NRW will Ma­na­ger­ge­häl­ter de­ckeln

Bei VW er­hielt der Chef 2014 das 260-fa­che des durch­schnitt­li­chen Ge­halts im Kon­zern, bei der Post das 130-fa­che. Nun sol­len Auf­sichts­rä­te fest­le­gen, wie groß die Ge­halts­un­ter­schie­de sein dür­fen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON REIN­HARD KO­WA­LEW­SKY

DÜSSELDORF/BER­LIN Den Auf­sichts­rä­ten der gro­ßen Un­ter­neh­men Deutsch­lands könn­te mehr Ar­beit be­vor­ste­hen: Das Land NRW will sie da­zu ver­pflich­ten, for­mal fest­zu­le­gen, das Wie­viel­fa­che ei­nes durch­schnitt­li­chen Ar­beit­neh­mer­ge­halts in ih­rem Un­ter­neh­men ein­fa­che Vor­stän­de und auch Vor­stands­chefs ver­die­nen dür­fen. Dies soll der Bun­des­rat heu­te in ei­ner Ent­schlie­ßung fest­le­gen, wie NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter Tho­mas Kut­scha­ty (SPD) for­dert. Spä­ter müss­te dann der Bun­des­tag das Ak­ti­en­ge­setz ent­spre­chend än­dern. „Wir müs­sen auf die so­zia­le Ver­träg­lich­keit der Ma­na­ger­ver­gü­tun­gen stär­ker ach­ten“, sag­te der in Es­sen le­ben­de Ju­rist un­se­rer Re­dak­ti­on.

Im Bun­des­rat rech­net sich Kut­scha­ty ei­ne ge­wis­se Chan­ce für ei­ne mehr­heit­li­che Un­ter­stüt­zung aus – im­mer­hin ha­ben rot-grüne und mit der Lin­ken re­gier­te Län­der ei­ne knap­pe Mehr­heit. Im Bun­des­tag ist ei­ne Ver­ab­schie­dung da­ge­gen nicht zu er­war­ten, weil der Ko­ali­ti­ons­part­ner CDU/CSU sich sperrt. „Die Auf­sichts­rä­te le­gen be­reits jetzt in- klu­si­ve der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter die Ge­häl­ter der Vor­stän­de fest“, sag­te Micha­el Fuchs, stell­ver­tre­ten­der Frak­ti­ons­chef der Uni­on im Bun­des­tag, „da brau­chen wir ei­ne sol­che Spe­zi­al­re­ge­lung zu Ge­halts­re­la­tio­nen nicht.“

Tat­säch­lich greift die NRW-Initia­ti­ve aber ei­nen Trend auf. Dies zeigt das Re­gel­werk Deut­scher Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce Co­dex, an den sich fast al­le Kon­zer­ne hal­ten. Der Ko­dex legt schon seit 2014 fest, dass Auf­sichts­rä­te bei der Fest­le­gung von Vor­stands­ge­häl­tern die Re­la­ti­on zu den ein­fa­chen Mit­ar­bei­tern be­ach­ten sol­len. An­lass war, dass Ex-VW-Chef Mar­tin Win­ter­korn 2011 knapp 17Mil­lio­nen Eu­ro ver­dien­te. Nach hef­ti­gen Pro­tes­ten wur­de sein Ge­halt auf „nur“noch 15 Mil­lio­nen ge­senkt – noch im­mer das 260-fa­che des durch­schnitt­li­chen Ge­halts bei VW.

Mit sei­nem Vor­stoß will Kut­scha­ty nun für ei­ne wei­te­re Dis­kus­si­on in den Auf­sichts­rä­ten über die Ge­häl­ter an der Spit­ze sor­gen: „Es muss ei­ne fes­te An­bin­dung der Ver­gü­tung der Vor­stands­mit­glie­der an die üb­ri­ge Be­zah­lung ge­ben.“Da­bei soll der Staat aber kei­ne Vor­ga­ben ma- chen – die je­wei­li­gen Fir­men sol­len die Re­la­tio­nen sel­ber fest­le­gen. „Ich fin­de den Vor­stoß zwar nicht sinn­voll“, sag­te Marc Tüng­ler, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DSW), „aber wenn es Ober­gren­zen gibt, muss sie je­de Fir­ma schon sel­ber de­fi­nie­ren.“

Da­bei könn­te der Vor­schlag zu ei­nem in­ter­es­san­ten Ne­ben­ef­fekt füh­ren: „Wenn die Vor­stands­ge­häl- ter an die Löh­ne ge­kop­pelt wer­den“, sag­te der Ver­gü­tungs­ex­per­te Heinz Evers aus Gum­mers­bach, „dann hät­ten ja die Vor­stän­de ein ho­hes In­ter­es­se an ho­hen Ein­kom­men al­ler Mit­ar­bei­ter.“So­zi­al­de­mo­krat Kut­scha­ty fin­det das gut, weil er stei­gen­de Ein­kom­men für die Be­schäf­tig­ten be­grüßt; Ak­tio­närs­schüt­zer Tüng­ler er­war­tet ei­ne Ab­wehr­re­ak­ti­on der Ka­pi­tal­sei­te: „Klu­ge Auf­sichts­rä­te wür­den ei­ne sehr ho­he Re­la­ti­on zwi­schen Vor­standsund Durch­schnitts­ge­halt fest­le­gen, da­mit es kei­ne un­hei­li­ge Al­li­anz zwi­schen der Spit­ze und der ge­sam­ten Be­leg­schaft gibt.“Au­ßer­dem wür­den zu nied­ri­ge Gren­zen er­schwe­ren, beim Ab­wer­ben ex­ter­ner Ta­len­te sehr viel Geld zu bie­ten: „Wenn man ei­ne Spit­zen­kraft aus dem Aus­land zum Wohl der Fir­ma zum Chef ma­chen will, muss man fle­xi­bel ver­han­deln kön­nen.“

Auch Kut­scha­ty möch­te das Ab­wer­ben von Spit­zen­leu­ten nicht stop­pen, er mahnt aber zu Bescheidenheit: Im Schnitt wür­den Vor­stän­de das 54-fa­che des Durch­schnitts­ge­halts der Fir­ma ein­strei­chen. Das sei si­cher nicht zu we­nig. Leit­ar­ti­kel

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