In Ge­sell­schaft isst man we­ni­ger

Chris­tel Ra­de­ma­cher ist Pro­fes­so­rin für an­ge­wand­te Er­näh­rungs­wis­sen­schaft an der Hoch­schu­le Nie­der­rhein – und ei­ne ech­te Ex­per­tin in Sa­chen Weih­nachts­völ­le­rei. Sie sagt, wie man rund um die Fei­er­ta­ge ei­ni­ger­ma­ßen auf sei­ne Li­nie ach­tet.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON NI­CO­LE SCHARFETTER

Nichts geht über ei­nen selbst ge­bas­tel­ten Ad­vents­ka­len­der, vor al­lem, wenn Süß­kram drin ist. Klei­ne Scho­ko-En­gel­chen, ein paar Gum­mi­bär­chen zwi­schen­durch oder ein Elch aus Leb­ku­chen. Mmmhhh... So kann der Mor­gen im­mer be­gin­nen. Kaum im Bü­ro an­ge­kom­men, geht der ers­te Griff in die gro­ße Blech­do­se, die die Kol­le­gin mit­ge­bracht hat – ge­füllt mit Nuss­kip­ferln und Zimt­ster­nen. Selbst ge­ba­cken, ver­steht sich. Dann der klei­ne Ab­ste­cher in der Mit­tags­pau­se oder nach der Ar­beit auf den Weih­nachts­markt, wo uns ziem­lich un­ge­sun­de, aber so le­cke­re Sa­chen ver­füh­ren: Rei­be­ku­chen, ge­brann­te Man­deln und Glüh­wein. Wer kann da schon wi­der­ste­hen. Nicht zu ver­ges­sen die Weih­nachts­fei­ern mit Fa­mi­lie und Freun­den – am liebs­ten in ei­nem Lo­kal, wo die di­cke Gän­se­keu­le auf der Spei­se­kar­te steht.

Für al­le Ka­lo­ri­en­zäh­ler ist die Ad-

Dr. Chris­tel Ra­de­ma­cher vents­zeit ver­mut­lich die schlimms­te im Jahr. Da­bei ha­be man frü­her im Ad­vent ge­fas­tet, sagt Dr. Chris­tel Ra­de­ma­cher, Pro­fes­so­rin für an­ge­wand­te Er­näh­rungs­wis­sen­schaft an der Hoch­schu­le Nie­der­rhein. Zwi­schen Mar­tins­tag und Weih­nach­ten. „Des­we­gen heißt das Weih­nachts­ge­bäck auch Weih­nachts­ge­bäck und nicht Ad­vents­ge­bäck“, sagt sie. Das ha­be sich in den letz­ten 20 Jah­ren al­ler­dings ver­än­dert. Der Spei­se­plan an den Fei­er­ta­gen sei so voll­ge­packt, dass die gan­zen Kek­se und Man­deln und Rei­be­ku­chen schon vor­her ge­ges­sen wer­den (müs­sen).

Wer auf sei­ne Li­nie ach­ten will, der braucht nicht un­be­dingt auf al­les ver­zich­ten: „Er soll­te nur be­wuss­ter es­sen“, sagt die Er­näh­rungs­ex­per­tin. Nicht im Vor­bei­ge­hen die Kek­se rein­st­op­fen, son­dern in Ge­sell­schaft es­sen, „dann ist man schnel­ler satt, weil man lang­sa­mer isst.“Und wenn der Rest der Er­näh­rung und die Be­we­gung stim­men, „dann darf es auch was Fet­ti­ges vom Weih­nachts­markt sein“, sagt Ra­de­ma­cher.

An Weih­nach­ten ko­chen üb­ri­gens 35 Pro­zent der Deut­schen Würst­chen mit Kar­tof­fel­sa­lat. „Das geht schnell“, sagt Ra­de­ma­cher. Sie selbst üb­ri­gens zählt zu je­nen, die an Hei­lig­abend nicht lan­ge in der Kü­che ste­hen will. „Ich be­rei­te im­mer Pas­te­ten mit Ra­gout fin vor“, sagt sie. An­statt die ka­lo­ri­en­rei­che Va­ri­an­te mit Mayon­nai­se emp­fiehlt die Pro­fes­so­rin ei­nen war­men Kar­tof­fel­sa­lat mit Es­sig und Öl. Bei den Würst­chen dür­fen es dann aber schon die klas­si­schen Wie­ner sein, „To­fu­würst­chen ge­hen gar nicht“, fin­det sie. Bei rund ei­nem Vier­tel der Deut­schen kommt Ge­flü­gel auf den Tisch – Huhn, En­te, Gans. „Das Ziel an Weih­nach­ten soll­te es nicht sein, Ka­lo­ri­en zu spa­ren. Da darf man auch mal mehr es­sen“, sagt Chris­tel Ra­de­ma­cher.

Ihr ist es wich­tig, dass auf die Her­kunft des Es­sens ge­ach­tet wird. Dass an ei­ner Gans auch mehr dran ist als nur die Keu­le. „Wir ha­ben ei­ne Ver­ant­wor­tung“, sagt sie. Üb­ri­gens: „Rot­kohl kommt nicht aus dem Glas oder aus dem Ge­frier­beu­tel“, fügt sie hin­zu.“Fast ge­nau­so vie­le Men­schen es­sen Fon­due oder Ra­clette an Hei­lig­abend, weil man lan­ge zu­sam­men­sitzt und nicht so viel vor­be­rei­ten muss. Au­ßer­dem be­liebt: Bra­ten, Fisch und Wild.

Na­schen ist er­laubt, in Ma­ßen. Das gilt ge­nau­so für die gu­ten, ge­sun­den Le­bens­mit­tel. „Da soll­te man auch nicht über­trei­ben“, sagt sie. Mit 15 Man­da­ri­nen am Tag oder ei­ner gan­zen Tü­te Wal­nüs­se tut sich nie­mand ei­nen Ge­fal­len. Und wer meint, die Weih­nachts­zeit sei ver­ant­wort­lich für die zu­sätz­li­chen Pfun­de auf den Hüf­ten, dem sagt Chris­tel Ra­de­ma­cher im­mer: „Man nimmt nicht zwi­schen Weih­nach­ten und Neu­jahr zu, son­dern zwi­schen Neu­jahr und Weih­nach­ten.“

„Das Ziel an Weih­nach­ten soll­te es nicht sein, Ka­lo­ri­en

zu spa­ren“

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Weih­nachts­ge­bäck wird längst in der ge­sam­ten Ad­vents­zeit ge­ges­sen. Dr. Chris­tel Ra­de­ma­cher, Pro­fes­so­rin für an­ge­wand­te Er­näh­rungs­wis­sen­schaft, gibt Tipps, wie man trotz vie­ler Ver­lo­ckun­gen durch die Weih­nachts­zeit kommt.

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Pas­te­te mit Ra­gout fin an Weih­nach­ten: Chris­tel Ra­de­ma­cher.

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