Weih­nach­ten ist Ver­trau­ens­sa­che

Wie kommt der Ruf des Apos­tels Pau­lus „Freu­et euch! Der Herr ist na­he!“, der Wo­chen­spruch zum 4. Sonn­tag im Ad­vent, heu­te bei uns an?

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON OLAF NÖL­LER Die DER AU­TOR IST EVAN­GE­LI­SCHER PFAR­RER IN RHE­YDT.

Der Apos­tel Pau­lus schrieb aus dem Ge­fäng­nis (!) an die christ­li­che Ge­mein­de in der grie­chi­schen Stadt Phil­ip­pi: „Freu­et euch in dem HERRN al­le­we­ge, und aber­mals sa­ge ich: Freu­et euch! Eu­re Gü­te lasst kund sein al­len Men­schen. Der HERR ist na­he!“(Phil­ip­per 4, 4f). Wie kommt die­ser Ruf, der Wo­chen­spruch zum 4. Sonn­tag im Ad­vent, bei uns heu­te an? „Freu­et euch!“– Euch? Ich bin al­lein! „Freu­et euch!“– Wie denn, wenn ich Angst ha­be? „Freu­et euch!“– Oh­ne zu wis­sen, was nächs­tes Jahr noch al­les auf uns zu kommt? „Freu­et euch!“– Freu­en? So ein­fach – ein­fach so? Ei­ner sagt’s, der an­de­re tut’s? „Freu­et euch!“– Ach ja, das ist schon so lan­ge her... da leb­te mein Mann noch... da hat­ten wir noch Zeit für­ein­an­der… da war ich noch ge­sund... da konn­te ich noch ar­bei­ten... da wa­ren un­se­re Kin­der noch zu Hau­se... da stimm­te es noch in mei­ner Part­ner­schaft... „Freu­et euch!“– Wor­über? Über Son­der­an­ge­bo­te? Ei­nen frei­en Park­platz? Über Fleisch vom Öko-Bau­ern­hof? Mei­nen wie­der­ge­fun­de­nen Haus­tür­schlüs­sel? Den sau­er ver­dien­ten Weih­nachts­ur­laub? Ei­ne Ge­halts­er­hö­hung? „Freu­et euch! Der HERR ist na­he!“– Wo? Ich se­he nichts! Ich kann nichts er­ken­nen! Die Weih­nachts­be­leuch­tung blen­det mich. Übe­r­all die­se ge­schmack­lo­se De­ko­ra­ti­on. „ Freu­et euch! Der HERR ist na­he!“– Der Herr? Wel­cher Herr denn? Ach, es gibt ja so vie­le. Zum Bei­spiel die Her­ren in grau­en An­zü­gen. Im­mer ge­schäf­tig und gut ra­siert. „Freu­et euch! Der HERR ist na­he!“– Doch nicht et­wa die „Her­ren Po­li­ti­ker“, die uns auf Pla­ka­ten an­lä­cheln? Oder die „Her­ren Fi­nanz­ma- na­ger“? Schö­nen Dank – The­ma be­en­det! „Der HERR ist na­he!“– Ach, Pau­lus, hör‘ doch auf! Wem kann man denn heu­te noch trau­en? Spaß ha­ben, das ver­spre­chen sie doch al­le. Je­der meint was an­de­res da­mit. Je­der ist auf sei­nen Vor­teil be­dacht. „Der HERR ist na­he!“– Meinst Du wirk­lich, Pau­lus? Ich weiß nicht… Ger­ne wür­de ich’s glau­ben kön­nen, ich auch be­grü­ßen, mich mal wie­der so rich­tig freu­en! Wo fin­det man ihn? Wie kann ich ihn er­ken­nen?

„Und der En­gel des HERRN sprach zu ih­nen: Fürch­tet euch nicht! Sie­he ich ver­kün­di­ge euch gro­ße Freu­de, die al­lem Volk wi­der­fah­ren wird; denn euch ist heu­te der Hei­land ge­bo­ren, wel­cher ist Chris­tus der HERR, in der Stadt Da­vids. Und das habt zum Zei­chen: ihr wer­det fin­den das Kind in Win­deln ge­wi­ckelt und in ei­ner Krip­pe lie­gen.“

(Lukas 2, 10-12)

„Freu­et euch!“– Freu­en? So ein­fach – ein­fach so?

Ei­ner sagt’s, der an­de­re tut’s?

FOTO: NÖL­LER

Ent­de­ckung der Weih­nachts­freu­de – dar­ge­stellt im Dom zu Tri­er.

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