ziel, künf­tig bin­nen 24 St­un­den straf­recht­lich re­le­van­te In­hal­te von Nut­zern zu lö­schen. Zu­dem sol­len bei Face­book und an­de­ren Netz­wer­ken „an­wen­der­freund­li­che Mecha­nis­men“zur Über­mitt­lung von Be­schwer­den ge­schaf­fen wer­den, und Nut­zer­kon­ten könn­ten häu­fi­ger ge­sperrt wer­den.

Im Sep­tem­ber hat­te Maas ei­ne Ar­beits­grup­pe („Task-Force“) ge­gen rechts­wid­ri­ge Hass­bot­schaf­ten im In­ter­net ge­grün­det, an der sich ne­ben Goog­le, Twit­ter und Face­book auch zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Grup­pen be­tei­li­gen. Denn we­gen der sich zu­spit­zen­den Flücht­lings­kri­se war die rech­te Het­ze im Netz ex­plo­diert, der Trend hält an – auch rechts­ra­di­ka­le Straf­ta­ten ge­gen Flücht­lings­hei­me neh­men zu. Bei der In­ter­net-Be­schwer­de­stel­le Eco wa­ren 2014 dop­pelt so vie­le Be­schwer­den über rechts­ra­di­ka­le und ras­sis­ti­sche In­hal­te ein­ge­gan­gen wie im Jahr zu­vor. Und erst vor we­ni­gen Wo­chen wur­de ein An­ge­klag­ter we­gen fort­ge­setz­ter Volks­ver­het­zung im Netz zu zwei­ein­halb Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Maas will nun im März erst­mals Bi­lanz zu den ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen zie­hen.

Der Mi­nis­ter muss­te Zäh­ne zei­gen in den Ver­hand­lun­gen mit den fast aus­schließ­lich US-ame­ri­ka­ni­schen Un­ter­neh­men, ge­bracht hat es kaum et­was. Mei­nungs­frei­heit wird in den USA noch deut­lich wei­ter aus­ge­legt als in Deutsch­land. Maas be­ton­te nun er­neut, nie­mand dür­fe im Um­gang mit Hass­bot­schaf­ten fir­men­ei­ge­ne Nut­zungs­be­stim­mun­gen über deut­sches Recht stel­len. Un­ter­des­sen ver­han­del­ten ges­tern Ver­tre­ter von EUStaa­ten, Eu­ro­pa­par­la­ment und EUKom­mis­si­on über ein­heit­li­che Da­ten­schutz­re­geln für In­ter­net-Nut­zer. Bis Weih­nach­ten soll es ei­nen Kom­pro­miss ge­ben, da­mit Ver­brau­cher künf­tig mehr Kon­trol­le über per­sön­li­chen Da­ten be­kom­men.

Im Kampf ge­gen Het­ze hat­te Face­book auf Drän­gen der Bun­des­re­gie­rung schon vor den Er­geb­nis­sen der Ar­beits­grup­pe den Prü­fungs­pro­zess für Kom­men­ta­re ver­än­dert. „Wir gu­cken ge­ra­de sehr ge­nau, was wir bei un­se­ren Pro­zes­sen bes­ser ma­chen kön­nen“, sag­te Face­boo­kSpre­che­rin Ti­na Ku­low An­fang No­vem­ber bei ei­nem Be­such bei der Rhei­ni­schen Post. Und tat­säch­lich hat Face­book die In­ter­pre­ta­ti­on ei­ge­ner Richt­li­ni­en bei ge­mel­de­ten Hass­kom­men­ta­ren ge­än­dert: Ge­walt­an­dro­hun­gen ge­gen Flücht­lin­ge wer­den in­zwi­schen ge­löscht. In an­de­ren Län­dern nimmt Face­book wei­ter ei­ne Ab­wä­gung vor, ob die Ge­mein­schafts­stan­dards ver­letzt wer­den. Doch der Pro­zess ist noch nicht gut ge­nug. Wohl auch des­halb ist Face­book kürz­lich der „Frei­wil­li- gen Selbst­kon­trol­le Mul­ti­me­di­aDi­ens­te­an­bie­ter“bei­ge­tre­ten. Aus de­ren Um­feld hieß es ges­tern, dass ge­mein­sa­me Maß­nah­men, die Face­book im ers­ten Quar­tal 2016 um­set­zen will, kon­kret fi­nan­zi­el­le Hil­fe für ei­ne bes­se­re per­so­nel­le Aus­stat­tung, aber auch die Un­ter­stüt­zung ei­ner Sch­lich­tungs­stel­le für Streit­fäl­le be­inhal­ten könn­ten.

Doch das Netz­werk will nicht ver­ra­ten, ob die Zahl der Hass­bot­schaf­ten zu- oder wie­der ab­nimmt und in wel­chem Ver­hält­nis an­de­re pro­ble­ma­ti­sche In­hal­te durch Nut­zer ge­mel­det wer­den. Bis­her bleibt die an­ge­kün­dig­te Trans­pa­renz al­so ein Ver­spre­chen. Und den Grü­nen ge­hen die Be­schlüs­se von Maas’ Ar­beits­grup­pe nicht schnell ge­nug. Sie er­klär­ten, die Ko­ali­ti­on dür­fe nicht län­ger to­le­rie­ren, „wenn sich mil­li­ar­den­schwe­re Un­ter­neh­men ih­rer Ver­ant­wor­tung ent­zie­hen“.

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