Al­te Venner Krip­pe ist wie­der wie neu

Als Hel­mut Grosch in der Kir­che zu­fäl­lig ei­ne al­te Krip­pe fand, wuss­te er so­fort, dass er es mit ei­nem Schatz zu tun hat­te.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON KLE­MENS ZIRN­GIBL

VENN Ganz oben, in ei­nem al­ten raum­ho­hen Schrank der Putz­sa­kris­tei, war sie ver­steckt. Ver­staubt und in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. Die Re­de ist von der ers­ten Krip­pe der Venner Kir­che St. Ma­riä Emp­fäng­nis. Die Fi­gu­ren sind 65 Zen­ti­me­ter groß und be­ste­hen kom­plett aus Gips. So­gar ein Ori­gi­nal Mor­gens­tern lag noch bei den 25 Ein­zel­tei­len.

Ge­fun­den hat sie Hel­mut Grosch wäh­rend sei­ner 55-jäh­ri­gen Tä­tig­keit als zu­stän­di­ger Ar­chi­tekt für die ka­tho­li­sche Kir­chen­ge­mein­de in Venn. „Der Schrank stand of­fen, so ha­be ich sie dann ent­deckt“, be­rich­tet Grosch über den Fund der Krip­pe, die er noch aus sei­ner Kind­heit kann­te. „Ich war 15 Jah­re lang Mess­die­ner und Chor­kna­be im St. Ma­riä Emp­fäng­nis, da­her ha­be ich die Fi­gu­ren so­fort er­kannt“, er­zählt Hel­mut Grosch.

Be­rührt von den Er­in­ne­run­gen an sei­ne Kind­heit, be­schloss er kur­zer­hand, sei­nen lang­jäh­ri­gen Freund und Pfar­rer Jo­sef Düp­pen­gie­ßer, der seit No­vem­ber 1973 in der Ge­mein­de in Venn ist, zu fra­gen, ob er die al­te Krip­pe ha­ben dürf­te. „Ich woll­te ein­fach nicht, dass sie am En­de auf der Müll­kip­pe lan­det“, be­grün­det Grosch sei­ne Ent­schei­dung. Da­mals schlug er in Ab­spra­che mit An­ne Brill, der Vor­sit­zen­den des Müt­ter­ver­eins, vor, dass er die Krip- pe ge­gen ei­nen ei­gens für den Be­reich des Ze­le­bra­ti­ons­al­tars an­ge­fer­tig­ten Tep­pich tau­schen wür­de. Pfar­rer Düp­pen­gie­ßer nahm das An­ge­bot ger­ne an, wor­auf­hin Grosch im Früh­jahr 1996 die Re­stau­rie­rung der ers­ten Krip­pe des St. Ma­riä Emp­fäng­nis in Auf­trag gab.

Bis 1953 war sie un­ter dem Kir­chen­fens­ter „Be­geg­nung auf dem Kreuz­weg“von Ernst Jansen-Win­keln noch ste­ti­ger Be­glei­ter in der Weih­nachts­zeit, ehe sie un­ter der Fe­der­füh­rung von Pfar­rer Dr. Wil­helm Mül­ler für ei­ne völ­lig neue Darstel­lung im jet­zi­gen Hoch­al­t­ar­be­reich aus­ge­mus­tert wur­de und in dem be­sag­ten Schrank lan­de­te. „Die sah su­per aus, aber lei­der nur für Er­wach­se­ne. Für Kin­der war das nichts, denn die Krip­pe stand ein­fach zu hoch, und man konn­te sie nur aus der Fer­ne be­trach­ten“, sagt Grosch. Das sah 1973 auch der da­mals neue Pfar­rer Düp­pen­gie­ßer so und ließ da­her zu Weih­nach­ten wie­der ei­ne „kind­ge­rech­te“Krip­pe im lin­ken, vor­de­ren Kir­chen­be­reich – für al­le gut zu­gäng­lich – auf­stel­len. Das hat sich bis heu­te auch nicht ge­än­dert, al­ler­dings ist sie in­zwi­schen im lin­ken Qu­er­haus, un­ter dem Fens­ter „An­be­tung der Hei­li­gen Drei Kö­ni­ge“– eben­falls von Ernst Jansen-Win­keln – zu fin­den.

War­um man sich 1973 für ei­ne neue Krip­pe ent­schie­den und nicht auf die im Schrank der Putz­sa­kris­tei auf­be­wahr­te zu­rück­ge­grif­fen hat, kann sich Grosch selbst nicht so rich­tig er­klä­ren: „Viel­leicht hat man nicht dar­an ge­dacht, oder man woll­te ein­fach et­was Neu­es.“So ließ er schließ­lich für um­ge­rech­net 9500 Eu­ro die ers­te in der Rei­he der Krip­pen der Kir­chen­ge­mein­de St. Ma­riä Emp­fäng­nis durch Ed­win Lang aus Ful­da „sorg­fäl­tigst er­gän­zen“(Grosch) und re­pa­rie­ren. Noch heu­te ist sie in sei­nem Be­sitz und wird je­des Jahr zur vor­weih­nacht­li­chen Ad­vents­zeit vor dem Tan­nen­baum in sei­nem Wohn­zim­mer auf­ge­baut – auch wenn es ihm in­zwi­schen nicht mehr so leicht fällt: „Der Auf­bau ist schon sehr auf­wen­dig. Aber ich ma­che das ger­ne, weil je­des Jahr im­mer mal wie­der je­mand vor­bei kommt, um sich die Krip­pe und da­mit ein Stück Venner Ge­schich­te an­zu­se­hen“, wie Grosch be­tont.

FOTO: COSCIA

Die re­stau­rier­te al­te Krip­pe im Wohn­zim­mer von Hel­mut Grosch.

FOTO: KN

Die Krip­pe von 1953.

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