Fa­mi­ly Of­fice – ein wich­ti­ger, aber rät­sel­haf­ter Be­griff

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON THO­MAS DRUY­EN

In der brei­ten Öf­fent­lich­keit, aber auch un­ter Ver­mö­gen­den selbst, ist das Fa­mi­ly Of­fice ein Wort mit sie­ben Sie­geln. Ge­mein­hin wird es als ein macht­vol­les Pri­vat­ver­gnü­gen der Su­per­rei­chen ver­stan­den. Die­se Deu­tung greift bei wei­tem zu kurz und führt zu ir­re­füh­ren­den In­ter­pre­ta­tio­nen. So­lan­ge es Reich­tum gibt, al­so seit Jahr­tau­sen­den, wa­ren die ma­te­ri­ell ex­trem Be­gü­ter­ten von Rat­ge­bern, Ärz­ten und an­de­ren Ex­per­ten um­zin­gelt. Vie­le Jahr­hun­der­te hin­durch ka­men noch geist­li­che Wür­den­trä­ger hin­zu. Auch der klas­si­sche al­te Ban­kier als Freund und Be­ra­ter der gan­zen Fa­mi­lie ge­hör­te in die­sen kon­zen­tri­schen Kreis der be­zahl­ten Ver­trau­ten.

Heut­zu­ta­ge spre­chen wir eher von Sing­le und Mul­ti Fa­mi­ly Of­fices. Ers­te­res ist mit ei­nem un­ter­neh­me­ri­schen Pri­vat­se­kre­ta­ri­at ver­gleich­bar und das zwei­te hat schon die Struk­tur ei­ner Pri­vat­bank, da es sich zwin­gend um kom­ple­xe Ver­mö­gens­ver­net­zun­gen han­delt. Vor dem Hin­ter­grund kom­pli­zier­ter Fi­nanz­pro­duk­te und kom­ple­xer Fi­nanz­märk­te ist die Not­wen­dig­keit bei gro­ßen Ver­mö­gen Ord­nung und Lo­gik in die Un­über­sicht­lich­keit zu brin­gen, voll­kom­men nach­voll­zieh­bar und un­ver­zicht­bar.

Die Tat­sa­che, dass sich leis­tungs­star­ke Prot­ago­nis­ten, die un­ter­neh­me­risch er­folg­reich sind und viel Geld ver­die­nen, oh­ne Ex­per­ti­se und Rat in den Wir­ren der Fi­nanz­bran­chen kaum zu­recht­fin­den, zeigt, dass wir in ei­ner Be­nut­zer­welt an­ge­kom­men sind. Wir kön- nen die Din­ge bes­ten­falls be­die­nen, aber ver­ste­hen, tun wir sie nicht. Bald wird je­der Bür­ger ei­nen Be­ra­ter brau­chen, um al­lein in welt­li­chen Din­gen ei­ne Ori­en­tie­rung zu er­hal­ten.

Vor die­sem Hin­ter­grund er­hal­ten die­se my­thi­schen Fa­mi­ly Of­fices noch ei­ne ganz an­de­re Be­deu­tung. Als eng ver­netz­te Di­enst­lei­ter ha­ben sie Ein­fluss auf Ver­mö­gen­de, die für ei­nen Groß­teil von Ar­beits­plät­zen ver­ant­wort­lich sind. Die sich zu­dem wirt­schaft­lich, ge­sell­schaft­lich, po­li­tisch und kul­tu­rell in prä­gen­der Wei­se ein­brin­gen. Es geht al­so kei­nes­wegs nur um Reich­tum und des­sen Ver­meh­rung, son­dern um ei­ne Ver­mö­gens­kom­pe-

„Heut­zu­ta­ge spre­chen wir von Sing­le und Mul­ti Fa­mi­ly Of­fices“

tenz und den Wil­len, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, Mut zu be­wei­sen und kon­struk­ti­ve Zei­chen im Sin­ne der Ge­sell­schaft zu set­zen. Aus die­ser Sicht der Din­ge keh­ren die ver­meint­li­chen ab­ge­ho­be­nen Pri­vi­le­gi­en auf den Bo­den der Tat­sa­chen zu­rück und wer­den ein wich­ti­ger Be­stand­teil un­se­rer al­ler Wirk­lich­keit. Der Ver­mö­gen­s­psy­cho­lo­ge Pro­fes­sor Dr. Tho­mas Druy­en ist Di­rek­tor des In­sti­tuts für Ver­glei­chen­de Ver­mö­gens­kul­tur und Ver­mö­gen­s­psy­cho­lo­gie an der Sigmund Freud Privat-Uni­ver­si­tät Wi­en Pa­ris und Grün­der des In­sti­tuts für Zu­kunfts­psy­cho­lo­gie und Zu­kunfts­ma­nage­ment.

Pro­fes­sor Dr. Tho­mas Druy­en ist Ver­mö­gens- und Zu­kunfts­psy­cho­lo­ge

Jörg Ei­gels­hoven, Warth & Klein

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