Zoos wol­len ge­gen Die­be auf­rüs­ten

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen wur­den mehr­fach Tie­re aus Zoos in NRW ge­stoh­len. Von den Tä­tern fehlt bis­lang je­de Spur. Die Zoos wol­len jetzt mit De­tek­ti­ven auf Spu­ren­su­che ge­hen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON JES­SI­CA KUSCHNIK

KRE­FELD Die Zoos in NRW wol­len sich nicht län­ger mit der seit Be­ginn des Jah­res an­hal­ten­den Dieb­stahl­se­rie ab­fin­den und den­ken nun über ver­schärf­te Si­cher­heits­maß­nah­men nach. Seit Mo­na­ten steh­len Wil­de­rer klei­ne Tier­ar­ten aus den Zoos, zu­letzt traf es Kre­feld, dort wur­den in der Nacht zu Mon­tag zwei sel­te­ne Hya­zinth-Aras ge­stoh­len. Ob­wohl die Parks we­gen der Häu­fung der Ein­brü­che, bei de­nen in zwei Fäl­len even­tu­ell so­gar Tie­re ge­tö­tet wur­den, be­reits in er­höh­ter Alarmbereitschaft sind, reicht das of­fen­bar nicht aus. In Kre­feld denkt man nun dar­über nach, De­tek­ti­ve zu be­auf­tra­gen.

Kre­felds Zoo­di­rek­tor Wolf­gang Dre­ßen mach­te den un­ge­wöhn­li­chen Vor­schlag: „Es wä­re mög­lich, dass wir zeit­gleich zur Ar­beit der Po­li­zei die Initia­ti­ve er­grei­fen und ver­su­chen, ei­ne Spur zu den Tä­tern zu fin­den.“Ob das ef­fek­tiv sein wird, ist frag­lich, denn die De­tek­ti­ve dürf­ten die­sel­ben Pro­ble­me ha­ben, vor de­nen die Po­li­zei steht. Der Er­mitt­lungs­er­folg bleibt in den meis­ten Fäl­len aus, da es kei­ner­lei Un­ter­su­chungs­an­sät­ze gibt, sagt Jür­gen Hint­zmann, Lei­ter der St­ab­stel­le Um­welt­kri­mi­na­li­tät im NRW-Um­welt­mi­nis­te­ri­um (MKUNLV). „Man braucht zum Bei­spiel Zeu­gen, die et­was be­ob­ach­tet ha­ben“, er­klärt der Ex­per­te. „Meist sind die ein­zi­gen Spu­ren ein auf­ge­knips­ter Zaun und ei­ne auf­ge­bro­che­ne Ge­he­ge­tür. Doch das reicht nicht aus, um den Tä­tern auf die Spur zu kom­men.“

Dass die Si­che­rung durch Wach­diens­te und Alarmanlagen al­lein nicht funk­tio­niert, weiß man be­reits. Die Wach­diens­te kön­nen im- mer nur ei­nen klei­nen Teil der meist meh­re­re tau­send Hekt­ar gro­ßen Ge­län­de kon­trol­lie­ren. „Pfif­fi­ge Ein­bre­cher war­ten ein­fach ab, bis der Si­cher­heits­dienst wei­ter­ge­gan­gen ist“, sagt Hint­zmann. Da­zu bie­ten Zoos durch ih­re na­tür­li­che Um­ge­bung vie­le Ver­steck­mög­lich­kei­ten. Wie Me­tall­die­be auf Fried­hö­fen wer­den die Wil­de­rer meist we­der be­ob­ach­tet noch ge­hört, da es kei­ne Nach­barn gibt. Auch Alarmanlagen sind nicht ef­fek­tiv, da sie leicht um­gan­gen wer­den kön­nen. Ei­ne um­fas­sen­de Ka­me­ra­über­wa­chung ste­he fi­nan­zi­ell in kei­nem Ver­hält­nis zum Wer­te­ver­lust durch Dieb­stahl.

Den­noch se­hen die Zoos Hand­lungs­be­darf. „Die jüngs­te Se­rie ist so gra­vie­rend, dass die Zoos nach­le- gen wer­den“, ist sich Vol­ker Ho­mes, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des der Zoo­lo­gi­schen Gär­ten, si­cher. Auch die Spre­che­rin des Kre­fel­der Zoos, Pe­tra Schwinn, rech­net mit ei­ner Re­ak­ti­on der Tier­parks: „Wir müs­sen se­hen, wie die Zoo­ge­mein­schaft re­agiert.“Der Zoo Kre­feld hat sich be­reits ans Um­welt­mi­nis­te­ri­um ge­wandt. „Wie ha­ben vor, uns al­le Un­ter­la­gen noch ein­mal an­zu­se­hen, um mög­li­che Zu­sam­men­hän­ge auf­zu­de­cken“, sagt Hint­zmann. Er schätzt die Er­folgs­aus­sich­ten aber als ge­ring ein, da die Po­li­zei sorg­fäl­tig ge­ar­bei­tet ha­be: „Wir müs­sen dar­auf hof­fen, dass uns Kom­mis­sar Zu­fall in die Hän­de spielt und die Tä­ter ir­gend­wann Fin­ger­ab­drü­cke oder DNA-Spu­ren hin­ter­las­sen.“ Prä­ven­tiv kön­ne man über Rüt­tel­zäu­ne nach­den­ken, die ei­nen stil­len Alarm aus­lö­sen und der Po­li­zei die Mög­lich­keit ge­ben, die Die­be auf fri­scher Tat zu er­tap­pen.

Dass die Tie­re wie­der auf­tau­chen und dem Zoo zu­rück­ge­ge­ben wer­den kön­nen, da­mit rech­net nie­mand. „Die Tie­re wer­den wir nicht zu­rück­be­kom­men“, sagt Dre­ßen. Er schließt nicht aus, dass die Pa­pa­gei­en im Aus­land „sau­be­re“Pa­pie­re be­kom­men und wei­ter­ver­kauft wer­den. So­wohl Dre­ßen als auch der Ver­band der Zoo­di­rek­to­ren sind über­zeugt, dass die Dieb­stahl­se­rie or­ga­ni­siert ist. „Die Tie­re wer­den ge­stoh­len wie ein Pi­cas­so, den man in sei­nen Sa­fe schließt oder zu Hau­se an die Wand hängt“, sagt Ho­mes.

FOTO: DPA

Aus die­sem Ge­he­ge im Zoo Kre­feld wur­den die zwei sel­te­nen Hya­zinth-Aras ge­stoh­len.

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