Ro­cke­fel­ler war Vor­bild für die Pio­nie­re

Es war die Fe­ri AG aus Bad Hom­burg, die 1987 den ers­ten Schritt wag­te und Deutsch­lands ers­tes Mul­ti-Fa­mi­ly-Of­fice grün­de­te. Heu­te ist der Fi­nanz­dienst­leis­ter Markt­füh­rer un­ter den Ban­ken-Un­ab­hän­gi­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON JOSÉ MACIAS

Blu­men­stra­ße, mit­ten in der Düs­sel­dor­fer Ci­ty: Frank W. Stra­at­mann emp­fängt uns in den zweck­mä­ßig-ele­gan­ten Bü­ro­räu­men der Fe­ri AG. Der nach au­ßen hin be­schei­de­ne Auf­tritt passt zur Phi­lo­so­phie des In­vest­ment­hau­ses, das als Pio­nier un­ter den Mul­ti-Fa­mi­ly-Of­fices in Deutsch­land gilt. „Wir sind in un­se­rem Au­ßen­auf­tritt sehr eher lei­se“, un­ter­streicht der Fe­ri-Vor­stand. Fe­ri – das steht in der brei­ten Öf­fent­lich­keit für ei­ge­nes In­vest­ment­re­se­arch in Kom­bi­na­ti­on mit Ver­mö­gens­ver­wal­tung und -be­ra­tung: Mit sei­nen Ana­ly­sen und Pro­gno­sen, aber auch dem Ra­ting von In­vest­ment­fonds ist der In­vest­ment­ex­per­te ei­ne be­kann­te Grö­ße. Als ei­nes der größ­ten pri­vat­wirt­schaft­li­chen For­schungs­in­sti­tu­te in Eu­ro­pa ge­hört Fe­ri zu den „Vor­den­kern“in der Bran­che und lie­fert früh ent­schei­den­de Hin­wei­se auf lang­fris­ti­ge In­vest­ment­trends und neu auf­kom­men­de Grund­satz­the­men.

Kon­ti­nu­ier­lich wächst das mitt­ler­wei­le 200 Mit­ar­bei­ter gro­ße Un­ter­neh­men mit Haupt­sitz in Bad Hom­burg mit der ei­ge­nen Ver­mö­gens­ver­wal­tung – und eben der Ar­beit als Mul­ti-Fa­mi­ly-Of­fice. „Fe­ri hat­te ei­ne Vi­si­on, als es 1987 Deutsch­lands ers­tes Mul­ti-Fa­mi­ly-Of­fice grün­de­te“, er­in­nert sich Stra­at­mann. Das war für den Pio­nier der Bran­che kein ein­fa­ches Un­ter­fan­gen, denn der Be­griff Fa­mi­ly Of­fice war da­mals selbst der Ziel­grup­pe, hoch­ver­mö­gen­den pri­va­ten und in­sti­tu­tio­nel­len Kun­den, weit­ge­hend un­be­kannt. „Ro­cke­fel­ler und JPMor­gan aus den USA wa­ren für uns Vor­bil­der bei der Ent­wick­lung die­ses Ge­schäfts­mo­dells“, er­gänzt der Fe­ri-Vor­stand.

Zu den ers­ten Kun­den zähl­ten Fa­mi­li­en mit ei­nem Ver­mö­gen von über 100 Mil­lio­nen Mark, an­schlie­ßend kam die pri­va­te Ver­mö­gens­ver­wal­tung ab fünf Mil­lio­nen Mark, heu­te fünf Mil­lio­nen Eu­ro so­wie das As­set Ma­nage­ment für in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren da­zu. „Fa­mi­ly-Of­fice­Man­da­te ma­chen al­ler­dings erst ab 25 bis 30 Mil­lio­nen Eu­ro Sinn“, kon­sta­tiert Frank W. Stra­at­mann. Die Pio­nier­ar­beit hat sich ge­lohnt, denn Fe­ri ist mit ei­nem ver­wal­te­ten Ver­mö­gen von fast 30 Mil­li­ar­den Eu­ro (!) nach ei­ge­nen An­ga­ben Markt­füh­rer un­ter den Ban­ken-un­ab­hän­gi­gen Fa­mi­ly Of­fices und Ver­mö­gens­ver­wal­tern im Land. „Wir be­treu­en der­zeit rund 220 Fa­mi­li­en so­wie 170 in­sti­tu­tio­nel­le Kun­den.“Trotz die­ser ein­drucks­vol­len Zah­len le­gen die Fe­riEx­per­ten gar nicht so viel Wert auf Grö­ße, im Ge­gen­teil: „Fe­ri ist kein Haus für das Mas­sen­ge­schäft, zu­mal die Be­treu­ung der hoch­ver­mö­gen­den Fa­mi­li­en in­ten­siv ist“, so Stra­at­mann. „So könn­ten wir uns zwar schon vor­stel­len, dass es mal 300 bis 400 Kun­den wer­den, die un­se­re Di­enst­leis­tun­gen nut­zen – aber mit Si­cher­heit nicht 1000!“

Auch hier gel­ten schließ­lich die al­ten Tu­gen­den der per­so­nen­be­zo­ge­nen Be­ra­tung – man kon­zen­triert sich auf we­ni­ge Kun­den und be­treut die­se da­für um­so in­ten­si­ver. „Je­der un­se­rer Be­ra­ter hat da­her ma­xi­mal 20 bis 25 Kun­den.“

Und die er­war­ten nicht nur fun­dier­tes Wis­sen und Kön­nen, son­dern vor al­lem ei­nes: ab­so­lu­te Dis­kre­ti­on. Auch Frank W. Stra­at­mann nennt kei­ne Na­men sei­ner Kun­den, lässt aber kei­nen Zwei­fel dar­an, dass vor al­lem viel „al­tes Geld“über Fe­ri ver­wal­tet wird: „Un­se­re Kun­den­lis­te liest sich wie das Who-is-who der deut­schen In­dus­trie und des Mit­tel­stan­des. Aber es gibt auch den ei­nen oder an­de­ren er­folg­rei­chen In­ter­net-Un­ter­neh­mer, der un­se­re Di­ens­te in An­spruch nimmt.“Ein Wachs­tums­mo­dell für das Mul­ti-Fa­mi­ly-Of­fice sei zu­dem die Er­ben-Ge­ne­ra­ti­on: „Ge­ra­de die Nach­fol­ge-Ge­ne­ra­ti­on schätzt es, dass es je­man­den gibt, der sich pro­fes­sio­nell um al­les küm­mert.“

Mit „al­les“ist da­bei nicht al­lein das Fi­nanz­ver­mö­gen ge­meint, das wä­re in der Fe­riPhi­lo­so­phie zu kurz ge­dacht. „Als Fa­mi­ly Of­fice müs­sen wir den Drei­klang aus Hu­man-, Fi­nanz- und So­zi­al­ver­mö­gen im Über­blick ha­ben.“Bei den fi­nan­zi­el­len Din­gen sind die wohl­ha­ben­den Fa­mi­li­en meist nicht viel an­ders in der Zielsetzung als an­de­re An­le­ger: „Die Mehr­zahl un­se­rer Kun­den hat ein Ziel: rea­ler Ka­pi­tal­er­halt – nach Kos­ten, Steu­ern, nach In­fla­ti­on und even­tu­ell nach Ent­nah­men“, be­tont Stra­at­mann. Die­ses (ge­ra­de in der an­hal­ten- den Nied­rig­zins­pha­se) am­bi­tio­nier­te Ziel setzt Fe­ri mit ei­nem aus­ge­klü­gel­ten Be­ra­tungs- und Con­trol­ling-Sys­tem um. „Da­bei han­delt es sich um ei­ne As­set-Al­lo­ka­ti­on- - Stu­die, wie wir sie in ähn­li­cher Form für in­sti­tu­tio­nel­le Kun­den an­bie­ten“, er­läu­tert der Ex­per­te. „Ziel ist da­bei die Op­ti­mie­rung der lang­fris­ti­gen Struk­tur des Ver­mö­gens. Da­zu ver­glei­chen wir un­ter an­de­rem das Port­fo­lio des Kun­den mit Al­ter­na­ti­vPort­fo­li­en, die et­wa bei glei­chem Ri­si­ko ei­ne hö­he­re Ren­di­te oder bei ge­rin­ge­rem Ri­si­ko die glei­che Ren­di­te er­zie­len.“

Hier setzt Fe­ri nicht nur die Er­kennt­nis­se aus der in­ter­nen Ver­mö­gens­ver­wal­tung ein, son­dern na­tür­lich die brei­te Da­ten­ba­sis aus dem haus­ei­ge­nen Re­se­arch. „Die Qua­li­tät un­se­rer Ana­ly­sen ist ein wei­te­rer Vor­teil. Da­ne­ben ver­fü­gen wir über rund 5000 Pro­fi­le ak­ti­ver As­set Ma­na­ger und füh­ren jähr­lich rund 700 per­sön­li­che Ma­na­ger-In­ter­views“, be­tont Stra­at­mann. „Denn nach wie vor ist Geld­an­la­ge ein Peop­le Bu­si­ness: Die Men­schen ma­chen den Un­ter­schied!“

Fe­ri ent­wi­ckelt zu­dem die An­la­ge­richt­li­ni­en für al­le In­vest­ments bis ins De­tail: Ren­di­te­er­war­tun­gen, Ris­ko­bud­gets, Aus­schluss­kri­te­ri­en, etc. Eben­so wer­den The­men wie Nach­hal­ti­ge In­vest­ments an­ge­schaut. Auch die Aus­wahl der Di­enst­leis­ter, ob an­de­re Un­ab­hän­gi­ge Ver­mö­gens­ver­wal­ter oder Ban­ken, ge­schieht nach ei­nem aus­ge­klü­gel­ten Sys­tem. „Frü­her wur­de in der Bran­che oft nach dem ‚Wind­hund­prin­zip‘ ge­ar­bei­tet: Fünf Mandate wur­den et­wa an Ver­mö­gens­ver­wal­ter ver­ge­ben und je­weils der Schlech­tes­te schied au­to­ma­tisch aus. Das hal­ten wir für ver­al­tet“, so der Vor­stand. „Wir su­chen viel­mehr As­set-Ma­na­ger, die sich in spe­zi­fi­schen Märk­ten aus­ken­nen. Je nach Sinn­haf­tig­keit kom­bi­nie­ren wir das mit pas­si­ven In­stru­men­ten.“Am En­de ei­nes sol­chen „Be­au­ty-Con­test“, wie die­ses Aus­wahl­ver­fah­ren in der Bran­che be­zeich­net wird, steht wie­der ei­ne per­sön­li­che Aus­wahl: Ge­mein­sam mit dem Kun­den fällt dann die Ent­schei­dung für den je­weils bes­ten Fi­nanz­dienst­leis­ter. Und na­tür­lich ge­hört ein durch­dach­tes Con­trol­ling und Re­porting zum An­ge­bot des Fa­mi­ly Of­fice. „Al­ler­dings spie­len wir nicht nur die Rol­le des Con­trol­lers, im Ge­gen­teil: Fe­ri über­nimmt die Ver­ant­wor­tung für die Ge­samt­ver­mö­gens­stra­te­gie.“

Frank W. Stra­at­mann schwört auf die Fe­ri-Phi­lo­so­phie, die sich für Man­dan­ten und Un­ter­neh­men pro­fi­ta­bel ent­wi­ckelt hat. Auch in der Zu­kunft hat man die Vi­si­on, so wie in den ver­gan­ge­nen knapp 30 Jah­ren, ein Vor­den­ker und Vor­rei­ter in der Bran­che zu sein.

„Wir be­treu­en der­zeit rund 220 Fa­mi­li­en so­wie 170 in­sti­tu­tio­nel­le

Kun­den“ Fe­ri ver­fügt über rund 5000 Pro­fi­le

ak­ti­ver As­set Ma­na­ger

FOTO: ALOIS MÜL­LER

Frank W. Stra­at­mann ist Vor­stand des In­vest­ment­hau­ses Fe­ri AG. „Fe­ri hat­te ei­ne Vi­si­on, als es 1987 Deutsch­lands ers­tes Mul­ti-Fa­mi­ly-Of­fice grün­de­te“, sagt er.

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