40.000 Kis­ten, 3300 Mit­ar­bei­ter: Eon zieht um

Heu­te be­ginnt der prak­ti­sche Teil der Auf­spal­tung: Drei Ta­ge und Näch­te braucht der Dax-Kon­zern, um sei­ne Zen­tra­le nach Es­sen zu ver­le­gen. In Düsseldorf wird die Zen­tra­le der neu­en Toch­ter Uni­per ein­ge­rich­tet.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON KA­TRIN HAAS UND ANTJE HÖNING

DÜSSELDORF/ES­SEN Die vor­ge­druck­ten Hin­wei­se auf den Um­zugs­kar­tons sind über­klebt. Wo sonst „Kü­che“, „Kin­der­zim­mer“oder „Bad“steht, klebt nun ein Zet­tel mit der Num­mer des neu­en Ar­beits­plat­zes. Auf den Flu­ren liegt der Nach­schub: Tür­me aus brau­ner Pap­pe war­ten dar­auf, dass Eon-Mit­ar­bei­ter sie aus­ein­an­der­fal­ten und mit Ak­ten, Un­ter­la­gen und Ku­gel­schrei­bern fül­len. Heu­te, nach ei­ner Wo­che or­ga­ni­sier­tem Cha­os, ist es so­weit. Die Kar­tons ge­hen auf Rei­se – von Düsseldorf nach Es­sen. Ab 1. Ja­nu­ar hat der größ­te deut­sche Ener­gie­kon­zern sei­nen Sitz in der Ruhr-Stadt. Düsseldorf wird Sitz der Toch­ter Uni­per, in die Eon sei­ne Koh­le- und Gas­kraft­wer­ken ab­spal­tet.

Der Um­zug ist ein lo­gis­ti­scher Kraft­akt, der bin­nen drei Ta­ge und Näch­ten be­wäl­tigt wer­den soll. 3300 Mit­ar­bei­ter ver­la­gern ih­ren Ar­beits­platz: 450 Mit­ar­bei­ter wech­seln von Düsseldorf nach Es­sen, 700 von Es­sen nach Düsseldorf. Wei­te­re kom­men von Stand­or­ten wie München und Han­no­ver in die Rhein-RuhrRe­gi­on. 1000 zie­hen in­ner­halb von Düsseldorf um, da Uni­per sei­ne Zen­tra­le im hie­si­gen Me­di­en­ha­fen ha­ben wird und in der bis­he­ri­gen Zen­tra­le nur noch nor­ma­le Bü­ro­räu­me sein wer­den.

„Das ist ei­ne ech­te Her­aus­for­de­rung, vor al­lem für die IT“, sag­te Ge­re­on Ples­ter, Um­zugs­be­auf­trag­ter des Kon­zerns. Bis heu­te 15 Uhr müs­sen die Mit­ar­bei­ter ih­re Bü­ros räu­men. Bis zum 23. De­zem­ber ar­bei­ten sie ent­we­der von zu Hau­se aus, in ei­nem Aus­weich­bü­ro – oder ha­ben Weih­nachts­ur­laub.

Wenn ein Kon­zern ein­packt, kommt ei­ni­ges zu­sam­men: Ples­ter und sein Team schi­cken 40.000 Um­zugs­kar­tons, 3300 Com­pu­ter und 1200 Schreib­ti­sche auf die Rei­se. Eon hat da­für ei­ne Grup­pe von fünf Um­zugs­un­ter­neh­men be­auf­tragt: Zehn Lkw rol­len über das Wo­che­n­en­de zwi­schen Es­sen und Düsseldorf hin und her. 150 Mit­ar­bei­ter sind im Drei-Schicht-Sys­tem rund um die Uhr im Ein­satz. Rund 650.000 Eu­ro kos­tet das Gan­ze.

So­gar die Auf­zugs­un­ter­neh­men wur­den in Be­reit­schaft ver­setzt: „Wenn die Auf­zü­ge aus­fal­len, ha­ben wir ein Pro­blem“, sagt Ples­ter. Die al­te Eon-Zen­tra­le hat zwar nur vier Eta­gen. Doch in der neu­en Eon- Zen­tra­le an der A 52 in Es­sen, die einst für die Eon-Toch­ter Ruhr­gas er­rich­tet wor­den war, gibt es 15 Eta­gen. Hier will kei­ner zu Fuß die vie­len Kis­ten hoch­tra­gen.

Am 23. De­zem­ber um sie­ben Uhr sol­len al­le an ih­rem neu­en Ar­beits­platz sit­zen – auch die Vor­stän­de. Eon-Chef Jo­han­nes Teyssen zieht mit sei­nem Bü­ro nach Es­sen (wenn­gleich er am Eon-Platz in Düsseldorf noch ein Bü­ro be­hal­ten wird). Uni­per-Chef Klaus Schä­fer zieht in den Düs­sel­dor­fer Ha­fen. Die neu­en Lo­gos sol­len An­fang des Jah­res mon­tiert wer­den. Auch ein­zel­ne Kunst­wer­ke ge­hen auf die Rei­se, man­che als Leih­ga­be von Eon an Uni­per. Eons Kunst­samm­lung soll zu­sam­men­blei­ben, be­tont der Kon­zern. Mit Span­nung wird er­war­tet, was aus der Zu­sam­men­ar­beit mit dem Mu­se­um Kunst­pa­last wird. An­fang 2016 will Eon ent­schei­den, ob der 2017 aus­lau­fen­de Spon­sor­ver­trag ver­län­gert wird. Kann ein Es­se­ner Un­ter­neh­men Mil­lio­nen in Düs­sel­dor­fer Kunst ste­cken? Oder tritt Uni­per für Eon ein?

Im­mer­hin ei­ne Spur von Eon wird in Düsseldorf blei­ben: Der Platz vor der bis­he­ri­gen Zen­tra­le soll wei­ter Eon-Platz hei­ßen – es sei denn, die Stadt über­legt es sich an­ders.

FOTOS: HANS-JÜR­GEN BAUER

Die Hal­le der bis­he­ri­gen Eon-Zen­tra­le in Düsseldorf füllt sich seit Ta­gen mit Um­zugs­kar­tons und Bü­ro­mö­beln. Künf­tig wer­den hier nur noch Bü­ros der Toch­ter Uni­per sein.

Ein Kon­zern packt ein: 40.000 Kar­tons ge­hen auf die Rei­se.

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