Erb­schaft­steu­er-Re­form droht für Er­ben teu­rer zu wer­den

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON BIRGIT MARSCHALL

BER­LIN Der von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) vor­ge­leg­te Ge­setz­ent­wurf zur Re­form der Erb­schaft­steu­er wür­de für die Fir­mener­ben lang­fris­tig teu­rer wer­den als der Sta­tus quo. Das geht aus Mo­dell­rech­nun­gen des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums für den Fi­nanz­aus­schuss des Bun­des­tags her­vor. Dem­nach wür­de der Re­gie­rungs­ent­wurf den Bun­des­län­dern zehn Jah­re nach sei­ner Ein­füh­rung rund 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro mehr Ein­nah­men be­sche­ren, als ih­nen bis­her aus der be­trieb­li­chen Erb­schaft­steu­er zu­flie­ßen. In der Über­gangs­pha­se der ers­ten Jah­re wür­de der Fis­kus da­ge­gen jähr­lich nur 180 Mil­lio­nen Eu­ro mehr ein­neh­men.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te der Re­gie­rung vor­ge­ge­ben, die Be­steue­rung von Fir­mener­ben bis Mit­te 2016 zu än­dern. In ei­nem Ur­teil hat­te es En­de 2014 die Be­vor­zu­gung der Er­ben vor al­lem grö­ße­rer Un­ter­neh­men ge­gen­über al­len an­de­ren Er­ben als teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig ein­ge­stuft.

Schäu­bles Haus be­grün­det den gro­ßen Un­ter­schied zwi­schen kur­zund lang­fris­ti­gen Wir­kun­gen der Re­form da­mit, dass es in Er­war­tung des Ver­fas­sungs­ur­teils zu er­heb­li­chen Vor­zieh­ef­fek­ten bei den Über- tra­gun­gen von Be­triebs­ver­mö­gen ge­kom­men sei. In den kom­men­den zehn Jah­ren sei des­halb zu­nächst nicht mehr so viel Erb­mas­se da, die noch über­tra­gen wer­den kön­ne.

Bis­lang konn­te sich die Ko­ali­ti­on nicht auf ein ge­mein­sa­mes Re­form­kon­zept ei­ni­gen. Nach ei­nem frü­he­ren Ko­ali­ti­ons­be­schluss soll die Re­form auf­kom­mens­neu­tral sein. Schäu­bles Kon­zept wür­de die Be­las­tun­gen für Fir­mener­ben da­ge­gen lang­fris­tig um 30 Pro­zent er­hö­hen.

Der Par­la­ments­kreis Mit­tel­stand der Uni­ons­frak­ti­on will sei­ner­seits er­heb­li­che Ent­las­tun­gen für Fir­mener­ben durch­set­zen. Da­ge­gen kämp­fen die SPD-Län­der um deut- li­che Ein­nah­me­stei­ge­run­gen: Ihr Re­form­kon­zept wür­de lang­fris­tig zu ei­ner Ver­dop­pe­lung der Ein­nah­men auf acht Mil­li­ar­den Eu­ro füh­ren.

In der SPD gibt es aber auch vie­le Be­für­wor­ter ei­ner Steu­er­ver­ein­fa­chung. Die saar­län­di­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­rin An­ke Rehlin­ger (SPD) hat­te ein Kon­zept vor­ge­legt, das die Strei­chung al­ler Aus­nah­me­tat­be­stän­de bei gleich­zei­ti­ger Staf­fe­lung der Steu­er­sät­ze auf fünf, zehn und 15 Pro­zent vor­sieht. Nach den Be­rech­nun­gen des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums wür­de die­ses Mo­dell kurz­fris­tig aber zu deut­li­chen Min­der­ein­nah­men von 1,3 Mil­li­ar­den pro Jahr füh­ren. Auch lang­fris­tig blie­ben die Mehr­ein­nah­men mit ei­nem Plus von nur gut 200 Mil­lio­nen Eu­ro si­cher deut­lich un­ter­halb der Er­war­tun­gen der SPD-Län­der.

Die Grü­nen mach­ten die Bun­des­re­gie­rung da­für ver­ant­wort­lich, dass die Ein­nah­men aus der be­trieb­li­chen Erb­schaft­steu­er we­gen vor­ge­zo­ge­ner Schen­kun­gen in den kom­men­den Jah­ren sin­ken dürf­ten. „Die Bun­des­re­gie­rung hat ver­säumt, ei­ne kla­re Aus­sa­ge zu tref­fen, dass das neue Ge­setz rück­wir­kend zur Ur­teils­ver­kün­dung in Kraft tre­ten wird, um wei­te­ren Gestal­tungs­ak­ti­vi­tä­ten den Bo­den zu ent­zie­hen“, sag­te die fi­nanz­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen, Li­sa Paus.

FOTO: AP

Mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le ver­är­gert Wirt­schafts­ver­bän­de.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.