Spa­ni­en könn­te wie­der zum Pro­blem­fall wer­den

Un­ter der Re­gie­rung der Kon­ser­va­ti­ven hat sich Spa­ni­en aus der Kri­se her­aus­ge­ar­bei­tet. Doch das Mo­dell ist ge­fähr­det. Es droht ein Rück­fall in die un­se­li­ge Ver­gan­gen­heit.

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Um ein Haar hät­te Spa­ni­en dem Eu­ro den Gar­aus be­rei­tet. Die ibe­ri­schen Ban­ken stan­den vor der Plei­te, das Land selbst war nach Jah­ren so­zia­lis­ti­scher Miss­wirt­schaft hoch ver­schul­det. Die Eu­ro­staa­ten be­wahr­ten mit ih­rer Ga­ran­tie das Land vor dem Zu­sam­men­bruch. Mit ei­ner Mi­schung aus Struk­tur­re­for­men und so­li­den Staats­fi­nan­zen führte der kon­ser­va­ti­ve Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­ria­no Ra­joy sein Land aus der Kri­se. Pünkt­lich zum mor­gi­gen Wahl­ter­min glänzt der Mer­kel-Ver­trau­te mit ei­nem Wachs­tum von rund drei Pro­zent, ei­nem der höchs­ten Zu­wäch­se im Eu­ro-Raum, und ei­ner Mil­li­on zu­sätz­li­cher Ar­beits­plät­ze in nur zwei Jah­ren. Ra­joy ist der Schröder Spa­ni­ens.

Das Land hat gu­te Chan­cen, die Kri­se zu über­win­den, und mit Vor­zei­ge­fir­men wie dem Mo­de­kon­zern Za­ra, dem Au­to­zu­lie­fe­rer Gestamp, dem Te­le­fon­an­bie­ter Te­le­fó­ni­ca oder dem Bau­rie­sen ACS er­folg­reich im in­ter­na­tio­na­len Wettbewerb zu be­ste­hen. Spa­ni­en könn­te mit ei­ner ag­gres­si­ven Er­neue­rungs­po­li­tik so­gar den al­ten Ri­va­len Ita­li­en über­run­den und das wirt­schaft­lich er­folg­reichs­te Land des ge­beu­tel­ten Sü­den Eu­ro­pas wer­den.

Doch am Sonn­tag könn­te Ra­joy al­les ver­spie­len. Die Spa­nier ha­ben in ih­rer über­wie­gen­den Mehr­zahl nicht das Ge­fühl, am Wachs­tum teil­zu­ha­ben. Des­halb ist die lin­ke Pro­test­be­we­gung Po­de­mos („Wir schaf­fen es“) so stark ge­wor­den. Ra­joy hat sein Vor­bild Lud­wig Er­hard nicht ganz ver­in­ner­licht. Der for­der­te „Wohl­stand für al­le“. Die­ses Ziel hat der Spa­nier bis­lang ver­fehlt.

Ma­kro­öko­no­misch hat Ra­joy vie­les rich­tig ge­macht. Doch auf der Mi­kro-Ebe­ne steht noch fast al­les aus: ei­ne gu­te Be­rufs­aus­bil­dung, ei­ne Bil­dungs- und Hoch­schul­re­form, ei­ne durch­dach­te Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie, gu­te Rah­men­be­din­gun­gen für klei­ne Un­ter­neh­men und ei­ne ef­fek­ti­ve Be­steue­rung ho­her Ein­kom­men. Ei­ne lin­ke Ko­ali­ti­on aus So­zia­lis­ten und Po­de­mos dürf­te al­le Er­fol­ge ver­spie­len. Dar­an ist dann auch Ra­joy schuld.

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