Flücht­lin­ge wer­den gleich­mä­ßi­ger ver­teilt

Das NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­um räumt die Schief­la­ge bei Zah­lun­gen der Jah­res­pau­scha­le ein.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK -

DÜSSELDORF (dpa/tor) Die Lan­des­re­gie­rung will im kom­men­den Jahr für ei­ne gleich­mä­ßi­ge­re Ver­tei­lung der Flücht­lin­ge auf die Städ­te und Ge­mein­den in NRW sor­gen. Kom­mu­nen, die bis­lang nicht die vor­ge­se­he­ne Auf­nah­me­quo­te er­füll­ten, soll­ten dann mehr Flücht­lin­ge zu­ge­wie­sen be­kom­men, sag­te am Wo­che­n­en­de ein Spre­cher des NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­ums.

Da­mit re­agiert das Mi­nis­te­ri­um auf ei­ne neue De­bat­te über die Ver­tei­lung der fi­nan­zi­el­len Flücht­lings­hil­fen des Lan­des an die Kom­mu­nen: Et­li­che neh­men deut­lich mehr Flücht­lin­ge und an­de­re deut­lich we­ni­ger auf als ge­plant. Das Land ver­teilt die Jah­res­pau­scha­le von 7578 Eu­ro aber nicht ent­spre­chend den tat­säch­li­chen Flücht­lin­gen in der je­wei­li­gen Kom­mu­ne, son­dern auf der Grund­la­ge der ur­sprüng­li­chen Pla­nun­gen. Des­halb be­ka­men die NRW-Kom­mu­nen mit zu we­ni­gen Flücht­lin­gen 2015 wie be­rich­tet zu­sam­men 162 Mil­lio­nen Eu­ro zu viel, wäh­rend Ge­mein­den mit zu vie­len Flücht­lin­gen in der Sum­me 99 Mil­lio­nen Eu­ro zu we­nig er­hiel­ten. Das Mi­nis­te­ri­um räumt die Schief­la­ge ein und will das Sys­tem 2017 um­stel­len.

Die Kom­mu­nen re­agier­ten am Wo­che­n­en­de un­ter­schied­lich auf die neue De­bat­te. Ei­ni­ge be­nach­tei­lig­te Kom­mu­nen be­rei­ten ei­ne ge­mein­sa­me Er­klä­rung vor, in der sie die Rück­ab­wick­lung der Lan­des­zah­lun­gen für 2015 for­dern. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on ist der Plan aber selbst un­ter den be­nach­tei­lig­ten Kom­mu­nen um­strit­ten: Die Aus­zah­lun­gen des Lan­des ent­spre­chen zwar nicht der tat­säch­li­chen Be­las­tung der Kom­mu­nen, aber dem der­zeit noch gel­ten­den Recht.

An­de­re Kom­mu­nen be­strit­ten, dass das ak­tu­el­le Sys­tem der Geld­ver­tei­lung über­haupt zu un­ge­rech­ten Ver­tei­lun­gen ge­führt ha­ben. So er­klär­te am Wo­che­n­en­de ei­ne Spre­che­rin der Stadt Düsseldorf: „Wir ma­chen kei­ne Ge­schäf­te mit Men­schen, die in größ­ter Not zu uns kom­men.“Ein Spre­cher der Stadt Mön­chen­glad­bach rech­ne­te auf Face­book vor, dass das Land trotz­dem un­term Strich mehr Geld für Flücht­lin­ge auf­wen­de, als das Land er­stat­te.

An­de­re Kom­mu­nen re­la­ti­vier­ten die Be­rech­nun­gen, in­dem sie an­de­re Stich­ta­ge mit an­de­ren Flücht­lings- Ei­ne Spre­che­rin der

Stadt Düsseldorf zah­len zur Grund­la­ge ei­ner Ge­gen­rech­nung mach­ten. Oder, in­dem sie Zu­wei­sun­gen des Lan­des aus ei­nem an­de­ren Sys­tem ge­gen­bi­lan­zier­ten: Ei­ni­gen we­ni­gen Kom­mu­nen zahlt das Land zum Bei­spiel ne­ben den Zu­wei­sun­gen nach dem Flücht­lings­auf­nah­me-Ge­setz (FlüAG) zu­sätz­li­che Gel­der, weil sie für das Land vor­über­ge­hend Zen­tra­le Un­ter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen (ZUE) be­trei­ben, die das Land erst ab kom­men­dem Jahr selbst be­trei­ben kann. Bei der Ent­loh­nung für die ZUE-Amts­hil­fe ist das Land aus po­li­ti­schen Grün­den be­tont groß­zü­gig. Des­halb steht et­wa die Stadt Neuss als ZUE-Stand­ort un­ter dem Strich kom­for­ta­bel da, ob­wohl die Stadt aus dem Sys­tem der FlüAGZah­lun­gen zu we­nig Geld be­kommt. Vom FlüAG-Sys­tem sind lan­des­weit meh­re­re Hun­dert Kom­mu­nen be­trof­fen, wäh­rend es aber nur gut 20 ZUE-Ein­rich­tun­gen gibt.

„Wir ma­chen kei­ne Ge­schäf­te mit Men­schen, die in größ­ter Not zu uns

kom­men“

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