Dra­ma im Tes­si­ner Berg­dorf

Ar­te zeigt heu­te den Film „Die Schwar­zen Brü­der“, in dem ein Jun­ge zur har­ten Ar­beit ge­zwun­gen wird.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN -

BER­LIN (dpa) Das Idyll könn­te nicht per­fek­ter sein im Tes­si­ner Berg­dorf So­no­gno Mit­te des 19. Jahr­hun­derts. Der Wild­bach rauscht, die Wild­blu­men blü­hen, und am kla­ren Him­mel strahlt die Son­ne. So ro­man­tisch be­ginnt der Film „Die Schwar­zen Brü­der“. Aber mit der Ro­man­tik ist es bald vor­bei.

Der 14-jäh­ri­ge Gior­gio (Fynn Hen­kel) lebt zwar in ar­men, aber doch glück­li­chen Ver­hält­nis­sen. Schließ­lich wird sei­ne Mut­ter (Sa­bi­ne Ti­mo­teo) durch ei­nen Un­fall schwer ver­letzt. Da taucht An­to­nio Lui­ni (Mo­ritz Bleib­treu) auf. Er bie­tet Gior­gi­os Va­ter (Leo­nar­do Ni­gro) viel Geld, mit dem er ei­nen Arzt be­zah­len könn­te. Lui­ni möch­te im Ge­gen­zug den Jun­gen, um mit ihm Geld zu ver­die­nen. Schwe­ren Her­zens wird Gior­gio wie ein Stück Vieh an ihn ver­kauft. Nach sei­ner An­kunft in Mai­land wer­den er und ein Lei­dens­ge­nos­se an ei­nen Ka­min­fe­ger­meis­ter ver­mit­telt, für den sie künf­tig als „Spaz­za­ca­mi­ni“ar­bei­ten müs­sen. Das be­deu­tet, dass sie als le­ben­di­ger Be­sen in hei­ße Ka­mi­ne stei­gen müs­sen, um sie mit blo­ßen Hän­den vom Ruß zu be­frei­en. Die Ka­min­fe­ger­jun­gen grün­den heim­lich den Bund der „Schwar­zen Brü­der“und pla­nen – mit der Hil­fe von Pa­ter Ro­ber­to (Ri­chy Mül­ler) – schließ­lich die Flucht zu­rück ins Kan­ton Tes­sin.

Un­ter der Re­gie von Xa­vier Kol­ler (71, Os­car für „Rei­se der Hoff­nung“, 1991) ent­stand ein Aben­teu­er­film für die gan­ze Fa­mi­lie. Er ba­siert auf dem gleich­na­mi­gen Ju­gend­buch­klas­si­ker von Li­sa Tetz­ner, der 1941 er­schien, und hält sich ziem­lich ge­nau an die Vor­la­ge. Das Ge­sche­hen dreht sich um Wer­te wie Auf­rich­tig­keit, Freund­schaft und Zu­sam­men­halt. Doch lei­der packt es den Zu­schau­er nicht so recht. Das liegt vor al­lem an der Syn­chro­ni­sa­ti­on der deutsch-ita­lie­nisch-schwei­ze­ri­schen Ko­pro­duk­ti­on, aber auch an den zu­meist jun­gen Schau­spie­lern, die doch ziem­lich höl­zern agie­ren und ih­re Tex­te mehr auf­sa­gen als spie­len. Al­lein Fynn Hen­kel („Tie­re bis un­ters Dach“) ver­mag hier zu über­zeu­gen. Am En­de kehrt Gior­gio in die Hei­mat zu­rück und da­mit in das an­fäng­li­che Idyll. Fa­zit: Ein teil­wei­se all­zu pla­ka­ti­ver, ins­ge­samt aber doch un­ter­halt­sa­mer Film, der dem Zu­schau­er wahr­lich fins­te­re Zei­ten vor Au­gen führt. „Die Schwar­zen Brü­der“, Ar­te, 20.15 Uhr

FOTO: NDR

Die Ka­min­fe­ger­jun­gen, ge­spielt von Max Da­mi­si (li.), Can Schnei­der (4.v.r.), Fynn Hen­kel (3.v.r.), bil­den zu­sam­men den Bund der „Schwar­zen Brü­der“. Ge­mein­sam be­schlie­ßen sie, aus ih­rem skla­ven­ähn­li­chen Le­ben zu flüch­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.