Der Är­ger mit der An­er­ken­nung

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE - VON LA­RIS­SA LEE BECK

BO­LO­GNA (dpa) Ita­li­en soll­te es sein, da war Do­mi­nik Heuß si­cher. Der Lehr­amts­stu­dent mit den Fä­chern Sport und Eng­lisch stu­diert an der Uni­ver­si­tät Würz­burg. Ein Jahr in Bo­lo­gna klang für ihn ver­lo­ckend. Sprach­kennt­nis­se ver­bes­sern, kul­tu­rel­ler Aus­tausch, in­ter­na­tio­na­le Er­fah­rung: Eu­pho­risch be­gann der 25-Jäh­ri­ge die Vor­be­rei­tung sei­nes Aus­lands­auf­ent­hal­tes rund ein Jahr im Vor­aus. Schon bald sah er sich ei­nem gro­ßem Pa­pier­sta­pel ge­gen­über. Wer in ei­nem an­de­ren Land stu­diert, sei­ne Stu­di­en­leis­tun­gen aber zu Hau­se an­rech­nen las­sen will, muss ei­ni­ges be­ach­ten.

Um kei­ne Pro­ble­me zu be­kom­men, ist es wich­tig, be­reits bei der Pla­nung des Aus­lands­auf­ent­halts Kon­takt mit den Stel­len auf­zu­neh­men, die spä­ter die An­er­ken­nung re­geln, rät Bas­ti­an von Jar­ze­bow­ski vom Deut­schen Aka­de­mi­schen Aus­tausch­dienst (DAAD). Oft sind das Eras­mus-Bü­ros oder In­ter­na­tio­nal Of­fices. Sie kön­nen zu Be­ginn er­klä­ren, wel­che Stu­di­en­leis­tun­gen an­er­kannt wer­den und in wel­cher Form sie nach­zu­wei­sen sind.

Für die An­er­ken­nung ist es zu­dem hilf­reich, wenn der Stu­di­en­gang im Aus­land dem zu Hau­se ähn­lich ist. Gut ist auch, mit ehe­ma­li­gen Eras­mus- und Aus­tausch­stu­den­ten zu spre­chen, um die pas­sen­de Uni­ver­si­tät und Stadt zu fin­den, sagt Clau­dia Werntha­ler, Eras­mus-Ko­or­di­na­to­rin an der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­an­sU­ni­ver­si­tät München. Nach­dem man sich für ei­ne Gast­hoch­schu­le ent­schie­den hat, kommt der kom­pli­zier­te Teil: Wel­che Kur­se be­le­ge ich? Ei­ni­ge In­sti­tu­tio­nen ver­fü­gen über ei­ne Da­ten­bank, in der die bis­her an der Hoch­schu­le er­folg­ten An­er­ken­nun­gen von Stu­di­en­leis­tun­gen ab­ge­fragt wer­den kön­nen, so von Jar­ze­bow­ski.

Dann la­den Stu­den­ten sich auf der In­ter­net­sei­te der Gast­uni­ver­si­tät die Kurs­be­schrei­bun­gen her­un­ter und ver­glei­chen sie mit den Lehr­ver­an­stal­tun­gen des Hei­mat­stu­di­en­gangs. Es lohnt sich, ei­nen Blick auf die Cre­dit­points zu wer­fen. Denn für man­che Uni­ver­si­tä­ten ist es wich­tig, dass die Kur­se an der Gast­hoch­schu­le kei­ne ge­rin­ge­re An­zahl Punk­te ha­ben.

Do­mi­nik Heuß hat sich et­wa fünf Mo­na­te vor Be­ginn sei­nes Auf­ent­halts über­legt, wel­che Se­mi­na­re er be­le­gen möch­te, hat sich die Cur­ri­cu­la be­sorgt und mit den zu­stän­di­gen Do­zen­ten ge­spro­chen. Dann hat er mit sei­ner Hei­ma­tuni und der Gast­hoch­schu­le nach der Kurs­wahl ein Le­arning Agree­ment un­ter­zeich­net. Es wur­de fest­ge­hal­ten, wel­che Kur­se er be­legt, wel­che Sprach­kennt­nis­se er be­sitzt und wel­che Per­so­nen an den Hoch­schu­len für ihn zu­stän­dig sind. Nicht sel­ten gibt es Schwie­rig­kei­ten bei der An­rech­nung. Heuß kennt das. Bei ei­nem der Kur­se, die er ge­ra­de be­legt, ist er nicht si­cher, ob er an­er­kannt wird. Denn in Heuß’ Stu­di­en­gang an der Uni Würz­burg kommt der Kurs im Lehr­plan nicht vor. Erst wenn er den Kurs be­en­det hat, wird ent­schie­den. „Sam­melt al­le Do­ku­men­te. Da­zu ge­hö­ren auch No­ti­zen aus dem Un­ter­richt“, rät Heuß.

Stu­den­ten sind bei der An­rech­nung ih­rer Cre­dits in der In­for­ma­ti­ons­pflicht ge­gen­über der Hei­ma­t­uni­ver­si­tät. Das heißt, sie müs­sen nach­wei­sen kön­nen, was sie ge­lernt und in den Lehr­ver­an­stal­tun­gen ge­macht ha­ben. Wich­tig ist des­halb, Im­ma­tri­ku­la­ti­ons­be­schei­ni­gung, Leis­tungs­nach­wei­se, Le­arning Agree­ment, Mo­dul­be­schrei­bun­gen und No­ten­spie­gel sorg­fäl­tig auf­zu­be­wah­ren. Bei Fra­gen nimmt man mög­lichst rasch mit der Hei­mat-Uni Kon­takt auf.

Hilft das al­les nichts, kön­nen sich Stu­den­ten auf die Lis­s­a­bon-Kon­ven­ti­on be­ru­fen. Sie be­sagt, dass die Hoch­schu­le im Fal­le ei­ner Nicht­an­er­ken­nung ei­nen we­sent­li­chen Un­ter­schied zur ge­for­der­ten Leis­tung im Hei­mat­stu­di­en­gang nach­wei­sen muss. Au­ßer­dem kön­nen Stu­den­ten auf die Eras­mus Char­ta für Hoch­schul­bil­dung ver­wei­sen. Denn mit der Teil­nah­me am Eras­mus-PlusPro­gramm ver­pflich­ten sich die Hoch­schu­len, die ge­sam­mel­ten Cre­dit­points im Rah­men des Mo­bi­li­täts­pro­gramms voll­stän­dig an­zu­er­ken­nen.

FOTO: DPA

Do­mi­nik Heuß macht ein Eras­mus-Se­mes­ter in Bo­lo­gna.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.