Kar­ne­val am Dart­board

In Lon­don be­ginnt mor­gen die Darts-WM. Drei Deut­sche sind beim weih­nacht­li­chen Wahn­sinn im „Al­ly Pal­ly“da­bei.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON DA­NI­EL THIEL

DÜSSELDORF Die Darts-Welt­meis­ter­schaft ist schrill wie der Kar­ne­val im Rhein­land, so ver­rückt wie der Bal­ler­mann, so al­ko­hol­las­tig wie das Ok­to­ber­fest. Die Pro­fis ha­ben sich dar­an längst ge­wöhnt, weil die WM ih­nen ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Büh­ne bie­tet – ge­ra­de dank der Un­men­gen jun­ger Leu­te. „Darts­spie­ler sind Ty­pen aus al­len Klas­sen, mit de­nen man auch mal ein Bier trin­ken kann. Und die wer­den da be­grüßt wie Pop­stars“, sagt To­mas Sey­ler, ei­ner der bes­ten deut­schen Darts-Pro­fis und Teil­neh­mer an vier Welt­meis­ter­schaf­ten.

Mor­gen be­ginnt die jähr­li­che Darts-Aus­nah­me­zeit in En­g­land. Sie geht bis zum 3. Ja­nu­ar, dann ist im „Alex­an­dra Pa­lace“der Welt­meis­ter er­mit­telt. Die Fa­vo­ri­ten im le­gen­dä­ren „Al­ly Pal­ly“hei­ßen Phil Tay­lor, 16-ma­li­ger Ti­tel­trä­ger aus En­g­land, oder Ga­ry An­der­son, ak­tu­el­ler Cham­pi­on. Auch drei deut­sche Spie­ler ge­hen an den Start. Den un­er­fah­rens­ten Deut­schen, Re­ne Ei­dams, hat es bei der Aus­lo­sung knüp­pel­dick er­wischt: Der WM-De­bü­tant muss in der ers­ten Run­de ge­gen den Welt­rang­lis­ten-Ers­ten und Top­fa­vo­ri­ten Micha­el van Ger­wen aus den Nie­der­lan­den an­tre­ten. Deutsch­lands größ­te Hoff­nung Max Hopp (19) trifft auf van Ger­wens Lands­mann Be­ni­to van de Pas. Hopp ist am­tie­ren­der U21-Welt­meis­ter. Jy­han Ar­tut be­kommt es mit Ste­phen Bun­ting aus En­g­land zu tun.

Mit wil­den Schwein­wer­ferSchwenks durch die ab­ge­dun­kel­te West Hall und wuch­ti­ger Ein­lauf­mu­sik, die aus den lär­men­den Bo­xen tief in die Ge­hör­gän­ge je­des Zu­schau­ers dröhnt, geht es los. Wie beim Bo­xen wer­den die Darts­spie­ler von Hos­tes­sen auf die Büh­ne be­glei­tet. Und oben rä­keln sich dünn be­klei­de­te­te Cheer­lea­der vor den Mas­sen der Par­ty­freun­de. Wenn die Darts flie­gen, hält der Hal­len­spre­cher al­le, die nicht hin­gu­cken wol­len oder es nicht mehr kön­nen, mit hei­se­rer Stim­men im Fünf-Se­kun- den-Ab­stand auf dem Lau­fen­den: „What a gre­at per­for­mance!“Ähn­lich häu­fig wer­den Par­ty­hits wie Scoo­ters „J‘ado­re Hard­core“ge­spielt, und nicht we­ni­ge der Zu­schau­er grö­len mit. Da­zu ist es Tra­di­ti­on, dass die Fans DIN-A3 Papp­schil­der in die Fern­seh­ka­me­ras hal­ten; ge­s­pon­sert von Wil­li­am Hill, ei­nem der füh­ren­den Wett­an­bie­ter En­g­lands. Mit reich­lich Platz, um ir­gend­et­was zu krit­zeln – ob ju­gend­frei oder nicht. Eben al­les, was den fei­er­wü­ti­gen An­hän­gern im „Al­ly Pal­ly“so ein­fällt.

In En­g­land hat der Sport ei­ne gro­ße Tra­di­ti­on und ein weit­aus bes­se- res Image als hier­zu­lan­de. „Lei­der Got­tes wer­den wir in Deutsch­land im­mer noch als Kn­ei­pen­sport wahr­ge­nom­men. Das ist aber gar nicht der Fall: Wir ha­ben ei­ne Bun­des­li­ga, ei­ne na­tio­na­le Rang­lis­te, al­les au­ßer­halb von Kn­ei­pen“, sagt Clau­dia zum Fel­de, Prä­si­den­tin des Deut­schen Darts-Ver­ban­des. Zwi­schen Weih­nach­ten und Sil­ves­ter aber, wenn die üp­pi­gen Fest­es­sen mit der Fa­mi­lie ver­daut wer­den müs­sen, die Fuß­ball-Bun­des­li­ga pau­siert und über­haupt Sport-Not­stand im TV herrscht, steigt auch in Deutsch­land das Darts-In­ter­es­se. We­gen der gro­ßen Nach­fra­ge hat der Spar­ten­sen- der Sport1 sein An­ge­bot ins Free-TV aus­ge­wei­tet und er­freut sich gu­ter Ein­schalt­quo­ten. Die Zu­schau­er hat­ten im ver­gan­ge­nen Jahr noch ei­nen Grund mehr zu fei­ern: Erst­mals er­reich­ten in Max Hopp und Sascha St­ein deut­sche Teil­neh­mer die zwei­te WM-Run­de.

Sport1 über­trägt auch in die­sem Jahr li­ve. Dann wird sich ne­ben Tay­lor und van Ger­wen auch der bun­tes­te Vo­gel der Sze­ne, Pe­ter Wright, mit sei­ner neu­es­ten Fri­sur prä­sen­tie­ren.

Ob es deut­sche Er­fol­ge gibt, wird sich auch zei­gen. Si­cher ist: Die Fans wer­den ih­ren Spaß ha­ben.

FOTO: IMAGO

Auf­fäl­ligs­ter Spie­ler der Sze­ne: Der Schot­te Pe­ter Wright (45) trägt ei­nen bun­ten Iro­ke­sen­schnitt und den Spitz­na­men „Sna­ke­bi­te“.

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