Weih­nach­ten heißt Be­geg­nung

Vie­le sind an Weih­nach­ten un­ter­wegs, um Gott Mensch wer­den zu las­sen. Ei­ne Bit­te an al­le: Ver­ges­sen Sie nie­man­den! Fas­sen Sie sich ein Herz, ru­fen Sie an oder schrei­ben Sie Ih­rem Nächs­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - Der Köl­ner Erz­bi­schof Rai­ner Ma­ria Kar­di­nal Wo­el­ki schreibt hier an je­dem drit­ten Sams­tag im Mo­nat. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rheinische-post.de

Wo­hin ge­he ich Weih­nach­ten? Mit wem kom­me ich zu­sam­men? Die­se Fra­gen stel­len sich vie­le Men­schen. Es sind die Gr­und­fra­gen, die auch Ma­ria und Jo­sef in die­ser Nacht be­reits hat­ten: Wo nimmt man uns auf? Wo fin­den wir ein Herz, das sich an­rüh­ren lässt und Her­ber­ge gibt?

Aus der Seel­sor­ge weiß ich: Vie­le Men­schen ha­ben Angst vor dem Hei­li­gen Abend, vor dem Ge­fühl, al­lein zu sein. Da ist der Part­ner ver­stor­ben, die Be­zie­hung zer­bro­chen, die Be­kann­ten fei­ern mit ih­ren Fa­mi­li­en, die Kin­der woh­nen weit weg. Wie­der an­de­re lähmt ei­ne De­pres­si­on, und es fehlt die Mo­ti­va­ti­on, Kon­takt zu an­de­ren zu knüp­fen und zu pfle­gen. Es gibt vie­le Grün­de, war­um ei­nem Men­schen an die­sem Abend nicht fei­er­lich zu­mu­te ist.

Mich treibt das um. Des­halb möch­te ich gern in Er­in­ne­rung ru- fen: Weih­nach­ten heißt Be­geg­nung. Denn Gott kommt in die Welt – und er kommt als Mensch zu den Men­schen. Seit der Hei­li­gen Nacht sei­ner Ge­burt will er bei je­dem an­kom­men: beim Nach­barn, beim Kran­ken, beim Ob­dach­lo­sen und beim Flücht­ling, al­so bei je­dem, der an die­sem Abend nicht al­lei­ne sein will.

Vie­le sind an Weih­nach­ten un­ter­wegs, um Gott Mensch wer­den zu las­sen, durch ei­nen Be­such, ei­nen Blick, ei­ne Ges­te, ein Ge­schenk, ei­nen An­ruf, ei­ne Whatsapp, ei­ne SMS oder ei­ne E-Mail. Mei­ne Bit­te für die­sen Abend: Ver­ges­sen Sie nie­man­den! Fas­sen Sie sich ein Herz, ge­hen Sie über die Stra­ße, ru­fen Sie an oder schrei­ben Sie Ih­rem Nächs­ten.

An Weih­nach­ten brau­chen wir ein­an­der. Auch ich bin froh, Weih­nach­ten nicht al­lei­ne blei­ben zu müs­sen. An Hei­lig­abend bin ich in ei­ne Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ein­ge­la- den und wer­de mit den dort In­haf­tier­ten die Mes­se fei­ern.

Die Fei­er der Christ­met­te – egal ob im Ge­fäng­nis oder in ei­ner Kir­che ir­gend­wo auf der Welt – ist ein be­son­de­rer Ort der Be­geg­nung. Ganz si­cher spü­ren In­haf­tier­te in al­ler Welt an die­sem Abend, wie hart es ist, al­lein zu sein. Doch ganz gleich, wie schwer ei­ne Tat war und was je­man­den ins Ge­fäng­nis ge­bracht hat: An Weih­nach­ten reicht Gott je­dem die Hand und sagt: Ich bin Mensch wie du, der Frie­de sei mit dir.

Ich wün­sche Ih­nen al­len die­sen Frie­den und die Freu­de der Weih­nacht in der Be­geg­nung mit Gott und den Men­schen.

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