Fahr­stun­den ge­gen Sex

Wer in den Nie­der­lan­den kein Geld für den Füh­rer­schein hat, kann auch in Na­tu­ra­li­en be­zah­len. Ei­ni­ge Fahr­schu­len bie­ten ganz le­gal ein schlüpf­ri­ges Ge­schäft an. Der Jus­tiz sind die Hän­de ge­bun­den.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

AMS­TER­DAM Es ist ein un­mo­ra­li­sches An­ge­bot, mit dem ei­ni­ge Fahr­schu­len in den Nie­der­lan­den neu­er­dings um Fahr­schü­ler wer­ben. In Zei­tungs­an­non­cen wer­den Fahr­stun­den ge­gen Sex an­ge­bo­ten. Mit Ver­spre­chun­gen wie „Rit­je voor een rit­je“, ein Ritt für ei­nen Ritt, sol­len vor al­lem jun­ge, mit­tel­lo­se Frau­en an­ge­spro­chen wer­den, die sich sonst kei­nen Füh­rer­schein leis­ten könn­ten. Of­fen­bar scheint es vie­le Frau­en zu ge­ben, die da­zu be­reit sind. Denn die Zahl sol­cher An­ge­bo­te soll seit Wo­chen wach­sen.

Das schlüpf­ri­ge Fahr­ge­schäft ver­stößt kei­nes­wegs ge­gen das Ge­setz. Zwar hat­te die Po­li­zei zu­nächst we­gen il­le­ga­ler Pro­sti­tu­ti­on er­mit­telt. Doch dann er­klär­te der nie­der­län­di­sche Jus­tiz­mi­nis­ter Ard van Steur in ei­ner mehr­sei­ti­gen Stel­lung­nah­me, dass die Pra­xis le­gal sei, so­lan­ge die Fahr­schü­ler nicht min­der­jäh­rig sind – ein nicht un­wich­ti­ger Hin­weis. Denn im Nach­bar­land kön­nen be­reits 16-Jäh­ri­ge Fahr­stun­den neh­men, of­fi­zi­ell hin­term Steu­er sit­zen dür­fen sie aber erst ab dem 18. Le­bens­jahr. Der Jus­tiz­mi­nis­ter be­ton­te, dass die­se „Art der Be­zah­lung“ein blo­ßes Tausch­ge­schäft sei, weil kein Sex ver­kauft wer­de. Il­le­gal und so­mit straf­bar wä­re es nur, wenn der Fahr­schü­ler das An­ge­bot „Aus­zie­hen ge­gen Aus­bil­dung“ma­chen wür­de.

Auch wenn die Po­li­tik das an­rü­chi­ge Trei­ben in den Fahr­schu­len nicht ver­bie­ten kann, be­grü­ßen tut sie es nicht. Das sei durch­aus un­er- wünscht, sagt et­wa die nie­der­län­di­sche Trans­port­mi­nis­te­rin Me­la­nie Schultz van Ha­e­gen. Auf we­nig Ge­gen­lie­be stößt die­se Art des Ver­kehrs auch beim nie­der­län­di­schen Fahr­schu­len-Ver­band (VRB). Zwar ha­be man nichts ge­gen neue Ge­schäfts­ide­en, aber das gin­ge ein­deu­tig zu weit, heißt es beim VRB. Die­se Be­trie­be sei­en auch nicht Mit­glied im Ver­band. Ei­ne VRB-Spre­che­rin sag­te dem Nach­rich­ten­por­tal „20min“, dass die ein­schlä­gi­gen Fahr­schu­len le­ga­le Li­zen­zen be­sit- zen wür­den und man sie des­halb nicht be­lan­gen kön­ne. Sie kön­ne al­ler­dings nicht sa­gen, wie ver­brei­tet der Fahr­un­ter­richt ge­gen Sex ist. Es ge­be kei­ne Sta­tis­tik dar­über. Der Ver­band hofft nun, dass die Steu­er­be­hör­de dem „Trei­ben hin­term Steu­er“ein En­de macht.

Auch in Deutsch­land wür­de ein solch frag­wür­di­ges An­ge­bot ei­ner Fahr­schu­le nicht so­fort als Pro­sti­tu­ti­on ein­ge­stuft wer­den – nur im Wie­der­ho­lungs­fall. Den deut­schen Fahr­schul­ver­bän­den zu­fol­ge hat es so et­was hier­zu­lan­de noch nicht ge­ge­ben.

Fahr­schü­ler aus NRW, die er­wä­gen soll­ten, ih­ren Füh­rer­schein auch ho­ri­zon­tal in den Nie­der­lan­den ma­chen zu wol­len, müs­sen min­des­tens ein hal­bes Jahr im Nach­bar­land ge­mel­det sein. Die Prei­se für ei­nen Füh­rer­schein in Hol­land sind ver­gleich­bar mit de­nen in Deutsch­land. Je­doch ist im Nach­bar­land ei­ne Theo­rie­prü­fung nicht ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben. Dort zählt nur der Pra­xis­test.

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