Ein Orang-Utan zum Fest? Weih­nacht­s­trend Tier-Pa­ten­schaft

Was soll man zu Weih­nach­ten noch schen­ken? Ei­ne tierische Al­ter­na­ti­ve fin­det nun im­mer mehr An­hän­ger: Pa­ten­schaf­ten für be­droh­te Tie­re.

Rheinische Post Moenchengladbach - - DIE TIERWELT - VON CAROLA FR­ENT­ZEN

Ba­yat soll Pa­ten­kind wer­den. Das Orang-Utan-Mäd­chen aus Bor­neo ist noch ein Ba­by, aber es hat schon Schlim­mes erlebt, ist Wai­se und hät­te oh­ne die Hil­fe der Or­ga­ni­sa­ti­on „Oran­gu­tan Foun­da­ti­on In­ter­na­tio­nal“(OFI) wohl nicht über­lebt. Das klei­ne Bün­del Men­schen­af­fe ha­be ei­ne „auf­ge­weck­te Per­sön­lich­keit und lan­ges oran­ge­far­be­nes Haar“, wer­ben die Tier­schüt­zer auf der Web­sei­te. In der Ur­wald­schu­le in Kali­man­tan ler­ne sie ge­ra­de das Klet­tern, um ir­gend­wann wie­der al­lei­ne im Dschun­gel zu­recht­zu­kom­men. Sol­che Ge­schich­ten be­rüh­ren – be­son­ders an den Fest­ta­gen.

„40 Pro­zent al­ler Oran­gU­tan-Pa­ten­schaf­ten wer­den in den Wo­chen vor Weih­nach­ten über­nom­men“, sagt ein OFISpre­cher. Denn in vie­len Fa­mi­li­en welt­weit kommt al­le Jah­re wie­der die glei­che Fra­ge auf: Was soll ich mei­nen Lie­ben bloß schen­ken? Noch ei­nen Pull­over, noch ei­ne Hals­ket­te, noch ir­gend­ei­nen tech­no­lo­gi­schen Schnick­schnack? Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen wol­len der Rat­lo­sig­keit ein En­de be­rei­ten und bie­ten Na­tur­freun­den ei­ne eben­so nütz­li­che wie nied­li­che Al­ter­na­ti­ve an: Tier­Pa­ten­schaf­ten.

Meist geht es da­bei um ein ein­zel­nes, oft exo­ti­sches Tier, das vor dem si­che­ren Tod ge­ret­tet wur­de – und nun ent­we­der in ei­nem an­ge­mes­se­nen Ge­he­ge lebt oder in ei­nem Re- ha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum dar­auf vor­be­rei­tet wird, ir­gend­wann in die Frei­heit ent­las­sen zu wer­den. Ob Orang-Utans, Lö­wen, Mee­res­schild­krö­ten, Gi­raf­fen oder so­gar Igel: Die Aus­wahl ist schier un­be­grenzt. Die Or­ga­ni­sa­ti­on SANCCOB, die in Süd­afri­ka Pin­gui­ne auf­päp­pelt, wirbt so­gar mit dem Slo­gan: „Ad­opt a Christ­mas Chick“– Ad­op­tie­re ein Weih­nachts­kü­ken.

Oft sind die Pa­ten­schaf­ten ein Ge­schenk von El­tern an ih­re Kin­der. Sie er­hal­ten dann ein „Ad­op­ti­on Pack“mit In­for­ma­tio­nen und Fotos des aus­ge­wähl­ten Tie­res so­wie manch­mal auch ei­ner klei­nen Plü­schver­si­on des Ori­gi­nals. Auf ei­ner Ur­kun­de ist der Na­me des Pa­ten ver­zeich­net. „In der Weih- nachts­zeit möch­ten vie­le Men­schen et­was zu­rück­ge­ben. Aber seit ein paar Jah­ren be­ob­ach­ten wir, dass die Zahl der Leu­te, die sol­che Pa­ten­schaf- Matt Smit­hers

Born Free ten ver­schen­ken, enorm zu­ge­nom­men hat“, so OFI.

Ähn­lich sieht es bei der „Born Free Foun­da­ti­on aus“, die sich seit über 30 Jah­ren für den Schutz wil­der Tie­re ein­setzt. Von den 10.000 neu­en Pa­ten­schaf­ten pro Jahr wer­de die Hälf­te im No­vem­ber und De­zem­ber ver­ge­ben, er­klärt Ent­wick­lungs­ko­or­di­na­tor Matt Smit­hers. Born Free bie­tet rund 15 Tier­ar­ten in zahl­rei­chen Län­dern an, dar­un­ter auch gan­ze Tier­fa­mi­li­en so­wie Vier­bei­ner, die nor­ma­ler­wei­se eher nicht auf der Wun­sch­lis­te von Kin­dern ste­hen, wie Hyä­nen und Wöl­fe. „Aber am be­lieb­tes­ten sind Ele­fan­ten, Ti­ger und Lö­wen.“

Ganz oben auf der Ad­op­ti­ons-Web­sei­te je­den­falls steht „Do­lo“. Der Lö­we wur­de jah­re­lang im äthio­pi­schen Awa­s­hNa­tio­nal­park in ei­nem win­zi­gen Kä­fig an ei­ner Ket­te ge­hal­ten. We­gen der stän­dig über den Hals rei­ben­den Me­tall­fes­sel blieb der Wuchs der cha­rak­te­ris­ti­schen Mäh­ne so gut wie aus. Man­gel­er­näh­rung ließ das miss­han­del­te Tier fast er­blin­den. Aber 2012 wur­de die Raub­kat­ze von Born-Free-Mit­ar­bei­tern ge­ret­tet und lebt seit­her mit der fünf­jäh­ri­gen Lö­win Sa­fia in ei­nem wild be­wach­se­nen Ge­he­ge vol­ler Schir­mA­ka­zi­en und Pi­ni­en­bäu­me.

Aber was ge­schieht denn nun ge­nau mit dem Geld, das für die Pa­ten­schaft be­zahlt wird? „Wir schi­cken das Geld an die Ein­rich­tung, in der das Tier von uns ver­sorgt wird“, sagt Smit­hers. „Dort kommt es haupt­säch­lich dem ad­op­tier­ten Tier zu­gu­te, je­doch kann es bei Be­darf auch da­für ver­wen­det wer­den, an­de­re Tie­re zu ver­sor­gen.“

Bei OFI wer­den die 100 Dol­lar (et­wa 95 Eu­ro), die ei­ne ein­jäh­ri­ge Pa­ten­schaft kos­tet, hin­ge­gen für „all­ge­mei­ne Ope­ra­tio­nen“ver­wen­det und ge­hen da­hin, wo das Geld im Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum in Kali­man­tan ge­ra­de am drin­gends­ten ge­braucht wird. Die Zer­ti­fi­ka­te sei­en al­so eher sym­bo­lisch, so OFI, auch wenn die Ad­op­tiv­el­tern übers Jahr über das Pa­ten­Tier in­for­miert wür­den und oft­mals so­gar ei­ne sehr en­ge Bin­dung zu ihm auf­bau­ten. „Wir ha­ben ein paar Spen­der, die je­des Jahr den glei­chen Orang-Utan ad­op­tie­ren, weil sie ihn auch aus der Ent­fer­nung so lieb ge­won­nen ha­ben.“

„Man­che schi­cken uns zu Weih­nach­ten so­gar Le­bens­mit­tel oder Spiel­zeug für ihr Pa­ten­kind“, sagt Al­ison Cro­nin, Di­rek­to­rin von „Mon­key World“im bri­ti­schen Dor­set, wo 250 ge­ret­te­te Pri­ma­ten – dar­un­ter Schim­pan­sen und Gib­bons – auf 654 Hekt­ar Land in Groß­ge­he­gen le­ben. „Im­mer mehr Men­schen schei­nen sich nach al­ter­na­ti­ven Ge­schenk­ide­en um­zu­schau­en“, sagt sie. Und ei­ne Pa­ten­schaft kom­me schließ­lich von Her­zen.

„Am be­lieb­tes­ten sind Ele­fan­ten,

Ti­ger und Lö­wen“

FOTO: ORAN­GU­TAN FOUN­DA­TI­ON IN­TER­NA­TIO­NAL

Ein ver­wais­ter Orang-Utan und ei­ne Pfle­ge­rin im Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum auf Bor­neo, in dem die klei­nen Orang-Utans auf das Le­ben in Frei­heit vor­be­rei­tet wer­den.

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