Psy­cho­dra­ma zur Weih­nachts­zeit

Tur­ri­nis „ Jo­sef und Ma­ria“stellt im Düs­sel­dor­fer Schau­spiel das Al­lein­sein aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON AN­NET­TE BO­SET­TI

DÜSSELDORF Die Wo­chen vor Weih­nach­ten sind nicht nur die Hoch­zeit des Kon­sums, son­dern auch der Ver­zweif­lung. The­ma­tisch ge­schickt plat­ziert bringt In­ten­dant Gün­ther Bee­litz als vor­letz­te Pre­mie­re am Gus­taf-Gründ­gens-Platz das Stück „Jo­sef und Ma­ria“von Pe­ter Tur­ri­ni, das vie­ler­lei Di­ens­te tut. Wäh­rend ne­ben­an die Men­schen all­abend­lich den „Co­me­di­an Har­mo­nists“zu­ju­beln oder sich um Kar­ten für von Schi­rachs „Ter­ror“rei­ßen, wäh­rend „Pi­noc­chio“die klei­nen Zu­schau­er im Cen­tral ver­zau­bert, setzt der Prin­zi­pal im Klei­nen Haus ein Weih­nachts­mär­chen für Er­wach­se­ne an. Aber­mals rückt Bee­litz (77) zwei Alt­stars ins Ram­pen­licht, Schau­spie­ler, die längst das Ru­he­stands­al­ter er­reicht ha­ben. Das sind in der Re­gel Mi­men mit gro­ßer Er­fah­rung, die das ver­lo­ren ge­glaub­te Stamm­pu­bli­kum bin­den sol­len.

Kurz und meist kurz­wei­lig ge­rät das Zwei­per­so­nen­stück, das der Au­tor 18 Jah­re nach der Urauf­füh­rung über­ar­bei­tet hat (1998). So wie es im wah­ren Le­ben ge­schieht, kippt auch hier das Mit­ein­an­der schnell in tief- trau­ri­ge Mo­men­te. „War­um sind die Men­schen so, wie sie sind?“fragt Ma­ria, „War­um sind sie so grau­sam?“und „Wo ist die Lie­be?“

Der Aus­schnitt Le­ben am Nach­mit­tag des Hei­li­gen Abend spielt in ei­nem Schau­fens­ter. Die Büh­ne ist schnee­be­deckt, ro­te Ku­geln hän­gen von der De­cke her­ab, XXL-Ted­dy­bä­ren lie­gen her­um. Wäh­rend drau­ßen in der Welt die Men­schen Pu­ter oder Kar­p­fen in den Ofen schie­ben, tru­deln zwei ver­lo­re­ne Ge­stal­ten im Wa­ren­haus ein. Putz­frau und Wach­mann sto­ßen auf­ein­an­der. Sie er­zäh­len von ih­ren Le­ben, sehr In­ti­mes, Fa­mi­liä­res, Re­li­giö­ses, Po­li­ti­sches ... Zwei Wel­ten tun sich auf. Und im­mer be­feu­ert die ei­ge­ne Be­find­lich­keit den Grad der In­ter­ak­ti­on. Aus Dis­tanz ent­wi­ckelt sich erst zö­ger­lich Nä­he, die ehe­ma­li­ge Va­rie­té­tän­ze­rin, die un­ter ih­rer Schür­ze ein Sei­den­un­ter­kleid trägt, um­kreist den stei­fen Mann in Uni­form, der Frei­den­ker, aber un­fä­hig ist zu re­agie­ren. Bei­de wa­ren zu lan­ge al­lein. Sie ha­ben das Le­ben ver­lernt, das Lie­ben so­wie­so.

Ein Psy­cho­dra­ma hat Re­gis­seur Alex­an­der Ku­bal­ka den Schau­spie­lern ab­ge­run­gen. Sie tän­zelt, er stakst durch den Schnee. Am En­de lan­det er doch in ih­rem Schoß, nun flie­ßen sei­ne Trä­nen. Win­fried Küppers macht ei­ne wun­der­ba­re Wand­lung durch. „Ich ha­be gar nicht ge­wusst, wie schwer ein Herz sein kann“, sagt Ma­ria, der Ma­nue­la Al– phons Stan­ding und Esprit ver­leiht. Die­se Ma­ria er­hält Glanz in der Arm­se­lig­keit. Auch we­gen Alp­hons’ gro­ßer Leis­tung lohnt der Be­such der Auf­füh­rung. Lan­ger Ap­plaus.

FOTO: HOP­PE

Ma­nue­la Alp­hons und Win­fried Küppers in „Jo­sef und Ma­ria“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.