Düs­te­re „Ma­dame Bo­va­ry“

Mia Wa­si­kow­s­ka spielt die Frau, die aus ei­ner ein­tö­ni­gen Ehe flie­hen will.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON BRITTA SCHUL­TE­JANS

Klas­si­ker­ver­fil­mun­gen sind im­mer ein Ri­si­ko: Die Ge­schich­te ist be­kannt, die Er­war­tun­gen sind hoch – und Fil­me gab es meist auch schon in Hül­le und Fül­le. Das hat Re­gis­seu­rin So­phie Barthes („Cold Souls“) nicht da­von ab­ge­hal­ten, Gus­ta­ve Flau­berts Klas­si­ker „Ma­dame Bo­va­ry“aus dem Jahr 1857 neu zu in­sze­nie­ren.

Da­bei hat sie sich für ei­ne sehr klas­si­sche, düs­te­re Ins­ze­nie­rung ent­schie­den, für ei­nen Ko­s­tüm­film, wie er im Bu­che steht. Da­mit ver­langt sie dem Zu­schau­er zwar ab, sich auf ein in Zei­ten von „Star Wars“-Block­bus­tern sehr un­ge­wöhn­li­ches Tem­po ein­zu­las­sen, aber das lohnt sich stre­cken­wei­se durch­aus.

Und das liegt in ers­ter Li­nie an der Haupt­dar­stel­le­rin: Die Aus­tra­lie­rin Mia Wa­si­kow­s­ka scheint Ge­schmack ge­fun­den zu ha­ben an Ko­s­tüm­rol­len. Sie war zu­letzt an der Sei­te von Micha­el Fassbender in und als Ja­ne Ey­re zu se­hen.

Als Ma­dame Bo­va­ry ver­steht sie es, dem Zu­schau­er Ver­ständ­nis und Mit­leid eben­so zu ent­lo­cken wie ab­so­lu­tes Un­ver­ständ­nis und Wut. Sie spielt ei­ne Fi­gur zwi­schen un­bän­di­ger, an­ste­cken­der Le­bens­lust und Nai­vi­tät und skru­pel­lo­ser Selbst­sucht. So er­zählt sie die be­kann­te Ge­schich­te der jun­gen Em­ma Bo­va­ry, die aus der läh­men­den Ein­tö­nig­keit ih­res Le­ben in der Pro­vinz an der Sei­te des Arz­tes Charles Bo­va­ry flüch­ten will und sich da­bei in Af­fä­ren ver­strickt.

Der zwei­te gro­ße Plus­punkt des Films ist Rhys Ifans (Hugh Grants ex­zen­tri­scher, wa­li­si­scher Mit­be­woh­ner aus „Not­ting Hill“) als Kre­dit­hai Mon­sieur Lheu­reux. Sei­ne Fi­gur wech­selt ge­schickt zwi­schen zwar durch­schau­ba­rem, aber nicht min­der ver­füh­re­ri­schem Charme und – wie sich zum Schluss her­aus­stellt – töd­li­cher Kom­pro­miss­lo­sig­keit. Schließ­lich ver­gif­tet die Ma­dame sich – sie ist emo­tio­nal durch die Af­fä­ren und fi­nan­zi­ell durch den Kre­dit­hai rui­niert – mit ei­ner Do­sis Ar­sen.

Ihr Selbst­mord ist nicht nur der Schluss­punkt, son­dern auch der Be­ginn des Films, ei­ne dra­ma­ti­sche Klam­mer, die dem Zu­schau­er bei al­ler Le­bens­freu­de, die der An­fang des Films aus­strahlt, das dro­hen­de, dunk­le En­de im­mer vor Au­gen hält.

Der Schwach­punkt des Films: Bo­va­rys Män­ner. Hen­ry Lloyd-Hug­hes bleibt als Charles Bo­va­ry so blass wie sei­ne Rol­le. Doch auch die Män­ner, mit de­nen sie ih­ren Mann be­trügt – Ez­ra Mil­ler als Le­on und Lo­gan Mar­shall-Gre­en als Mar­quis d’An­der­vil­liers – ma­chen aus ih­ren Fi­gu­ren nicht viel mehr als Ab­zieh­bild­chen. Aber der Ti­tel lau­tet ja nun­mal auch „Ma­dame Bo­va­ry“. Ver­ste­cken muss sich Barthes’ In­ter­pre­ta­ti­on hin­ter der be­kann­ten Ver­fil­mung von Clau­de Chab­rol aus dem Jahr 1991 mit Isa­bel­le Hup­pert in der Ti­tel­rol­le nicht. „Ma­dame Bo­va­ry“, USA 2015, 118 Min­un­te, Re­gie: So­phie Barthes, mit Ez­ra Mil­ler, Mia Wa­si­kow­s­ka, Paul Gia­mat­ti

FOTO: DPA

Mia Wa­si­kow­s­ka als Em­ma Bo­va­ry (l.) und Hen­ry Lloyd-Hug­hes als Charles

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