Klei­ne Ge­schen­ke ge­gen Kin­der­trä­nen

Im Kin­der­kran­ken­haus am Rhe­ydter „Eli“heißt das Christ­kind in die­sem Jahr Sonja Krä­mer. Die 35-jäh­ri­ge Er­kelen­ze­rin hat Weih­nachts­ge­schen­ke ge­sam­melt, um kran­ken Kin­dern ei­ne Freu­de zu ma­chen – aus ei­ge­ner Be­trof­fen­heit her­aus.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON SA­BI­NE KRICKE

RHE­YDT Ja, ist denn heu­te schon Weih­nach­ten? Im Kin­der­kran­ken­haus in Rhe­ydt hört man vie­le Kin­der­stim­men, die laut „Jaaa“ru­fen. Dank ei­ner Spen­den­ak­ti­on der Er­kelen­ze­rin Sonja Krä­mer freu­en sich über 100 Kin­der im Kran­ken­haus vor­zei­tig über lie­be­voll ver­pack­te und aus­ge­wähl­te Weih­nachts­ge­schen­ke.

Die drei­ein­halb­jäh­ri­ge Di­la­ra schaut die vie­len bun­ten Ge­schen­ke un­ter dem Weih­nachts­baum am Emp­fang des Kin­der­kran­ken­hau­ses noch et­was skep­tisch an. Auch an­de­re Kin­der fra­gen un­gläu­big: „Sind die al­le für uns?“. Doch dann be­kommt das klei­ne Mäd­chen ein Pa­ket von Sonja Krä­mer über­reicht. „Für Mäd­chen, drei bis sechs Jah­re“steht auf ei­nem klei­nen Zet­tel, der an dem Pa­ket klebt. Dar­in ein ro­sa­far­be­nes Mal­buch mit Bunt­stif­ten und ei­nem Scho­ko­la­den­lut­scher in Form ei­nes Ni­ko­lau­ses. Di­la­ras Au­gen strah­len.

Über 300 sol­cher Weih­nachts­ge­schen­ke für Kin­der hat Sonja Krä­mer in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ge­sam­melt. Die Idee, Kin­der, die zur Weih­nachts­zeit im Kran­ken­haus lie­gen müs­sen, mit ei­nem klei­nen Ge­schenk auf­zu­mun­tern, kam der drei­fa­chen Mut­ter nach ei­nem ein­schnei­den­den Er­leb­nis. Ih­re jüngs­te Toch­ter ist elf Mo­na­te alt und lei­det an ei­ner schwe­ren Hau­ter­kran­kung. Um ih­re Toch­ter best­mög­lich zu be­han­deln, wa­ren vie­le Be­su­che in der Düs­sel­dor­fer Uni­k­li­nik nö­tig. Was Krä­mer dort ge­se­hen hat, ließ sie je­doch nicht mehr los.

„Häu­fig geht es vor­der­grün­dig nur um die me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung. Die Men­sch­lich­keit ha­be ich wirk­lich oft ver­misst“, sagt Krä­mer. Vor al­lem in der Weih­nachts­zeit macht das die drei­fa­che Mut­ter trau­rig. „Die Vor­stel­lung, dass die Klei­nen den Hei­lig­abend nicht mit ih­ren Fa­mi­li­en ver­brin­gen kön­nen und dass auf der an­de­ren Sei­te ih­re El­tern sie nicht zu Hau­se ha­ben, ist schlimm für mich“, er­zählt die Er­kelen­ze­rin.

So über­leg­te sie sich, wie sie die Weih­nachts­zeit für Kin­der im Kran- ken­haus oder Ho­s­piz ver­schö­nern kann. „Dann kam mir die Idee, dass sich ge­ra­de Kin­der über klei­ne Ge­schen­ke be­son­ders freu­en“, er­zählt Krä­mer. Al­so star­te­te die Mut­ter in der Face­book-Grup­pe „Ge­schen­ke ge­gen Trä­nen“den Auf­ruf an Freun­de und Be­kann­te, Spiel­zeug für Kin­der zu spen­den und die­se in klei­ne Pa­ke­te zu ver­pa­cken. Über 300 Ge­schen­ke sind so zu­sam­men­ge­kom­men. Mehr als 100 er­hal­ten die Kin­der im Kran­ken­haus in Rhe­ydt, die üb­ri­gen ge­hen an die Kin­der der Mu­ko­vis­zi­do­se­sta­ti­on im Kli­ni­kum Aa­chen.

Ne­ben Spiel­zeug­ge­schen­ken lie­gen auch vie­le Bü­cher un­ter dem Tan­nen­baum. Wolf­gang Fi­scher vom Al­ti­us-Ver­lag aus Er­kelenz hat für je­des Kind ein Kin­der­buch ge­spen­det. „Auf­merk­sam auf die Ak­ti­on bin ich durch den Auf­ruf von Frau Krä­mer auf Face­book ge­wor­den. Da ha­be ich sie an­ge­schrie­ben und ge­fragt, ob sie auch Kin­der­bü- cher ge­brau­chen könn­te“, sagt Wolf­gang Fi­scher. „Dass die Kin­der teil­wei­se Weih­nach­ten nicht zu Hau­se ver­brin­gen kön­nen oder die El­tern nicht bei ih­nen in der Kli­nik über­nach­ten dür­fen, war mir gar nicht so be­wusst. Und so ein klei­ner Licht­blick freut ja nicht nur die Kin­der, son­dern auch die Er­wach­se­nen.“

Über die zahl­rei­chen Bü­cher freut sich auch Wolf­gang Köl­fen, Chef­arzt der Kin­der­kli­nik in Rhe­ydt. „Wenn die Kin­der im Bett lie­gen müs­sen, sieht man auf ein­mal viel mehr Bü­cher auf dem Nacht­tisch lie­gen – und Müt­ter, die ih­ren Kin­dern vor­le­sen“, sagt Köl­fen. Nicht al­le Kin­der, die sta­tio­när im Kran­ken­haus Rhe­ydt auf­ge­nom­men wur­den, müs­sen an Hei­lig­abend im Kran­ken­haus blei­ben. Bei ei­ni­gen drückt Köl­fen auch mal ein me­di­zi­ni­sches Au­ge zu: „Da glau­ben wir auch an die be­son­de­re Heil­kraft des Christ­kin­des.“Rund 70 Kin­der, et­wa 25 da­von sind Früh­ge­bo­re­ne, müs­sen je­doch an Hei­lig­abend im Kran­ken­haus blei­ben. „Dann kom­men in der Re­gel aber die El­tern, brin­gen Ge­schwis­ter­kin­der mit oder blei­ben auch über Nacht“, er­zählt der Chef­arzt.

Die klei­ne Di­la­ra darf zu Weih­nach­ten nach Hau­se. Das freut auch ih­re Mut­ter sehr. „Es ist wirk­lich total schön, Weih­nach­ten zu Hau­se ver­brin­gen zu kön­nen“, sagt sie. Die Spen­den­ak­ti­on von Krä­mer hat Di­la­ras Mut­ter auch sehr ge­freut. „Vor al­lem, dass je­mand so et­was privat or­ga­ni­siert, fin­de ich total klas­se“. Nach und nach wer­den nun auch die wei­te­ren Kin­der auf der Sta­ti­on mit Weih­nachts­pa­ke­ten be­schenkt.

FOTO: HANS-PE­TER REICHARTZ

Sonja Krä­mer (links, ne­ben Chef­arzt Wolf­gang Köl­fen) hat mit ih­rer Initia­ti­ve bei Face­book da­für ge­sorgt, dass vie­le Kin­der, die zur­zeit im „Eli“lie­gen, Weih­nach­ten ein biss­chen fröh­li­cher sein wer­den.

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