Di­enst­leis­tun­gen: Spe­zia­li­sier­te Ge­ne­ra­lis­ten

Mul­ti Fa­mi­ly Of­fices, wie je­nes der in­ha­ber­ge­führ­ten Pri­vat­bank Pic­tet, ko­or­di­nie­ren als Ge­ne­ra­list die Ver­mö­gen rei­cher Fa­mi­li­en. Das Un­ter­neh­men pro­fi­tiert zu­gleich dop­pelt vom Trend zur Spe­zia­li­sie­rung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Im Stil­len wach­sen. So könn­te man die Ent­wick­lung ei­ner sehr dis­kre­ten Bran­che be­schrei­ben: Fa­mi­ly Of­fices. Da­bei han­delt es sich um Ver­wal­ter gro­ßer Ver­mö­gen, die sich aus­schließ­lich auf die in­di­vi­du­el­len An­la­ge­wün­sche ih­rer Kli­en­tel kon­zen­trie­ren und da­bei nicht den­sel­ben re­gu­la­to­ri­schen Vor­schrif­ten un­ter­lie­gen wie Pen­si­ons­kas­sen oder Stif­tun­gen.

Die Di­enst­leis­tungs­pa­let­te von Fa­mi­ly Of­fices reicht oft weit über das hin­aus, was klas­si­sche Ver­mö­gens­ver­wal­ter leis­ten. Denn die Kund­schaft ist an­spruchs­voll. Nicht sel­ten – so ver­rät es schon der Na­me der Di­enst­leis­tung – sind es ver­mö­gen­de Fa­mi­li­en­ver­bun­de, die Tei­le ih­res Ver­mö­gens oder zu­wei­len auch die kom- plet­te Ver­wal­tung in die Hän­de ei­nes ex­ter­nen Fa­mi­ly Of­fice le­gen. In­ter­es­sen­kon­flik­te zwi­schen ver­schie­de­nen Fa­mi­li­en­zwei­gen, Erb­fol­ge­re­ge­lun­gen, steu­er­li­che Be­rück­sich­ti­gung von un­ter­schied­li­chen Wohn­or­ten in ver­schie­de­nen Län­dern wol­len be­rück­sich­tigt sein.

Und vor al­lem muss ei­ne ge­mein­sa­me An­la­ge­po­li­tik ge­fun­den wer­den, der al­le Mit- glie­der zu­stim­men kön­nen. Fa­mi­ly Of­fices sind des­halb manch­mal auch po­li­ti­sche In­stan­zen in­ner­halb gro­ßer, ver­mö­gen­der Fa­mi­li­en­clans. „Bank­dienst­leis­tun­gen im wei­tes­ten Sin­ne wie et­wa der Kauf und Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren ma­chen bei der Be­treu­ung von gro­ßen Ver­mö­gen oft nur ei­nen Teil der Ar­beit aus“, sagt Ar­min Ei­che, Lei­ter des We­alth Ma­nage­ments der Pic­te­tG­rup­pe in Deutsch­land.

Der Schwei­zer Ver­mö­gens­ver­wal­ter Pic­tet hat sich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu ei­nem der füh­ren­den un­ab­hän­gi­gen An­bie­ter von Fa­mi­ly Of­fice Di­enst­leis­tun­gen ent­wi­ckelt. Das Un­ter­neh­men be­rät sei­ne Kun­den von der Ent­wick­lung ei­ner stra­te­gi­schen An­la­ge­po­li­tik bis hin zu tak­ti­schen An­la­ge­ent­schei­dun­gen so­wie bei der Aus­wahl der As­set­klas­sen und der ge­eig­ne­ten Ma­na­ger. Re­porting und In­vest­ment-Con­trol­ling ge­hö­ren da­bei für Mul­ti Fa­mi­ly Of­fices zu den Kern­auf­ga­ben: Denn schließ­lich soll­ten im Ide­al­fall die ein­zel­nen An­la­ge-Ent­schei­dun­gen auf­ein­an­der ab­ge­stimmt sein und zu­ein­an­der pas­sen.

„In die­sem Punkt hat sich die Bran­che in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sehr ver­än­dert“, sagt Ar­min Ei­che. „Frü­her war es eher so, dass die Fa­mi­li­en viel­leicht drei oder vier Ban­ken ge­gen­ein­an­der an­tre­ten lie­ßen und ih­nen je­weils ei­nen Teil ih­res Ver­mö­gens zur Ver­wal­tung an­ver­trau­ten“, so Ei­che. De­ren Er­geb­nis­se wur­den re­gel­mä­ßig mit­ein­an­der ver­gli­chen, der Ver­wal­ter mit der schwächs­ten Per­for­mance wur­de aus­ge­tauscht.

Mitt­ler­wei­le ha­be man sich von die­ser Pra­xis wei­test­ge­hend ver­ab­schie­det. „Heu­te su­chen wir als Mul­ti Fa­mi­ly Of­fice für je­de An­la­ge­klas­se die bes­ten Spe­zia­lis­ten her­aus, über­tra­gen ih­nen die Ver­ant­wor­tung nur für je­weils die­sen ei­nen Be­reich und sor­gen als Ko­or­di­na­tor da­für, dass die Vor­ga­ben für die An­la­ge­po­li­tik der Fa­mi­lie ein­ge­hal­ten wer­den“, so Ei­che. Die Er­geb­nis­se die­ser Vor­ge­hens­wei­se sei­en deut­lich bes­ser. Das ha­be sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der be­stä­tigt.

Ein Spe­zi­al­ge­biet, bei dem Pic­tet selbst zu den füh­ren­den Be­ra­tern ge­hört, ist das The­ma Pri­va­te Equi­ty, das im­mer mehr an Be­deu­tung ge­winnt: Laut ei­ner ak­tu­el­len Stu­die des Baye­ri­schen Fi­nanz Zen­trums be­trach­ten mitt­ler­wei­le über die Hälf­te der Fa­mi­ly Of­fices sol­che In­ves­ti­tio­nen in nicht bör­sen­no­tier­te Un­ter­neh­men als sehr wich­tig. Kein Wun­der: Die Be­deu­tung von Zins-An­la­gen nimmt ab. Die Ren­di­ten von Ren­ten­pa­pie­ren mit ho­her Bo­ni­tät be­we­gen sich mitt­ler­wei­le nicht sel­ten im ne­ga­ti­ven Be­reich. Die Ren­di­te­er­war­tun­gen an Pri­va­te Equi­ty-In­ves­ti­tio­nen sind der Stu­die zu­fol­ge mit zehn bis 20 Pro­zent pro Jahr deut­lich sport­li­cher. Pic­tet po­si­tio­niert sich hier als er­fah­re­ner Spe­zia­list und punk­tet mit sei­nem dich­ten Netz­werk und gu­ten Kon­tak­ten in die Pri­va­te Equi­ty-Bran­che.

„Wir sind schon auf­grund un­se­rer lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung und Grö­ße als Part­ner ge­fragt und kön­nen un­se­ren Kun­den Zu­gang ver­schaf­fen zu In­ves­ti­tio­nen in Be­tei­li­gungs­fonds, die ein­zel­nen An­le­gern in der Re­gel ver­schlos­sen blei­ben“, sagt Ei­che.

Pic­tet be­treut al­lei­ne im Seg­ment der Fa­mi­ly Of­fices mehr als 150 Fa­mi­li­en mit ei­nem Ge­samt­ver­mö­gen von rund 57 Mil­li­ar­den Eu­ro. Man hat ei­nen Na­men in der Bran­che. Der Na­me öff­net Tü­ren und Mög­lich­kei­ten für die ver­mö­gen­de Kund­schaft.

Trotz ih­rer ho­hen Ren­di­te­er­war­tun­gen ist die­se zu­min­dest im deutsch­spra­chi­gen Raum üb­ri­gens laut er­staun­lich ri­si­ko­avers: Wenn es um Un­ter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen geht, be­vor­zu­gen die Fa­mi­li­en laut der Stu­die des Baye­ri­schen Fi­nanz Zen­trums als An­la­ge­zie­le be­reits am Markt eta­blier­te Un­ter­neh­men.

Start-Up-Un­ter­neh­men und Turn-Around-Kan­di­da­ten sind we­ni­ger ge­fragt. In den Lofts der Ber­li­ner Grün­der-Sze­ne mit ih­ren oft markt­schreie­ri­schen Wachs­tums-Ver­spre­chen et­wa wird man wohl sel­te­ner das Ka­pi­tal rei­cher Fa­mi­li­en fin­den als in so­li­de ge­führ­ten Mit­tel­stands­fir­men in Düsseldorf, Mann­heim oder auch im Mitt­le­ren Wes­ten der USA. Man will zwar wach­sen. Aber eher im Stil­len.

Ein Spe­zi­al­ge­biet, bei dem Pic­tet selbst zu den füh­ren­den Be­ra­tern ge­hört, ist

Pri­va­te Equi­ty

FOTO: THINKSTOCK/ZHUDIFENG

Ver­mö­gen­de Fa­mi­li­en ha­ben zwar ge­wis­se Ren­di­te­er­war­tun­gen, sind aber eher ri­si­ko­avers. Sie be­vor­zu­gen als An­la­ge­zie­le am Markt eta­blier­te Un­ter­neh­men.

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Ar­min Ei­che, Lei­ter des We­alth Ma­nage­ments der Pic­tet-Grup­pe in Deutsch­land

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