Ein­mal rund um die Welt

Glo­ba­li­sie­rung be­rührt auch pri­va­te Be­rei­che: Men­schen be­we­gen sich zwi­schen ver­schie­de­nen Län­dern und Kul­tu­ren – und da­mit auch zwi­schen ver­schie­de­nen Steu­er- und Rechts­sys­te­men. Für Fa­mi­ly Of­fices ist das ei­ne Her­aus­for­de­rung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Die Fir­ma in Düsseldorf, Be­tei­li­gun­gen und Nie­der­las­sun­gen in den USA, Frank­reich, Ir­land und Chi­na, die Fin­ca auf Mallor­ca und zwei der drei Kin­der im Aus­land ver­hei­ra­tet. Für grö­ße­re Un­ter­neh­mer-Fa­mi­li­en ist das kein un­ge­wöhn­li­ches Set­ting. Glo­ba­li­sie­rung be­deu­tet eben nicht nur, dass Wa­ren, Geld und Di­enst­leis­tun­gen rund um den Glo­bus schwir­ren. Es be­deu­tet zwangs­läu­fig, dass die Men­schen in­ter­na­tio­na­ler agie­ren – auch privat. War das frü­her eher die Aus­nah­me, sind es heu­te im­mer mehr ver­mö­gen­de Fa­mi­li­en, die auch privat in Ver­mö­gens-, Rechts- und Steu­er­fra­gen in­ter­na­tio­nal den­ken müs­sen.

„Für Un­ter­neh­mer­fa­mi­li­en ist die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung ei­ne groß­ar­ti­ge Chan­ce und oft­mals ei­ne Be­rei­che­rung des ei­ge­nen Le­bens“, sagt Lothar Sie­mers, Part­ner bei PwC. „Wenn sich ei­ne Fa­mi­lie privat auf in­ter­na­tio­na­lem Ter­rain be­wegt, hat das al­ler­dings oft auch er­heb­li­che recht­li­che und steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen“, so Sie­mers.

So soll­ten et­wa ver­mö­gen­de El­tern, die ih­ren Nach­kom­men im Aus­land Geld, Im­mo­bi­li­en oder gar Fir­men­an­tei­le ver­ma­chen wol­len, vor­her ab­klä­ren, in wel­cher Form sich bei­spiels­wei­se das Er­brecht des Zi­el­lan­des von deut­schem Recht un­ter­schei­det. „Ge­ra­de zwi­schen den an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern und den meis­ten kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schen Län­dern un­ter­schei­det sich das Zi­vil­recht in sehr we­sent­li­chen Punk­ten“, er­klärt Lothar Sie­mers. So sei es bei­spiels­wei­se aus deut­scher Sicht nicht un­be­dingt sinn­voll, Tei­le des Ver­mö­gens in Groß­bri­tan­ni­en in ei­nen Trust zu in­ves­tie­ren, der wie­der­um Im­mo­bi­li­en in Deutsch­land er­wer­ben soll. „Trusts wer­den in Deutsch­land nicht als ju­ris­ti­sche Person an­er­kannt“, so Sie­mers.

Als wei­te­res Bei­spiel nennt er ei­nen Va­ter, der sei­nem in den USA le­ben­den Sohn ei­nen Gm­bH-An­teil ver­erbt. „Der Er­be muss in solch ei­nem Fall un­ter Um­stän­den ei­ne er­heb­li­che Weg­zug­steu­er zah­len, da der deut­sche Fis­kus ei­nen fik­ti­ven Be­tei­li­gungs­ver­kauf an­nimmt. Recht­zei­ti­ge und grenz­über­schrei­ten­de Steu­er­pla­nung ist hier rat­sam“, er- klärt Sie­mers.

Über­haupt sei­en im Zu­sam­men­hang mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten et­li­che Be­son­der­hei­ten zu be­ach­ten. Denn USBür­ger sind grund­sätz­lich in den USA steu­er­pflich­tig – ganz gleich, wo sie le­ben. Zwar wer­den die Steu­ern, die im Aus­land ge­zahlt wer­den, an­ge­rech­net, um ei­ne Dop­pel­be­steue­rung zu ver­mei­den. Doch der ad­mi­nis­tra­ti­ve Auf­wand be­steht für je­den Ein­zel­nen trotz­dem. Ein Le­ben lang. „Wenn Kin­der deut­scher El­tern in den USA ge­bo­ren wer­den, er­hal­ten sie die US- Staats­bür­ger­schaft. So­lan­ge sie die­se – so­fern sie noch kön­nen – nicht auf­ge­ben, sind sie fort­an auch im­mer in den USA steu­er­pflich­tig, selbst wenn sie zu­sam­men mit ih­ren El­tern nach Deutsch­land zu­rück­keh­ren und viel­leicht nie mehr in den USA le­ben“, klärt Sie­mers auf.

Als Be­ra­ter im Rah­men ei­nes Fa­mi­ly Of­fice-Man­dats sei es des­halb die Auf­ga­be der Rechts- und Steu­er­be­ra­ter, ih­re Man­dan­ten auf die Kom­ple­xi­tät grenz­über­schrei­ten­der Sach­ver­hal­te auf­merk­sam zu ma­chen und an­ge­mes­se­ne Lö­sun­gen zu er­ar­bei­ten. Ein Vor­teil in­ter­na­tio­nal agie­ren­der Be­ra­ter wie PwC ist da­bei das den Glo­bus um­span­nen­de Netz an spe­zia­li­sier­ten Part­nern. Welt­weit ar­bei­ten al­lein bei der Rechts­an­walts­ge­sell­schaft PwC Le­gal 2500 An­wäl­te in 85 Län­dern. In der Steu­er­be­ra­tung der PwC Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft sind es noch ein­mal deut­lich mehr.

„In un­se­rem glo­ba­len Pri­va­te We­alth Netz­werk ken­nen wir uns sehr oft nicht nur vom Te­le­fo­nie­ren, son­dern auf­grund re­gel­mä­ßi­ger Tref­fen und ar­bei­ten ent­spre­chend eng zu­sam­men“, er­zählt Lothar Sie­mers. Sol­che in­ter­na­tio­na­le Ver­net­zung wird für Fa­mi­ly Of­fices im­mer wich­ti­ger. „Wenn Sie nicht je­weils Spe­zia­lis­ten in den be­tref­fen­den Län­dern be­fra­gen kön­nen, wird es schnell schwie­rig“, sagt Sie­mers. Zum ei­nen sei­en oft Erb­schafts­fra­gen und Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se an­ders zu be­han­deln als in Deutsch­land. Zum an­de­ren le­gen ver­mö­gen­de Fa­mi­li­en sehr viel Wert dar­auf, dass ih­re Mit­glie­der ih­ren steu­er­li­chen Ver- pflich­tun­gen welt­weit nach­kom­men. „Es ist kein Ge­heim­nis, dass die Steu­er­be­hör­den ins­be­son­de­re der In­dus­trie­staa­ten in­ter­na­tio­nal im­mer bes­ser zu­sam­men­ar­bei­ten. Ge­ra­de ver­mö­gen­de Fa­mi­li­en dür­fen hier kei­ne Ri­si­ken ein­ge­hen. Die wich­ti­gen Fra­gen müs­sen er­kannt, ge­löst und nach­voll­zieh­bar do­ku­men­tiert sein“, so Sie­mers.

Selbst in­ner­halb Eu­ro­pas ist das schon ei­ne Her­aus­for­de­rung. Denn so ei­nig sich die Eu­ro­pä­er dar­in sind, dass Steu­ern zu zah­len sind, so un­ei­nig sind sie sich, wenn es dar­um geht, eu­ro­pa­wei­te Stan­dards zu schaf­fen. So ist das seit 1993 an­ge­streb­te ein­heit­lich gel­ten­de eu­ro­päi­sche Um­satz­steu­er­recht im­mer noch nicht um­ge­setzt. Seit nun­mehr fast 23 Jah­ren gilt im­mer noch ei­ne Über­gangs­re­ge­lung. Viel­leicht schafft es ja die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on. Wer ge­ne­ra­tio­nen­über­grei­fend agiert, plant sol­che Un­wäg­bar­kei­ten ein.

„Für Un­ter­neh­mer

fa­mi­li­en ist die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung ei­ne groß­ar­ti­ge

Chan­ce“

US-Bür­ger sind grund­sätz­lich in den USA steu­er­pflich­tig – ganz gleich, wo sie

le­ben

FOTO: PWC

Lothar Sie­mers, Part­ner bei PwC in Deutsch­land

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