Was die US-Zins­wen­de be­deu­tet

Heu­te könn­te No­ten­bank-Che­fin Ja­net Yel­len den Leit­zins er­hö­hen – mit weit­rei­chen­den Fol­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON FLO­RI­AN RINKE

WA­SHING­TON Es gab Zei­ten, in de­nen man Spar­ver­trä­ge mit vier oder mehr Pro­zent Zin­sen an­ge­bo­ten be­kam – und das ist noch nicht mal so lan­ge her. Doch ge­fühlt sind die­se Zei­ten seit ei­ner Ewig­keit vor­bei. Um die Wirt­schaft zu hei­len, ha­ben die No­ten­ban­ken die­ser Welt Ban­ken, Staa­ten, das gan­ze Sys­tem mit bil­li­gem Geld über­häuft. Doch wäh­rend die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank an die­ser Pra­xis fest­hält, be­rei­tet sich ihr US-Pen­dant Fed auf die lang­sa­me Ab­kehr vor.

Heu­te könn­te US-No­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len mit ei­ner Zins­wen­de das En­de der fast ein Jahr­zehnt dau­ern­den Ära das bil­li­gen Gel­des ein­läu­ten. Volks­wir­te in al­ler Welt ge­hen da­von aus, dass es auch so weit kommt. Denn Yel­len hat die­sen Schritt von lan­ger Hand vor­be­rei­tet. Im­mer wie­der hat sie in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten klei­ne Test­bal­lons stei­gen las­sen, Si­gna­le ge­ge­ben, dass es bald vor­bei sein könn­te, dass die Zin­sen wie­der stei­gen wer­den. Denn die Fed will um je­den Preis ver­hin­dern, dass et­was ähn­li­ches pas­siert wie 1994, als es nach Zins­er­hö­hun­gen zu ei­nem Crash am An­lei­hen­markt kam.

Nun, in der De­zem­ber-Sit­zung des Of­fen­markt­aus­schus­ses der Fed, soll es so­weit sein. Spe­ku­liert wird über ei­nen Sprung von 0,25 Pro­zent­punk­ten. Das ist nicht viel, der Zins lä­ge da­mit im­mer noch na­he Null, aber es ist ein An­fang. Seit En­de 2008 be­fin­den sich die US-Leit­zin­sen auf dem his­to­ri­schen Tief­stand na­he Null. Da­mals hat­te die Fed die Zin­sen ra­di­kal ge­senkt, um da­mit auf die von den USA aus­ge­hen­de Fi­nanz­kri­se zu re­agie­ren und die Wirt­schaft zu sta­bi­li­sie­ren.

Die Ent­schei­dung gilt da­her als ei­ne der wich­tigs­ten geld­po­li­ti­schen Wei­chen­stel­lun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re – denn die Fol­gen wer­den welt­weit zu spü­ren sein. Schließ­lich wür­de durch den Zins­schritt der US-Markt at­trak­ti­ver für Geld­an­le­ger. Ei­ni­ge von ih­nen dürf­ten Ka­pi­tal aus Schwel­len­län­dern ab­zie­hen. Laut der in­ter­na­tio­na­len Ban­ken­or­ga­ni­sa­ti­on IIF sind im No­vem­ber be­reits per Sal­do 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro aus den Schwel­len­re­gio­nen ab­ge­flos­sen. Im­mer­hin: Län­der wie In­di­en ste­hen wirt­schaft­lich in­zwi­schen ro­bus­ter da als noch vor ei­ni­gen Jah­ren, dürf­ten den mög­li­chen Schritt da­her bes­ser ver­kraf­ten.

Auch für den Au­ßen­han­del in Deutsch­land blie­be der Zins­schritt nicht fol­gen­los. Die Zins­an­he­bung könn­te mit­tel­fris­tig den Dol­lar im Ver­gleich zum Eu­ro stär­ken. Das wür­de Vor­tei­le für Ex­por­teu­re et­wa aus der Eu­ro­zo­ne brin­gen, je­doch die­je­ni­gen schwä­chen, die in Dol­lar zah­len müs­sen, et­wa Ur­lau­ber oder in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge Fir­men mit ho­hem Im­port­an­teil. Bei der Bun­des­bank gibt man sich ge­las­sen: „Die Fi­nanz­märk­te schei­nen re­la­tiv gut ein­ge­stellt auf ei­ne Zins­er­hö­hung“, sag­te Vor­stands­mit­glied Joa­chim Na­gel der „Bör­sen-Zei­tung“.

FOTO: REU­TERS

Die Fe­deral Re­ser­ve Bank in Wa­shing­ton.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.