Die per­sön­li­che Be­zie­hung steht im Fo­kus

Di­gi­ta­le Lö­sun­gen hel­fen bei der Auf­be­rei­tung von Da­ten und Stra­te­gi­en. Aber sie er­set­zen nicht die Nä­he des Be­ra­ters zu sei­nen Man­dan­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG - VON PATRICK PE­TERS

Das Ver­hält­nis von Fa­mi­ly Of­fices zu ih­ren Man­dan­ten zeich­net sich vor al­lem durch zwei Merk­ma­le aus: Ver­trau­en und per­sön­li­che Nä­he. Dar­in sind sich die Teil­neh­mer des 1. RP-Fi­nanz­fo­rums „Fa­mi­ly Of­fices“ei­nig. Und sind des­halb auch über­zeugt da­von, dass bei­spiels­wei­se die Ten­den­zen zur Di­gi­ta­li­sie­rung in der Fi­nanz­in­dus­trie kei­ne all­zu gro­ßen Aus­wir­kun­gen auf ih­re Bran­che ha­ben wer­den.

„Ver­trau­en kann man nicht di­gi­ta­li­sie­ren“, ist sich Dr. Tho­mas Rü­schen si­cher (Deut­sche Op­pen­heim Fa­mi­ly Of­fices). Rolf Girsch von Oak­let weist dar­auf hin, dass je­der Trend auch ei­nen Ge­gen­trend ha­be – das gel­te für ihn auch bei der Di­gi­ta­li­sie­rung, so­dass er die per­sön­li­che Be­zie­hung im Fo­kus se­he. Da­bei wird er von Pro­fes­sor Tho­mas Druy­en (Sigmund Freund Pri­vat­uni­ver­si­tät Wi­en Pa­ris) se­kun­diert: „Ver­trau­en er­scheint mir in vie­len Zu­sam­men­hän­gen als das wich­tigs­te Ele­ment. Die Men­schen glau­ben nicht mehr an Charts, son­dern set­zen auf die Emo­ti­on.“Ähn­lich ar­gu­men­tiert auch Dr. Clau­dia Klüm­pen-Neu­sel von Pri­ce­wa­ter­hou­seCo­o­pers. Für sie gilt: „Di­gi­ta­le Lö­sun­gen hel­fen bei der Auf­be­rei­tung von Da­ten und Stra­te­gi­en. Die Ent­schei­dung trifft aber wei­ter­hin der Mensch.“

Jörg Ei­gels­hoven (Warth & Klein Grant Thorn­ton) be­tont, dass Ver­mö­gen­de oft­mals ei­ne an­de­re Ein­stel­lung zur Pri­vat­sphä­re hät­ten als üb­ri­ge Tei­le der Be­völ­ke­rung. „Ihr Schutz­be­dürf­nis ist viel hö­her, wes­halb die ty­pi­schen di­gi­ta­len An­ge­bo­te für sie nicht un­be­dingt at­trak­tiv sind.“Zum The- ma Schutz äu­ßert sich auch Frank W. Stra­at­mann vom In­vest­ment­haus Fe­ri. Er sieht die Auf­ga­be von Fa­mi­ly Of­fices in der Schaf­fung ei­nes Ver­mö­gens­schutz­kon­zep­tes für das ge­sam­te Fi­nanz-, So­zi­al- und Hu­man­ver­mö­gen ei­ner Fa­mi­lie. „Ver­mö­gen ist mehr als Geld. Des­halb müs­sen wir in die­sen drei Ver­mö­gens­sphä­ren zahl­rei­che The­men ab­de­cken – und sei es, die El­tern dar­über zu in­for­mie­ren, was die Kin­der in den So­zia­len Me­di­en tun.“

Tho­mas Druy­en be­zeich­net die „Di­gi­ta­li­tät als ei­ne neue Art des Den­kens“– was Tobias Graf Bern­storff, Lei­ter der Ge-

schäfts­stel­le Köln/Düsseldorf des Bank­hau­ses Metz­ler, da­zu mo­ti­viert, aus die­ser „über­wäl­ti­gen­den Wis­sens­flut“ab­zu­lei­ten, dass der „Mensch ei­nen Na­vi­ga­tor und Kon­trol­leur be­nö­tigt, der ihn durch die­se Zei­ten führt“. Dr. Maximilian A. Werk­mül­ler von Lohr + Com- pa­ny be­tont da­bei vor al­lem die Rol­le der Bran­che: „Fa­mi­ly Of­fices sor­gen für Ent­schleu­ni­gung in der Fach­be­ra­tung und da­für, dass kei­ne ‚Ver­roh­stoffung‘ statt­fin­det.“

Für die Zu­kunft se­hen sich die Häu­ser gut auf­ge­stellt. Zwar wer­de es für ech­te Un­ab­hän­gig­keit ei­ner Min­dest­grö­ße bei den Fa­mi­ly Of­fice-An­bie­tern be­dür­fen, sagt Frank W. Stra­at­mann. Aber er geht eben­so da­von aus, dass die

Fa­mi­li­en brau­chen ih­re Spe­zia­lis­ten für die ein­zel­nen

Be­rei­che

„Ver­trau­en er­scheint mir in vie­len Zu­sam­men­hän­gen als das wich

tigs­te Ele­ment“ Im Zu­ge der In­ter­na­tio­na­li­sie­rung steigt

die Kom­ple­xi­tät in der Ver­mö­gens

ver­wal­tung

Spe­zia­lis­ten im Markt pro­fi­tie­ren wer­den. Dies ent­spricht der Auf­fas­sung von Ar­min Ei­che, Lei­ter des Pri­va­te We­alth Ma­nage­ments von Pic­tet in Deutsch­land. „Die Her­aus­for­de­run­gen für Fa­mi­li­en sind zu groß. Sie brau­chen ih­re Spe­zia­lis­ten für die ein­zel­nen Be­rei­che, aber mit­un­ter auch je­man­den, der ih­nen da­bei hilft, den Ge­samt­über­blick zu be­wah­ren.“

Apro­pos Min­dest­grö­ße: Für Pro­fes­sor Dr. Jörg-Andre­as Lohr (Lohr + Com­pa­ny) ist der Start­schuss für Un­ter­neh­men mit in­dus­tri­el­len Struk­tu­ren ge­fal­len. „Bis­lang ist der Markt sehr seg­men­tiert, aber die Be­ra­tungs­leis­tun­gen und An­sprü­che der Man­dan­ten wer­den kom­ple­xer. Das kön­nen die Klei­nen nicht ab­de­cken.“Vor al­lem auch vor dem Hin­ter­grund ei­ner zu­neh­men­den In­ter­na­tio­na­li­sie­rung der Fa­mi­li­en­mit­glie­der der Nach­fol­ge­ge­ne­ra­tio­nen gro­ßer ver­mö­gen­der Un­ter­neh­mer­fa­mi­li­en steigt die Kom­ple­xi­tät, de­ren Ver­mö­gen pro­fes­sio­nell zu ver­wal­ten, be­tont Pe­ter Brock (Ernst & Young).

FOTO: ALOIS MÜL­LER

Ver­trau­en kann man nicht di­gi­ta­li­sie­ren: So be­wer­ten die Ex­per­ten aus Fa­mi­ly Of­fices, Ban­ken und Kanzleien die De­bat­te um die Di­gi­ta­li­sie­rung, die die ge­sam­te Be­ra­tungs- und Fi­nanz­in­dus­trie er­grif­fen hat. Sie se­hen dar­in kei­ne Ge­fahr.

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