Ka­len­der­blatt 19. De­zem­ber 1932

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG -

Der Zug sah un­ver­schämt schick aus: Er war strom­li­ni­en­för­mig, 42 Me­ter lang und in El­fen­bein und ei­nem tie­fen Vio­lett ge­färbt, das auf man­chen Fotos blau, auf an­de­ren dun­kel­rot wirkt. Ge­schich­te schrieb der „Flie­gen­de Ham­bur­ger“aus ei­nem an­de­ren Grund: Er war der schnells­te Zug sei­ner Zeit. Et­was mehr als zwei St­un­den brauch­te er für die 286 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke von Ber­lin nach Ham­burg. Die Pro­be­fahrt am 19. De­zem­ber 1932 dau­er­te 142 Mi­nu­ten, spä­ter schaff­te das Pres­ti­ge­ob­jekt der Deut­schen Reichs­bahn die Stre­cke so­gar in 138 Mi­nu­ten. Der „Flie­gen­de Ham­bur­ger“er­reich­te ei­ne für die da­ma­li­ge Zeit sen­sa­tio­nel­le Ge­schwin­dig­keit von 160 St­un­den­ki­lo­me­tern. Da­für sorg­te der ers­te Die­sel­schnell­trieb­wa­gen, die al­ten Dampf­loks ver­schwan­den bald dar­auf aus dem Schie­nen­ver­kehr. In­ner­halb we­ni­ger Jah­re er­setz­ten Zü­ge ähn­li­cher Bau­art auf al­len wich­ti­gen Stre­cken ih­re äl­te­re Kon­kur­renz. Dann brach der Zwei­te Welt­krieg aus, der Schie­nen­ver­kehr kam zum Er­lie­gen. Nach dem Kriegs­en­de wa­ren vie­le Bahn­hö­fe zer­stört und zwi­schen Ham­burg und Ber­lin muss­ten Pas­sa­gie­re die Grenz­kon­trol­len der DDR über sich er­ge­hen las­sen. Erst 1997 wur­de der Re­kord des „Flie­gen­den Ham­bur­gers“ein­ge­stellt: Der ICE brauch­te für die­sen Weg et­wa 132 Mi­nu­ten. Im Jahr 2004 wur­de die Stre­cke schließ­lich aus- und um­ge­baut. Ak­tu­ell fährt die Deut­sche Bahn in et­wa 90 Mi­nu­ten von Ber­lin nach Ham­burg.

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