Die Tra­di­ti­ons­gas­tro­no­mie lebt neu auf

Nach dem Vith, das bes­tens läuft, wer­den zwei wei­te­re Gast­stät­ten mit lan­ger Ge­schich­te zu ih­ren Wur­zeln zu­rück­keh­ren. Das Stai­ner’s soll mit neu­em Päch­ter wie­der rus­ti­ka­ler wer­den – und Bol­ten will die Braue­rei Jö­ris zu al­tem Glanz füh­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON RALF JÜN­GER­MANN

Das St. Vith am Al­ten Markt ist nicht nur das äl­tes­te Gast­haus der Stadt. Es ist auch ei­nes der meist­be­such­ten. Seit gut ei­nem Jahr brummt der La­den un­ter Päch­te­rin Tan­ja Wal­len­fang schon fast wie­der wie zu al­ler­bes­ten Zei­ten. Das Kon­zept klingt in Zei­ten der Sys­tem- und Ev­ent­Gas­tro­no­mie, der Bur­ger-Lä­den und Su­shi-Bars erst mal un­se­xy: gut bür­ger­lich. Es ist aber wahr­schein­lich ge­ra­de we­gen des Brim­bo­ri­ums, das an vie­len an­de­ren Stel­len be­trie­ben wird, so er­folg­reich: „Wenn es bei uns En­te und Grün­kohl gibt, be­kom­men wir das fast aus den Hän­den ge­ris­sen“, sagt Tan­ja Wal­len­fang. Klar – denn wo gibt es noch bür­ger­li­che Kü­che auf gu­tem Ni­veau? „Tra­di­tio­nell, frisch, Tan­ja Wal­len­fang Gas­tro­no­min St. Vith re­gio­nal und sai­so­nal – das ist un­ser Kon­zept. Und es kommt bei den Glad­ba­chern an“, re­sü­miert Wal­len­fang nach dem ers­ten Jahr St. Vith.

Micha­el Holl­mann, Ge­schäfts­füh­rer der Bol­ten-Braue­rei, ist über­zeugt von der Brau­haus-Tra­di­ti­on und wird sie ab kom­men­dem Früh­jahr in ei­nem zwei­ten Tra­di­ti­ons­haus wie­derb­le­ben. Bol­ten über­nimmt die Braue­rei Jö­ris an der Spei­cker Stra­ße und will zu den Wur­zeln zu­rück­keh­ren, die das Haus über Jahr­zehn­te zu ei­nem der er­folg­reichs­ten ge­macht hat­ten. „Wir wol­len im bes­ten Sin­ne gut bür­ger­li­che Kü­che an­bie­ten. Die Glad­ba­cher be­kom­men ihr Brau­haus Jö­ris zu­rück, das sie von frü­her ken­nen“, sagt Holl­mann. Ein paar Um­bau­ten sind al­ler­dings nö­tig, Un­ter an­de­rem wird der frü­he­re Win­ter­gar­ten in Glas­bau-Wei­se ab­ge­ris­sen. „Wir bau­en an sel­ber Stel­le ei­nen neu­en Bier­gar­ten“, kün­digt Holl­mann an. Im Früh­jahr soll Jö­ris neu er­öff­net wer­den. Im Au­gust 2012 hat­te das Gast­haus ge­schlos­sen und stand seit­her leer. Holl­mann hat be­reits Ge­sprä­che mit in­ter­es­sier­ten Päch­tern ge­führt. „Es gibt Gas­tro­no­men, die das kön­nen und die ge­nau an die­ser Idee Freu­de ha­ben“, sagt der Bol­ten-Chef.

Ge­nau sol­che Gas­tro­no­men sucht auch Sascha Te­sche von Te­sche Gas­tro­no­mie & Im­mo­bi­li­en ge­ra­de – und zwar für ei­nen wei­te­ren der ganz gro­ßen, al­ten Na­men der Glad­ba­cher Gas­tro­no­mie. Das frü­he­re Haus Cas­pers, zu­letzt als Stai­ner’s ge­führt, soll im kom­men­den Jahr mit ver­än­der­tem Kon­zept wei­ter be­trie­ben wer­den. „Die­ses Haus mit sei­ner Tra­di­ti­on und sei­ner be­son­de­ren La­ge als Tor zur Alt­stadt eig­net sich ganz be­son­ders für ein gut bür­ger­li­ches Gast­haus“, so Te­sche. Der Ver­trag mit dem bis­he­ri­gen Päch­ter Micha­el Kre­mer, der auch das Beecker Brau­haus in Weg­berg be­treibt, läuft aus. Da­nach soll das Stai­ner’s, das zu­letzt et­was schi­cker ge­wor­den war, wie­der mehr zur Gast­stät­te frü­he­ren Stils wer­den – und viel­leicht so­gar noch wach­sen. Er­wei­te­rungs­mög­lich­kei­ten gibt es. Es sei kein Pro­blem, ei­nen Gas­tro­no­men zu fin­den, ver­si­chert Te­sche. „Wir brau­chen aber je­man­den, der von die­sem Kon­zept über­zeugt ist und da­mit ge­nau zu die­sem be­son­de­ren Stand­ort passt“, sagt er.

Tat­säch­lich ha­ben die Wech­sel an Kon­zep­ten ge­ra­de vie­len Tra­di­ti­ons­häu­sern in den ver­gan­ge­nen bei­den Jahr­zehn­ten nicht gut­ge­tan. „Tol­le Ide­en ha­ben vie­le. Aber nicht je­de Kü­che passt an je­den Stand­ort“, sagt Te­sche. Das sieht Tan­ja Wal­len­fang, die vor­her das Gold­was­ser in der Alt­stadt be­trie­ben hat, ähn­lich. „Es gibt in Glad­bach ein-

„Un­ser Kon­zept: tra­di­tio­nell, frisch, re­gio­nal und sai­so­nal“ „Tol­le Ide­en ha­ben vie­le.

Aber nicht je­de Kü­che passt an je­den Stand­ort“

Sascha Te­sche Te­sche Gas­tro­no­mie & Im­mo­bi­li­en deu­tig ei­nen Markt für bür­ger­li­che Kü­che, die tra­di­tio­nell ist und mit fri­schen Pro­duk­ten ar­bei­tet“, sagt sie. Wich­tig sei, dass das Ge­samt­kon­zept stim­me. Wal­len­fang: „Vie­le un­se­rer Gäs­te su­chen ei­ne Wohl­fühl-At­mo­sphä­re. Das hat mit dem Es­sen zu tun, mit den Ge­trän­ken, aber auch mit der Ein­rich­tung und dem Am­bi­en­te.“Und in Brau­häu­sern klas­si­schen Stils schei­nen sich vie­le Glad­ba­cher be­son­ders hei­misch zu füh­len.

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Das Stai­ner’s soll in neue Hän­de und rus­ti­ka­ler wer­den.

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Bol­ten über­nimmt die Braue­rei Jö­ris und er­öff­net neu.

Das St. Vith läuft seit dem Päch­ter­Wech­sel glän­zend.

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