Stadt wehrt sich ge­gen Braun­koh­le-Plä­ne

In ei­ner Stel­lung­nah­me zur Lei­tent­schei­dung zu Garz­wei­ler II for­dert die Stadt un­ter an­de­rem ei­ne jähr­li­che Über­prü­fung der en­er­gie­po­li­ti­schen Not­wen­dig­keit des Ta­ge­baus. Auch 370 Bür­ger ha­ben das Pa­pier un­ter­schrie­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON TIM SPECKS

Wie schwer das Pa­ket war, das die Ver­tre­ter der Stadt vor ein paar Ta­gen per­sön­lich bei der Staats­kanz­lei des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ab­ga­ben, ist nicht über­lie­fert. Die dort üb­li­chen Grö­ßen- und Ge­wichts­di­men­sio­nen wird es aber wohl über­schrit­ten ha­ben. Von der po­li­ti­schen Sei­te be­trach­tet war das Mit­bring­sel aus der Vi­tus­stadt in je­dem Fall von enor­mem Ge­wicht: Dar­in be­fand sich die Stel­lung­nah­me des Ra­tes der Stadt Mön­chen­glad­bach ge­gen­über des Ent­wurfs zur Lei­tent­schei­dung zu Garz­wei­ler II. Über­bracht wur­de der Staats­kanz­lei je­doch nicht nur die auf fünf Sei­ten dar­ge­leg­te und von Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wil­helm Rei­ners un­ter­schrie­be­ne Hal­tung des Rats,

Bar­ba­ra Wein­thal Ta­ge­bau­ex­per­tin in der Ver­wal­tung son­dern 370 wei­te­re Ex­em­pla­re der Stel­lung­nah­me – samt der Un­ter­schrif­ten hun­der­ter Glad­ba­cher Bür­ger, die sich den Dar­le­gun­gen des Rats so­mit an­schlos­sen und des­sen Po­si­ti­on un­ter­stüt­zen.

Das Ver­fah­ren war ei­ne von der Stadt an­ge­bo­te­ne Al­ter­na­ti­ve zur Mei­nungs­äu­ße­rung auf ei­ner von der Lan­des­re­gie­rung ein­ge­rich­te­ten Online-Platt­form, auf der Bür­ger bis zum 8. De­zem­ber Be­wer­tun­gen und An­re­gun­gen be­züg­lich der Lei­tent­schei­dung ab­ge­ben konn­ten. „Die dort vor­han­de­ne Kom­men­tar­funk­ti­on ha­ben wir kri­tisch ge­se­hen“, er­klärt Bar­ba­ra Wein­thal, Ta­ge­bau­ex­per­tin der Stadt­ver­wal­tung. Die Un- ter­schrif­ten­samm­lung ha­be aber auch noch wei­te­re Zwe­cke ge­habt. „Es war uns ers­tens wich­tig, die Bür­ger in die­sem The­ma sprach­fä­hig zu ma­chen. Zwei­tens soll­te die Po­li­tik die Mög­lich­keit ha­ben, den Bür­gern ih­re Stel­lung­nah­me zu prä­sen­tie­ren.“Die The­ma­tik, so Wein­thal, sei hoch­e­mo­tio­nal. „Man hat ge­merkt, dass das The­ma die Men­schen be­wegt. Wie sich die Bür­ger en­ga­giert ha­ben, war ein­fach rüh­rend“, so Wein­thal. Dass das The­ma Lei­tent­schei­dung für die Glad­ba­cher be­deut­sam ist, hat man auch bei der Staats­kanz­lei in Düsseldorf zur Kennt­nis ge­nom­men. Dort gab es gro­ßes Lob für die Be­tei­li­gung der Bür­ger an der „fach­lich hoch qua­li­fi­zier­ten“Stel­lung­nah­me. Die Be­tei­li­gung von 370 Glad­ba­chern wird als Er­folg ge­wer­tet. „Wir sind da­mit sehr zu­frie­den“, sagt Pe­ter Fe­ron, CDU-Po­li­ti­ker im Braun­koh­le­aus­schuss. Zum Ver­gleich: Auf dem Por­tal der Lan­des­re­gie­rung ga­ben 12.715 Men­schen ei­ne Be­wer­tung der vier Leit­sät­ze ab. Hin­zu ka­men 12.096 An­re­gun­gen be­züg­lich der Lei­tent­schei­dung. Kon­kret zielt die Stel­lung­nah­me auf ei­ne Min­de­rung der ne­ga­ti­ven Fol­gen des Ta­ge­baus für die Stadt Mön­chen­glad­bach ab. Der Rat be­grüßt die Ent­schei­dung der Lan­des­re­gie­rung, den Ta­ge­bau Garz­wei­ler II zu ver­klei­nern. We- sent­li­che Punk­te sei­en aber durch den Ent­wurf der Lei­tent­schei­dung nicht ge­klärt, so Pe­ter Fe­ron. „Der Ta­ge­bau wird die Re­gi­on noch über 80 Jah­re be­schäf­ti­gen, wes­halb un­ter an­de­rem ein fi­nanz­po­li­ti­sches Mo­ni­to­ring nö­tig ist“, sagt er. Über die De­ckung der Fol­ge- und Ewig­keits­kos­ten be­ste­he im Ent­wurf bis­her kei­ne Trans­pa­renz. Wei­te­rer Kri­tik­punkt ist der Ab­stand der Ab­bruch­kan­te zur Wohn­be­bau­ung. Wäh­rend für das Dorf Holz­wei­ler bei Er­kelenz ein Ab­stand von 400 Me­tern zur Kan­te vor­ge­se­hen ist, sind dies im Fal­le des Glad­ba­cher Orts­teils Wan­lo nur 100 Me­ter. „Für den Fall Holz­wei­ler hat man sich ge- fragt, was zu tun ist, da­mit das Le­ben dort le­bens­wert bleibt. Für Wan­lo stellt sich die­se Fra­ge nie­mand“, so Pe­ter Fe­ron. Ei­ne Gleich­be­hand­lung von Holz­wei­ler und Wan­lo sei in die­sem Fall wün­schens­wert. Auch ei­ne en­er­gie­po­li­ti­sche Über­wa­chung des Ta­ge­baus wird mit der Stel­lung­nah­me ge­for­dert. So soll tur­nus­mä­ßig über­prüft wer­den, ob der Braun­koh­le­ab­bau en­er­gie­po­li­tisch wei­ter­hin not­wen­dig ist, oder die Ta­ge­bau­ak­ti­vi­tä­ten be­reits vor der der­zeit ge­plan­ten Ein­stel­lung im Jahr 2045 en­den kön­nen.

Ob und wie sehr das Ein­rei­chen der ge­sam­mel­ten Stel­lung­nah­men zum ge­wünsch­ten Er­folg führt, ist of­fen. „Ich bin gu­ter Din­ge, dass die Stel­lung­nah­me bei der Lan­des­re­gie­rung be­rück­sich­tigt wer­den wird.

„Wie sich die Bür­ger en­ga­giert ha­ben, war ein

fach rüh­rend“

„Ich bin gu­ter Din­ge, dass die Stel­lung­nah­me

be­rück­sich­tigt wird“

Pe­ter Fe­ron CDU-Rats­herr Ich glau­be zum Bei­spiel nicht, dass man es pla­nungs­recht­lich durch­hal­ten kann, nur auf Holz­wei­ler zu schau­en“, sagt Pe­ter Fe­ron. Die Re­gie­rung wer­de sei­ner Er­war­tung nach be­grün­den müs­sen, war­um es bei­spiels­wei­se in Wan­lo nur ei­nen 100 Me­ter lan­gen Ab­stand zur Ab­bruch­kan­te ge­ben soll. Die Lan­des­re­gie­rung will in die­sem Win­ter die end­gül­ti­ge Lei­tent­schei­dung for­mu­lie­ren. Die Stel­lung­nah­me wird mög­li­cher­wei­se nicht das letz­te Auf­bäu­men ge­gen die ak­tu­el­le Form der Lei­tent­schei­dung sein. Die Stadt prüft der­zeit auch die Mög­lich­keit, mit ei­ner Kla­ge ge­gen die Braun­koh­le-Plä­ne vor­zu­ge­hen.

ARCHIV-FOTO: STADT

Ein Ein­griff in das Le­ben Tau­sen­der Glad­ba­cher: der Ta­ge­bau Garz­wei­ler II. In die­sem Win­ter will die Lan­des­re­gie­rung ei­ne neue Lei­tent­schei­dung for­mu­lie­ren – 370 Glad­ba­cher un­ter­schrie­ben nun ei­ne Stel­lung­nah­me da­zu.

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