Sala­fis­ten sen­den Vi­deo-Bot­schaft an Lau

Ge­gen die Ver­haf­tung von Sven Lau pro­tes­tie­ren nach Aus­sa­ge von NRW-Ver­fas­sungs­amts­chef Burk­hard Frei­er An­hän­ger des Sala­fis­ten-Pre­di­gers im In­ter­net. Die CDU warnt da­vor, dass Is­la­mis­ten jun­ge Flücht­lin­ge re­kru­tie­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON GABI PE­TERS UND CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

MÖN­CHEN­GLAD­BACH We­ni­ge St­un­den nach der Ver­haf­tung des Sala­fis­ten-Pre­di­gers Sven Lau ist im In­ter­net ei­ne Vi­deo­bot­schaft sei­nes Freun­des und Ge­sin­nungs­ge­nos­sen Pier­re Vo­gel auf­ge­taucht, die bei den Si­cher­heits­be­hör­den auf gro­ßes In­ter­es­se stößt. Die gut 17 Mi­nu­ten lan­ge Auf­nah­me be­ginnt mit ei­ner kur­zen, aber deut­li­chen Auf­for­de­rung an die Sala­fis­ten: „Un­ter­stützt eu­ren Bru­der.“Da­nach er­klärt Vo­gel, dass er noch vor der Fest­nah­me mit Lau te­le­fo­niert ha­be. Dem­nach sei sein Freund von Düsseldorf nach Mön­chen­glad­bach ge­fah­ren, um bei der dor­ti­gen Po­li­zei ei­ni­ge Sa­chen ab­zu­ho­len, die die­se nach Laus letz­ter Ver­haf­tung noch ein­be­hal­ten hat­te. Wie sich her­aus­stell­te, war das nur ein Vor­wand der Bun­des­an­walt­schaft, um ihn we­gen Ter­ror­ver­dachts fest­neh­men zu kön­nen. Das Vi­deo hat­te bis ges­tern Abend schon mehr als 1000 „Ge­fällt mir“-An­ga­ben.

Der ehe­ma­li­ge Ama­teur-Bo­xer Pier­re Vo­gel, der in der Nä­he von Köln wohnt und un­ter in­ten­si­ver Be­ob­ach­tung des Ver­fas­sungs­schut­zes steht, gilt in der sala­fis­ti­schen Sze­ne als we­sent­lich ein­fluss­rei­cher als Lau. Doch an­ders als Lau ha­ben die Er­mitt­ler ge­gen ihn of­fen­bar noch nichts in der Hand, um ihn fest­neh­men zu kön­nen. Auch sei­ne neu­es­te Vi­deo­bot­schaft sei zwar grenz­wer­tig, aber recht­lich nicht zu be­an­stan­den, heißt es aus Si­cher­heits­krei­sen. „Er wägt ge­nau ab, was er in sei­nen Vi­de­os sagt und was nicht“, so ein Er­mitt­ler. Die Fest­nah­me des frü­he­ren Mön­chen­glad­ba­cher Feu­er­wehr­man­nes Sven Lau hat nach An­ga­ben des nord­rhein­west­fä­li­schen Ver­fas­sungs­amts­chefs Burk­hard Frei­er bei den Sala­fis­ten gro­ße Em­pö­rung aus­ge­löst. „Die Ver­haf­tung wird als un­ge­recht und über­trie­ben emp­fun­den“, sag­te Frei­er un­se­rer Re­dak­ti­on. „Das zeigt, dass für die Ex­tre­mis­ten die de­mo­kra­ti­sche Rechts­ord­nung kein Maß­stab ist.“

„Ekel­haft“und „hin­ter­lis­tig“nennt bei­spiels­wei­se Erol Sel­ma­ni die Fest­nah­me Laus. Sel­ma­ni ist Kopf des sala­fis­ti­schen Netz­wer­kes „Sie­gel des Pro­phe­ten“, das in Städ­ten wie Düsseldorf, Bre­men und Ham­burg ähn­li­che Stra­ßen­mis­sio­nie­run­gen wie die Koran-Ver­tei­l­Ak­ti­on „Lies!“be­treibt. In ei­nem In­ter­net­vi­deo sagt er: „So wür­de man noch nicht ein­mal Frau Zschä­pe und an­de­re Ter­ro­ris­ten fest­neh­men. So ver­haf­tet man Men­schen, die ei­ne Mil­li­on Men­schen ge­tö­tet ha­ben.“

Sven Lau war am Di­ens­tag von schwer be­waff­ne­ten Po­li­zei­kräf­ten mit Sturm­mas­ken ab­ge­führt wor­den. Dem 35-jäh­ri­gen is­la­mis­ti­schen Pre­di­ger wur­den nach sei­ner Fest­nah­me ei­ne blick­dich­te Bril­le und Kopf­hö­rer auf­ge­setzt. Erol Sel­ma­ni emp­fin­det das als ei­ne „psy­cho­lo­gi­sche Ein­schüch­te­rung“der Be­hör­den, um die Glau­bens­ge­schwis­ter von der Da­wa, al­so der Ein­la­dung zum Is­lam, ab­zu­hal­ten. „So ver­sucht man, al­le Mus­li­me in Deutsch­land platt­zu­ma­chen.“

In NRW gibt es laut In­nen­mi­nis­te­ri­um der­zeit rund 500 Sala­fis­ten, die als ge­walt­be­reit ein­ge­stuft wer­den. Sie ver­su­chen ge­zielt, min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge zu re­kru­tie­ren. „Das ist ak­tu­ell ein sehr gro­ßes Pro­blem, das wir sehr ernst neh­men“, be­tont Pe­ter Bie­sen­bach, Rechts­ex­per­te der CDU-Land­tags­frak­ti­on. „Be­treu­er in den Flücht­lings­un­ter­künf­ten sind an­ge­hal­ten, so­fort die Po­li­zei ein­zu­schal­ten, wenn sie von die­sen An­wer­bungs­ver­su­chen er­fah­ren“, sagt Bie­sen­bach.

Lau sitzt in Karls­ru­he in Un­ter­su­chungs­haft. Im Fe­bru­ar 2014 war er schon ein­mal zur Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt nach Karls­ru­he ge­bracht wor­den. Sei­ne Fest­nah­me da­mals schil­dert der 35-Jäh­ri­ge in ei­nem sei­ner Bü­cher. Be­am­te vom Staats­schutz hät­ten um 6 Uhr sei­ne Woh­nungs­tür auf­ge­bro­chen, sei­en in die Woh­nung ge­stürmt, hät­ten laut ge­schrien und ihn ge­nö­tigt, sich auf den Bauch zu le­gen. Dann sei­en ihm vor den Au­gen sei­ner Fa­mi­lie Hand­schel­len an­ge­legt wor­den. Die­ses Mal ver­lief die Fest­nah­me an­ders. Sven Lau wur­de vor­her aus sei­ner Woh­nung ins Mön­chen­glad­ba­cher Po­li­zei­prä­si­di­um ge­lockt.

FOTO: SCREENSHOT FACE­BOOK

Die­se So­li­da­ri­täts­be­kun­dung für den fest­ge­nom­me­nen Sven Lau steht auf der Face­book-Sei­te des Sala­fis­ten-Pre­di­gers Pier­re Vo­gel. Das Vi­deo hat­te ges­tern Abend schon mehr als 1000 „Ge­fällt mir“-An­ga­ben.

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