Be­we­gung bei den Bau­ge­sell­schaf­ten

Be­ra­ter un­ter­su­chen ge­ra­de, wel­che Aus­wir­kun­gen es hat, dass gleich drei Stadt-Töch­ter Grund­stü­cke und Häu­ser bau­en und ver­kau­fen. Ei­nes ist klar: Die Stadt kann deut­lich ef­fek­ti­ver wer­den – zum Bei­spiel durch ei­ne Fu­si­on.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON RALF JÜN­GER­MANN

Es gab Zei­ten, da ha­ben Städ­te wie Dresden und Kiel ih­re Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten ver­kauft, weil der schnel­le Eu­ro deut­lich lu­kra­ti­ver schien, als ein Play­er auf dem Woh­nungs­markt zu sein. Dresden kauft ge­ra­de für teu­res Geld die Ge­sell­schaft zu­rück – weil es für Groß­städ­te wich­ti­ger denn je ist, Stadt­ent­wick­lung auch über den Woh­nungs­markt be­trei­ben zu kön­nen. Das gilt für ei­ne Stadt wie Mön­chen­glad­bach be­son­ders: Wer für sich re­kla­miert, wach­sen zu wol­len, soll­te auch ein An­ge­bot von Woh­nun­gen und Grund­stü­cken im Port­fo­lio ha­ben. An­dern­falls ist er gänz­lich auf den frei­en Markt an­ge­wie­sen.

Nun hat Mön­chen­glad­bach ein an­de­res Pro­blem als Dresden. Die Stadt muss nicht ei­ne ei­ge­ne Toch­ter fin­den, die das Woh­nungs­bau­ge­schäft be­treibt. Sie hat im Ge­gen­teil gleich meh­re­re, die al­ler­dings bis­her oh­ne ge­mein­sa­men Plan auf dem Markt agie­ren. Mit der Ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nungs- und Sied­lungs­ge­sell­schaft (GWSG), der rund 2800 Woh­nun­gen ge­hö­ren, und der Kreis­bau, die 2100 Woh­nun­gen im An­ge­bot hat, gibt es zwei Stadt-Töch­ter mit fast iden­ti­schem Pro­fil. Da­zu kommt mit der Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft EWMG ei­ne drit­te, die nicht nur Stadt­ent­wick­lung be­treibt, son­dern auch klas­si­scher Mak­ler ist: für Ge­wer­be­trei­ben­de wie für Pri­vat­leu­te. Sie ent­wi­ckel­te gan­ze Bau­ge­bie­te wie den Bö­kel­berg und zu­letzt die Dah­le­ner Hei­de.

Von der Ge­mein­de­prü­fungs­an­stalt (GPA) be­auf­trag­te Gut­ach­ter un­ter­su­chen ge­ra­de die Ab­läu­fe und Struk­tu­ren bei den drei Un­ter­neh­men, und zwar mit dem Auf­trag des Ra­tes, nach Sy­ner­gi­en zu su­chen. Im ers­ten Quar­tal wer­den die Er­geb­nis­se prä­sen­tiert. Ei­nes scheint klar: Dass al­les ge­nau­so bleibt, wie es ist, ist na­he­zu aus­ge­schlos­sen. Ein Zu­sam­men­wach­sen von GWSG und Kreis­bau ist be­son- ders na­he­lie­gend. Schon jetzt ha­ben bei­de mit Hans-Jür­gen Mei­sen den­sel­ben Ge­schäfts­füh­rer. Al­ler­dings ist die GWSG ei­ne Gm­bH und die Kreis­bau ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft, was ei­ne klas­si­sche Fu­si­on steu­er­recht­lich kom­pli­ziert macht. Denk­bar ist aber auch ei­ne ge­mein­sa­me Hol­ding für al­le drei Un­ter­neh­men. Klar ist, dass es un­ab­hän­gig von der ge­sell­schafts­recht­li­chen Form ei­ne ge­mein­sa­me Stra­te­gie und kla­rer ab­ge­grenz­te Auf­ga­ben­be­rei­che ge­ben müss­te.

Ob sich das dann auch in ge­mein­sa­men Im­mo­bi­li­en aus­drückt, ist nach Über­zeu­gung von CDU und SPD zweit­ran­gig. Das ge­mein­sa­me Dach für die Stadt-Töch­ter zum Bei­spiel im Kreis­wehr­er­satz­amt, das SPD-Bau-Ex­per­te Horst-Pe­ter Ven­nen kürz­lich öf­fent­lich ins Spiel ge­bracht hat, sieht die­ser aus­drück­lich nur für EWMG, WFMG und mög­li- cher­wei­se MGMG, nicht aber für die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten. An­de­re in CDU und SPD sind in der Fra­ge nicht so fest­ge­legt. Die ver­schie­dens­ten Mo­del­le des ge­mein­sa­men Agie­rens auf dem Markt – auch im Zu­sam­men­spiel mit frei­en Trä­gern – wer­den an­ge­dacht. Nun hof­fen die Po­li­ti­ker, dass ih­nen das Gut­ach­ten An­fang des Jah­res hilf­rei­che In­di­zi­en für die Neu­po­si­tio­nie­rung der städ­ti­schen Töch­ter gibt.

RP-FOTO (ARCHIV): DETLEF ILGNER

Die GWSG erlebt we­gen der Be­ste­chungs­vor­wür­fe ge­gen ih­ren in­zwi­schen frei ge­stell­ten Ge­schäfts­füh­rer ge­ra­de un­ru­hi­ge Zei­ten.

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