Mour­in­ho muss Ab­schied neh­men

Im eu­ro­päi­schen Trai­ner-Do­mi­no ist der ers­te St­ein ge­fal­len. Kann Mour­in­ho ein Kan­di­dat für Bay­ern sein?

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

DÜSSELDORF/LON­DON Ei­nem Rück­tritt hat er sich bis zu­letzt er­folg­reich wi­der­setzt. Der Druck wuchs, weil die Er­fol­ge aus­blie­ben, das gro­ße Chel­sea Lon­don hing im un­te­ren Ta­bel­len-Mit­tel­feld fest. Aber José Mour­in­ho er­klär­te trot­zig: „Ich ge­he nicht, sie müs­sen mich schon raus­schmei­ßen.“Ges­tern mach­ten sie es. Und ob­wohl die Ver­eins­füh­rung die Tren­nung als „ein­ver­nehm­lich“be­zeich­ne­te, ist es un­wahr­schein­lich, dass Mour­in­ho frei­wil­lig ging.

Im­mer­hin wird ihm der Ab­schied vom eng­li­schen Meis­ter mit ei­ner stol­zen Sum­me leich­ter ge­macht. Er soll rund 40 Mil­lio­nen Pfund (55 Mil­lio­nen Eu­ro) kas­sie­ren, weil sein Ver­trag im Som­mer bis 2019 ver­län­gert wor­den war. Das ist nicht ein­mal für den Klub-Ei­gen­tü­mer Ro­man Abra­mo­witsch Klein­geld. Rund zwei Mil­li­ar­den Eu­ro hat der rus­si­sche Öl-Mil­li­ar­där seit 2003 in das Fuß­ball-Un­ter­neh­men ge­pumpt. Da­für gab es un­ter an­de­rem die drei Meis­ter­ti­tel mit Mour­in­ho (2005, 2006, 2012) und den Sieg in der Cham­pi­ons Le­ague 2012. Doch in die­ser Sai­son war der Er­folg of­fen­bar nicht zu kau­fen.

Mour­in­ho schei­ter­te nicht an sei­ner kom­pro­miss­lo­sen Art. Sie ge­hört zu sei­nem Er­folgs­mo­dell. Und sei­ne Ar­beit­ge­ber wuss­ten im­mer, auf was sie sich in der Zu­sam­men­ar­beit mit dem über­aus selbst­be­wuss­ten Por­tu­gie­sen ein­las­sen. Er schei­ter­te an der Tal­fahrt in der Pre­mier Le­ague. Nie­der­la­gen ge­gen die Klei­nen, fort­ge­setzt schlech­te Spie­le und der Sturz in den Kampf um den Klas­sen­er­halt sind die Grün­de für den Raus­wurf. In der Cham­pi­ons Le­ague, der Li­ga, die Chel­sea für sei­nen na­tür­li­chen Le­bens­raum hält, steht Mour­in­hos nun ehe­ma­li­ges Team im Ach­tel­fi­na­le.

Im gro­ßen eu­ro­päi­schen Do­mi­no­spiel um Trai­ner, die ge­hen könn­ten, wech­seln müss­ten oder an­dern­orts an­heu­ern dür­fen, ist Mour­in­ho der ers­te ge­fal­le­ne St­ein. Die Sze­ne könn­te nun in Be­we­gung ge­ra­ten, wie beim rich­ti­gen Do­mi­no. Ein mög­li­cher Nach­fol­ger für Mour­in­ho in Lon­don könn­te Car­lo An­ce­lot­ti sein, der Chel­sea schon mal zur eng­li­schen Meis­ter­schaft führte und als Mour­in­hos Nach­fol­ger bei Re­al Ma­drid die Cham­pi­ons Le­ague ge­wann. An­ce­lot­ti aber soll be­reits beim deut­schen Re­kord­meis­ter Bay­ern München für die kom­men­de Sai­son zu­ge­sagt ha­ben.

Die Bay­ern ge­hen wohl da­von aus, dass Pep Guar­dio­la sei­nen Ver­trag nicht mehr ver­län­gern wird, der im Som­mer nach drei Jah­ren en­det. Of­fi­zi­ell soll das am Sonn­tag be­kannt­ge­ge­ben wer­den. Guar­dio­la könn­te auf je­den Fall ver­nünf­ti­ge Grün­de vor­brin­gen. Soll­te er En­de Mai die Cham­pi­ons Le­ague ge­win­nen, wä­re sei­ne Ar­beit bei den Bay­ern ge­krönt. Und weil es dann wohl nicht mehr bes­ser wer­den kann, wä­re ein En­de der Zu­sam­men­ar­beit lo­gisch.

Eben­so lo­gisch wä­re das, wenn es auch im drit­ten Jahr kei­nen Er­folg auf der ganz gro­ßen Büh­ne gibt. Es ist schwer vor­stell­bar, dass Guar­dio­la noch ei­nen vier­ten An­lauf mit dem Klub ver­su­chen wür­de.

Soll­te An­ce­lot­ti sein Nach­fol­ger wer­den, ist Guar­dio­la seit ges­tern eben­falls ein Kan­di­dat bei Chel­sea Lon­don. Abra­mo­witsch ver­fügt über die nö­ti­gen Rück­la­gen, Guar­dio­las Münch­ner Jah­res­ge­halt von ge­schätz­ten zwölf Mil­lio­nen Eu­ro zu über­tref­fen. Mour­in­ho soll be­reits 18 Mil­lio­nen Eu­ro ver­dient ha­ben. Und Chel­sea hat in der Ver­gan­gen­heit schon mal laut bei Guar­dio­las Be­ra­ter an­ge­klopft.

Der wie­der­um hat wie der Trai­ner selbst gu­te Be­zie­hun­gen in den Füh­rungs­stab von Man­ches­ter Ci­ty. Sport­di­rek­tor Txi­ki Be­gi­ris­tain und Ge­schäfts­füh­rer Fer­ran So­ria­no kennt der Coach aus ge­mein­sa­men Zei­ten in Barcelona. Be­reits im Som­mer be­rich­te­ten spa­ni­sche und eng­li­sche Me­di­en, dass Guar­dio­la ih­nen das Wort ge­ge­ben ha­be.

Mög­lich ist al­ler­dings auch, dass der Ka­ta­la­ne nach drei psy­chisch an­stren­gen­den Jah­ren bei den Bay­ern zu­nächst mal wie­der ei­ne Pau­se ein­legt. Er hat frü­her schon er­klärt, dass er in Barcelona ein Jahr zu lang ge­blie­ben sei – näm­lich vier. Da­nach leg­te er ein Sab­bat­jahr ein. Da­von konn­ten ihn auch hoch­do­tier­te An­ge­bo­te nicht ab­brin­gen.

An­ce­lot­ti hat sich in­zwi­schen er­holt. Re­al Ma­drid hat­te ihn im Som­mer ent­las­sen. Da­nach konn­te der Ita­lie­ner in Ru­he war­ten, bis ei­ne pas­sen­de Of­fer­te auf den Tisch kam. Viel­leicht hat er in­zwi­schen auch schon ein biss­chen Deutsch ge­lernt. Da­mit je­den­falls ver­trieb sich Guar­dio­la in den letz­ten sechs Mo­na­ten sei­nes Sab­bat­jahrs die Zeit.

Und Mour­in­ho gilt als Sprach­ta­lent. Sei­ne Kar­rie­re im gro­ßen Fuß­ball be­gann als Über­set­zer und As­sis­tent von Bob­by Rob­son bei Sporting Lis­s­a­bon.

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