Hand­werk un­zu­frie­den mit Po­li­tik

Die Un­ter­neh­mer drin­gen auf Si­cher­heit bei der Be­schäf­ti­gung von Flücht­lin­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON JAN DREBES UND BIRGIT MARSCHALL

BER­LIN Die Hand­werks­kam­mern ver­lan­gen von der Bun­des­re­gie­rung mehr Si­cher­heit bei der Ein­stel­lung und Be­schäf­ti­gung von Flücht­lin­gen. Das äu­ßer­ten Ver­bands­ver­tre­ter bei ei­nem Ter­min mit Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) ges­tern in Ber­lin. So sei es für die Be­trie­be auf­grund der ak­tu­el­len Rechts­la­ge häu­fig nicht ab­seh­bar, ob Flücht­lin­ge trotz ei­nes Aus­bil­dungs­plat­zes oder ei­ner Stel­le nach dem En­de der Leh­re nicht wie­der in ih­re Her­kunfts­län­der zu­rück­ge­schickt wür­den.

Tat­säch­lich hat­te die Ko­ali­ti­on je­doch im Som­mer be­schlos­sen, dass es für Flücht­lin­ge wäh­rend der Aus­bil­dungs­zeit ein Blei­be­recht ge­be – und zwar un­ab­hän­gig vom Auf­ent- halts­ti­tel des Ge­flo­he­nen. Seit Au­gust ist die­se Re­gel in Kraft.

Nach An­ga­ben des Zen­tral­ver­ban­des des Deut­schen Hand­werks ha­ben schon jetzt vie­le Flücht­lin­ge ei­ne Aus­bil­dung be­gon­nen. Zu­dem wür­den fast al­le 53 Kam­mern und zahl­rei­che Ver­bän­de ei­ge­ne Pro­jek­te ins­be­son­de­re zur Qua­li­fi­zie­rung und Aus­bil­dung von Flücht­lin­gen an­bie­ten, hieß es. Das Spek­trum der Pro­jek­te rei­che von der Fest­stel­lung von Kom­pe­ten­zen der Flücht­lin­ge und der Be­rufs­ori­en­tie­rung über Prak­ti­kums­ver­mitt­lung bis zu Kur­sen für die Ein­stiegs­qua­li­fi­zie­rung.

Ga­b­ri­el be­ton­te un­ter Zu­stim­mung der Hand­werks­ver­bän­de, dass die un­ter­neh­me­ri­schen Si­cher­hei­ten für die Zeit nach der Aus­bil­dung von Flücht­lin­gen er­höht wer­den müss­ten. Be­trie­be wür­den ver­ständ­li­cher­wei­se da­vor zu­rück­schre­cken, Zeit und Geld in die Aus­bil­dung von Flücht­lin­gen zu ste­cken, wenn sie sich nicht si­cher sein könn­ten, ob sich die In­ves­ti­tio­nen hin­ter­her in Form qua­li­fi­zier­ter Ar­beits­kraft ren­tie­ren – et­wa, weil die Aus­län­der­be­hör­den den Flücht­ling ab­schie­ben könn­ten.

„Wir wer­den in der Re­gie­rung noch ein­mal ei­nen An­lauf ma­chen, dass die Flücht­lin­ge si­cher sein müs­sen, nach der Aus­bil­dung auch ar­bei­ten zu kön­nen“, sag­te Ga­b­ri­el am Ran­de der Ver­an­stal­tung un­se­rer Re­dak­ti­on. Das gel­te auch für die Be­trie­be. Zu­dem zäh­le das Ar­gu­ment für vie­le Fir­men nicht, dass im Ge­setz le­dig­lich die Mög­lich­keit für ei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung vor­ge­se­hen sei. „Das müs­sen wir noch mal an­pa­cken“, sag­te Ga­b­ri­el. Er gab sich zu­ver­sicht­lich, mit der Uni­on ei­ne Ei­ni­gung er­rei­chen zu kön­nen.

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