49-Jäh­ri­ger muss we­gen schwe­ren Rau­bes hin­ter Git­ter

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON INGRID KRÜ­GER

Am En­de des Pro­zes­ses ent­schul­dig­te sich der An­ge­klag­te: „Was ich da ge­macht ha­be, war ein schwe­rer Feh­ler.“Das ließ der 49-Jäh­ri­ge von ei­ner Dol­met­sche­rin über­set­zen. Der An­ge­klag­te, der im Früh­jahr 2014 aus Al­ba­ni­en nach Deutsch­land ge­kom­men war, muss­te sich ges­tern vor der Ers­ten Straf­kam­mer des Mön­chen­glad­ba­cher Land­ge­richts we­gen be­son­ders schwe­ren Rau­bes ver­ant­wor­ten. Er ha­be in Mön­chen­glad­bach kei­ne Ar­beit ge- fun­den und sich des­halb von ei­nem Ma­ze­do­ni­er für ei­ne Be­tei­li­gung an ei­nem be­waff­ne­ten Über­fall auf ei­ne Spiel­hal­le in der Nä­he des Bahn­hofs über­re­den las­sen. Be­reits zu Pro­zess­be­ginn wie­der­hol­te der An­ge­klag­te mit Hil­fe sei­nes Ver­tei­di­gers das Ge­ständ­nis, das er bei der Po­li­zei ab­ge­legt hat­te.

Den Ma­ze­do­ni­er, von dem er nur den Spitz­na­men kann­te, lern­te er in ei­nem Wett­bü­ro ken­nen. Der Mann ha­be ihm im­mer mal Zi­ga­ret­ten und Bier ge­schenkt. Gleich um die Ecke in ei­ner Spiel­hal­le sei­en im­mer 3000 Eu­ro in der Kas­se. „Die kön­nen wir uns doch ho­len“, ha­be der Ma­ze­do­ni­er ihn ge­kö­dert. Der neue Freund be­sorg­te Waf­fen und Mas­ken. Au­ßer­dem be­saß er ein Au­to. Am 19. Ju­li 2014, mor­gens ge­gen 6 Uhr, dran­gen sie in die Spiel­hal­le ein. Das Op­fer, ei­ne 49-jäh­ri­ge An­ge­stell­te, schil­der­te ges­tern, wie sie da­mals von den Män­nern mit ei­nem Mes­ser und mit ei­nem Beil be­droht wor­den war. „Kas­se auf und Geld, Geld“, hät­ten die Män­ner ge­schrien. Die Frau er­hielt zu­nächst Kle­be­band auf den Mund. Doch der An­ge­klag­te riss es ihr schnell wie­der ab. „Wir ha­ben der Frau kein Haar ge­krümmt“, be­teu­er­te der 49-Jäh­ri­ge. An dem Kle­be­band wur­de je­doch spä­ter die DNA des An­ge­klag­ten ge­fun­den. Als das Te­le­fon klin­gel­te und sich die Po­li­zei in der Spiel­hal­le mel­de­te, ver­schwan­den die Män­ner mit der Beu­te, die aber nur aus 300 Eu­ro be­stand. Sie fuh­ren mit dem Au­to des Ma­ze­do­ni­ers nach Düsseldorf. Doch dann strit­ten sich die Män­ner. Der Al­ba­ner fuhr zu­rück nach Mön­chen­glad­bach. Der Mit­tä­ter blieb un­be­kannt.

Der Staats­an­walt hat­te für den Al­ba­ner ges­tern ei­ne Haft­stra­fe von sechs Jah­ren ge­for­dert. Aber der Ver­tei­di­ger bat für sei­nen Man­dan­ten um ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe. Der An­ge­klag­te ha­be doch in ei­ner Not­si­tua­ti­on ge­han­delt. Aber das Ge­richt wer­te­te den be­son­ders schwe­ren Raub als min­der schwe­ren Fall und ver­ur­teil­te den Al­ba­ner zu ei­ner Haft­stra­fe von vier Jah­ren und sechs Mo­na­ten. Da­bei be­rück­sich­tig­ten die Rich­ter, dass das Op­fer den Über­fall oh­ne psy­chi­sche Spät­fol­gen über­stan­den hat­te.

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