Sven Lau, ein ra­di­ka­ler Men­schen­fän­ger

Der Mön­chen­glad­ba­cher Sala­fis­ten-Pre­di­ger Sven Lau stell­te sich stets als Op­fer dar, doch für Po­li­zei und In­nen­mi­nis­ter ist er ge­fähr­lich. Ges­tern wur­de der 35-Jäh­ri­ge un­ter star­ken Si­cher­heits­vor­keh­run­gen in Glad­bach fest­ge­nom­men.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON GABI PE­TERS

Ei­ne blick­dich­te Bril­le auf den Au­gen und Kopf­hö­rer auf den Oh­ren – so wur­de der is­la­mis­ti­sche Pre­di­ger Sven Lau ges­tern aus dem Mön­chen­glad­ba­cher Po­li­zei­prä­si­di­um von ver­mumm­ten Po­li­zei-Kräf­ten ab­ge­führt. Am Mor­gen war sei­ne Woh­nung in Düsseldorf-Holthausen durch­sucht wor­den. Un­ter ei­nem Vor­wand soll der 35-Jäh­ri­ge vor­her ins Po­li­zei­prä­si­di­um an die Theo­dor-Heuss-Stra­ße ge­lockt wor­den sein. Dort wa­ren er­höh­te Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ge­trof­fen wor­den. An al­len Zu­fahr­ten zu den Ge­bäu­den stan­den Po­li­zei­au­tos.

Schon län­ger stand Sven Lau, der ge­bür­ti­ge Mön­chen­glad­ba­cher und ehe­ma­li­ge Feu­er­wehr­mann, un­ter dem Ver­dacht, ei­ne ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung un­ter­stützt zu ha­ben. Schon ein­mal saß er des­halb in Un­ter­su­chungs­haft, wur­de aber nach drei Mo­na­ten wie­der frei ge­las­sen. Im In­ter­net be­teu­er­te er stets sei­ne Un­schuld. Er sei aus rein hu­ma­ni­tä­ren Grün­den nach Sy­ri­en ge­fah­ren, be­haup­te­te er. De­tails über die „Er­nied­ri­gun­gen, die er im Knast er­le­ben muss­te“, ver­öf­fent­lich­te der 35Jäh­ri­ge in sei­nem Buch „Fremd im ei­ge­nen Land“. Der Mann, der seit Jah­ren un­ter Be­ob­ach­tung des Ver- fas­sungs­schut­zes steht, sieht sich stets in der Op­fer­rol­le: Weil die Me­di­en so het­zen, ha­be er bei ei­nem Be­such beim Amts­ge­richt zur „Si­cher­heit der An­de­ren“von ei­nem Po­li­zis­ten be­glei­tet wer­den müs­sen. Nach ei­nem stun­den­lan­gen Ver­hör bei der Glad­ba­cher Po­li­zei ha­be er nur Bro­te mit Streich­kä­se be­kom­men. Rei­ne Schi­ka­ne. Wo doch je­der wis­se, dass Mus­li­me kein Fleisch es­sen und im Streich­kä­se Ge­la­ti­ne sei. Er wer­de we­gen sei­nes lan­gen Bar­tes ver­höhnt, aber Ho­mo­se­xu­el­len ge­gen­über sei man to­le­rant. Doch so harm­los, wie Sven Lau, der Va­ter von drei Kin­dern, im­mer tat, ist er ganz of­fen­sicht­lich nicht. Als es im Som­mer 2011 im Kel­ler ei­nes Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses brann­te, in dem sich die Sala­fis­ten häu­fi­ger tra­fen, stell­te sich Sven Lau zwar als Op­fer von Mus­lim­has­sern dar. Doch die Er­mitt­ler wa­ren sich da­mals ei­nig, dass der selbst er­nann­te is­la­mis­ti­sche Pre­di­ger selbst das Feu­er leg­te. Trotz er­drü­cken­der Be­wei­se kam Sven Lau un­ge­scho­ren da­von. Das al­les ist harm­los ge­gen die jet­zi­gen An­schul­di­gun­gen.

Zum zwei­ten Mal wird dem 35Jäh­ri­gen vor­ge­wor­fen, „Got­tes­krie- ger“re­kru­tiert zu ha­ben. Aus­schlag­ge­bend für die er­neu­te Fest­nah­me sei­en neue Be­wer­tun­gen der von Lau ver­brei­te­ten Pro­pa­gan­da so­wie ver­dich­te­te In­for­ma­tio­nen über die Or­ga­ni­sa­tio­nen, für die er Spen­den ein­ge­wor­ben ha­be, sag­te In­nen­mi­nis­ter Jä­ger ges­tern.

Es gibt meh­re­re Bei­spie­le für Sala­fis­ten, die sich in Mön­chen­glad­bach ra­di­ka­li­sie­ren lie­ßen und nach Sy­ri­en reis­ten, um sich dort Ter­ror­grup­pen an­zu­schlie­ßen. Fast al­le sol­len mit Sven Lau in Kon­takt ge­stan­den ha­ben. Im April die­ses Jah­res schlos­sen Po­li­zei und städ­ti­sche Be­hör­den ei­ne Kampf­sport­schu­le in Mül­fort, weil dort 30 bis 40 Kin­der und Ju­gend­li­che von ra­di­ka­len sala­fis­ti­schen Übungs­lei­tern in Kampf­sport un­ter­rich­tet wor­den sei­en. Ehe­ma­li­ge Mit­glie­der von „Ein­la­dung zum Pa­ra­dies“sol­len sich häu­fig in der Kampf­sport­schu­le auf­ge­hal­ten ha­ben, so zum Bei­spiel auch der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de Sven Lau.

Bis ins Jahr 2011 ha­be Sven Lau mit sei­nem Netz­werk „Ein­la­dung zum Pa­ra­dies“, das jun­ge Men­schen in Mön­chen­glad­bach für den ex­tre­mis­ti­schen Sala­fis­mus an­warb, pro­vo­ziert. In der Fol­ge sei er für ver­schie­de­ne sala­fis­tisch-ex­tre­mis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen deutsch­land­weit ak­tiv ge­we­sen, auch für das Koran-Ver­tei­ler-Netz­werk „Lies!“, ließ das In­nen­mi­nis­te­ri­um mit­tei­len. In­ter­net-Vi­de­os hät­ten ihn be­reits im Jahr 2013 in Bür­ger­kriegs­ge­bie­ten in Sy­ri­en ge­zeigt. Lau ha­be zu­dem fort­lau­fend deut­lich ge­macht, dass nach sei­nem ex­tre­mis­ti­schen Ver­ständ­nis vom Is­lam die Scha­ria über dem Grund­ge­setz ste­he. Sei­ne nach Sy­ri­en zum Kämp­fen aus­ge­reis­ten Freun­de be­zeich­ne­te er als „Mär­ty­rer im Glau­ben“. Titelseite Leit­ar­ti­kel Panorama

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Streng be­wacht war ges­tern das Po­li­zei­prä­si­di­um an der Theo­dor-Heuss-Stra­ße.

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Der fest­ge­nom­me­ne Sven Lau bei sei­nem Ab­trans­port aus Mön­chen­glad­bach.

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