Nach dem Abi Gu­tes tun

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE - VON CLAU­DIA RO­METSCH

BONN (epd) „Nicht so­fort wie­der büf­feln“, dach­te sich Ja­kob Schaf­hau­sen nach dem Abitur. Ihm war klar, dass er nach dem Schul­ab­schluss erst ein­mal et­was Prak­ti­sches ma­chen woll­te. Durch Zu­fall traf er je­man­den, der ein Frei­wil­li­ges So­zia­les Jahr (FSJ) in ei­ner his­to­ri­schen Ge­denk­stät­te ab­sol­vier­te. Schaf­hau­sen, den Ge­schich­te in­ter­es­siert, war sich si­cher: „Das wä­re et­was für mich.“Seit gut drei Mo­na­ten ist er nun FSJ-ler, und zwar im „Haus der Ge­schich­te“in Bonn.

So wie Schaf­hau­sen neh­men sich im­mer mehr Abitu­ri­en­ten nach dem Schul­ab­schluss ei­ne Aus­zeit, sagt die Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Ein öf­fent­lich ge­för­der­ter Frei­wil­li­gen­ein­satz sei ei­ne gu­te Mög­lich­keit, die Zeit sinn­voll zu nut­zen, sagt Chris­tia­ne Oeh­ler-Wol­lers­heim, Be­rufs- und Stu­di­en­be­ra­te­rin bei der Ar­beits­agen­tur in Sieg­burg. Für die Abitu­ri­en­ten des nächs­ten Jah­res wer­de es jetzt Zeit, ihr frei­es Jahr zu pla­nen: „Die gu­ten Stel­len sind schnell ver­ge­ben.“Ein Frei­wil­li­gen­ein­satz bie­te vie­le Vor­tei­le, sagt die Be­ra­te­rin: Die jun­gen Leu­te könn­ten ers­te Be­rufs­er­fah­run­gen sam­meln und – bei Ein­sät­zen im Aus­land – ih­re Sprach­kennt­nis­se auf- bes­sern. „Wer dann doch schon ei­nen Stu­di­en­platz hat, kann be­ru­higt sein. Denn der wird bis zum En­de des Frei­wil­li­gen­jahrs re­ser­viert.“

Auch Ja­kob Schaf­hau­sen hat sei­nen Ju­ra-Stu­di­en­platz schon in der Ta­sche. Für sei­nen Ein­satz im „Haus der Ge­schich­te“er­hält er ein Ta­schen­geld von 330 Eu­ro im Mo­nat. Da er für sei­ne FSJ-Stel­le von Darm­stadt nach Bonn ge­zo­gen ist, be­kommt er zu­sätz­lich Wohn­geld. Sei­ne El­tern be­zie­hen au­ßer­dem wei­ter Kin­der­geld für ihn.

„Das An­ge­bot öf­fent­lich ge­för­der­ter Frei­wil­li­gen­ein­sät­ze ist viel­fäl­ti­ger als ge­mein­hin be­kannt“, sagt Oeh­ler-Wol­lers­heim. Vie­le Ju­gend­li- che wüss­ten gar nicht, dass das FSJ nicht nur in Kran­ken­häu­sern oder so­zia­len Ein­rich­tun­gen an­ge­bo­ten wird. Auch zum Bei­spiel Mu­se­en, Thea­ter, Opern­häu­ser, po­li­ti­sche Stif­tun­gen oder Par­tei­en be­schäf­ti­gen FSJ-ler. Da­ne­ben gibt es auch noch das Frei­wil­li­ge Öko­lo­gi­sche Jahr. So­ge­nann­te „FÖJ-ler“pfle­gen zum Bei­spiel Bio­to­pe, sie zäh­len Tie­re in Na­tur­schutz­ge­bie­ten oder ar­bei­ten im öko­lo­gi­schen Land­bau.

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit ist der Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst, der ge­ra­de 10.000 zu­sätz­li­che Stel­len für die Be­treu­ung von Flücht­lin­gen be­reit­ge­stellt hat. Ge­ne­rell ent­spre­chen die Ein­satz­ge­bie­te der „Buf­dis“in et­wa de­nen im Frei­wil­li­gen So­zia­len Jahr. Der Un­ter­schied: Der Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst steht nicht nur jun­gen, son­dern auch äl­te­ren Men­schen of­fen. Der Di­enst wur­de 2011 ein­ge­führt, als die Wehr­pflicht und der Zi­vil­dienst ab­ge­schafft wur­den. Ei­nen frei­wil­li­gen Wehr­dienst zwi­schen sechs und 24 Mo­na­ten kön­nen jun­ge Män­ner und Frau­en al­ler­dings trotz­dem noch leis­ten.

Vie­le Ju­gend­li­che möch­ten nach dem Abitur ins Aus­land. Für sie emp­feh­len sich öf­fent­lich be­zu­schuss­te Aus­lands-Frei­wil­li­gen­pro­gram­me. Zum Bei­spiel der von der EU ge­för­der­te Eu­ro­päi­sche Frei­wil­li­gen­dienst. Wer wei­ter weg will, kann sich beim In­ter­na­tio­na­len Ju­gend­frei­wil­li­gen­dienst des Bun­des­ju­gend­mi­nis­te­ri­ums be­wer­ben, der jun­ge Leu­te an ge­mein­nüt­zi­ge Pro­gram­me ver­mit­telt. Die Bun­des­re­gie­rung för­dert zu­dem zwei Pro­gram­me zur Mit­ar­beit in ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Pro­jek­ten: Zum ei­nen den Di­enst „welt­wärts“. Zum an­de­ren gibt es für Kul­tur- und Bil­dungs­pro­jek­te das Pro­gramm „kul­tur­weit“. „Wer sich für ei­nen sol­chen Aus­lands­ein­satz in­ter­es­siert, soll­te sich aber zu­vor gut be­ra­ten las­sen“, rät Regina Schmieg von der Fach­stel­le für In­ter­na­tio­na­le Ju­gend­ar­beit der Bun­des­re­pu­blik.

FOTO: DPA

Für die Be­treu­ung von Flücht­lin­gen hat der Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst 10.000 zu­sätz­li­che Stel­len be­reit­ge­stellt.

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