Dro­hun­gen scha­den EU

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON MAT­THI­AS BEER­MANN

Dass die EU beim ge­mein­sa­men Ma­nage­ment der Flücht­lings­kri­se ein ziem­lich er­bärm­li­ches Bild ab­gibt, lässt sich schwer be­strei­ten. Vie­le EU-Staa­ten sind nicht be­reit, Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men, um ins­be­son­de­re Deutsch­land zu ent­las­ten. Des­we­gen kur­siert schon seit ei­ni­ger Zeit der Vor­schlag, den Ver­wei­ge­rern die Zu­wen­dun­gen aus dem Topf der EU zu kür­zen. Un­mit­tel­bar vor dem EU-Gip­fel hat sich nun auch der ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­kanz­ler die­se Schnaps­idee zu ei­gen ge­macht.

Ja, So­li­da­ri­tät wä­re an­ge­sichts der his­to­ri­schen Her­aus­for­de­rung durch die Flücht­lings­wel­le drin­gend nö­tig. Nur: So­li­da­ri­tät kann man zwar en­er­gisch ein­for­dern, aber nicht er­zwin­gen. Die Dro­hung mit fi­nan­zi­el­len Kür­zun­gen sind vor al­lem Po­pu­lis­mus, um von ei­ner er­nüch­tern­den Tat­sa­che ab­zu­len­ken: Es sind nicht nur die Ost­eu­ro­pä­er, wie ger­ne be­haup­tet, die kei­ne Flücht­lin­ge in grö­ße­rer Zahl auf­neh­men wol­len, es sind mehr als zwei Drit­tel der EUStaa­ten. Will man die al­le fi­nan­zi­ell be­stra­fen? Und: Wie wür­den wohl Flücht­lin­ge in Län­dern emp­fan­gen, de­nen man sie auf­ge­zwun­gen hat? BE­RICHT

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