Fortuna setzt Ef­fen­berg un­ter Druck

Falls die Düs­sel­dor­fer heu­te in Pa­der­born ge­win­nen, steht der pro­mi­nen­te Trai­ner vor dem Sturz.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON BERND JOLITZ

DÜSSELDORF/PA­DER­BORN Es ist ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Spiel, mit dem die 2. Fuß­ball-Bun­des­li­ga heu­te Abend in die Win­ter­pau­se geht. Zwei pro­mi­nen­te Ver­tre­ter des deut­schen Un­ter­hau­ses kämp­fen ab 20 Uhr dar­um, das ver­korks­te Jahr 2015 we­nigs­tens halb­wegs er­träg­lich aus­klin­gen zu las­sen: der SC Pa­der­born, bis Mai so­gar noch Erst­li­gist, und sein Gast Fortuna Düsseldorf, im Mai mit gro­ßen Er­war­tun­gen un­ter Wunsch­trai­ner Frank Kra­mer in die Sai­son ge­star­tet.

An bei­den Stand­or­ten herrscht Er­nüch­te­rung. Die Ost­west­fa­len sind nach dem Ab­stieg aus der Eli­te­klas­se über­haupt noch nicht in Tritt ge­kom­men, lie­gen auf Platz 16, von dem aus sie am Sai­son­en­de die Re­le­ga­ti­on ge­gen den Drit­ten der drit­ten Li­ga spie­len müss­ten. Da­mit ist der SCP so­gar noch drei Punk­te schlech­ter als Fortuna, die mit ih­rem 15. Rang frei­lich eben­falls al­les an­de­re als zu­frie­den ist.

Bei­de Klubs ha­ben auch schon zum letz­ten Mit­tel Trai­ner­wech­sel ge­grif­fen, doch wäh­rend die Düssel- dor­fer nach Kra­mers Be­ur­lau­bung der­zeit auf In­te­rims­coach Pe­ter Her­mann set­zen und ih­ren neu­en Chef noch su­chen, woll­te Pa­der­born das Glück gleich mit der ganz gro­ßen Lö­sung er­zwin­gen. Im Ok­to­ber lös­te der frü­he­re Na­tio­nal­spie­ler Ste­fan Ef­fen­berg den er­folg­lo­sen Mar­kus Gell­haus auf der Trai­ner­bank ab. Was für ein Gla­mour in der ost­west­fä­li­schen Pro­vinz – der „Ti- ger“, Lieb­ling der bun­ten Me­di­en, soll­te den viel­leicht blas­ses­ten Au­ßen­sei­ter, der der Bun­des­li­ga je ei­nen Be­such ab­ge­stat­tet hat­te, wie­der in die Spur set­zen.

Der Er­folg die­ser Un­ter­neh­mung ist bis­lang ex­trem über­schau­bar. Zwar ge­wann der SCP die ers­ten bei­den Par­ti­en un­ter „Ef­fes“Re­gie, doch mit dem – sei­ner­zeit noch au­gen­zwin­kernd hin­ge­nom­me­nen – 1:7 bei Bo­rus­sia Dort­mund im DFBPo­kal ge­rie­ten die Blau-Schwar­zen ins Rut­schen. In den fol­gen­den sechs Li­ga­spie­len blie­ben sie sieg­los, hol­ten nur drei von 18 mög­li­chen Punk­ten.

Doch nicht nur we­gen die­ser höchst be­schei­de­nen Bi­lanz steht Ef­fen­berg heu­te ge­gen Fortuna mas­siv un­ter Druck. Nach dem 0:4 in Bochum sus­pen­dier­te er in Ma­hir Saglik, Srd­jan La­kic und SCP-Ur­ge­stein Da­ni­el Brück­ner drei der be­kann­tes­ten Pro­fis. Mu­tig und ris­kant zu­gleich: Soll­te die­ser ra­di­ka­le Schnitt nichts be­wir­ken, steht der Trai­ner vor dem Sturz.

Sol­che Ge­dan­ken muss sich sein heu­ti­ges Ge­gen­über nicht ma­chen – im Ge­gen­teil. Nichts wä­re Pe­ter Her­mann lie­ber, als wenn Fortuna noch vor Weih­nach­ten ei­nen neu­en Chef­coach prä­sen­tier­te. „Ich bin bald 64“, be­tont er im­mer wie­der, „und ha­be mich vor lan­ger Zeit da­für ent­schie­den, als Co-Trai­ner ar­bei­ten zu wol­len. Ich fan­ge jetzt be­stimmt nicht an, das zu än­dern.“

An sei­ner Start­for­ma­ti­on wird er in­des ei­ni­ges än­dern müs­sen. Zwar kehrt Ka­pi­tän Ka­rim Hag­gui nach sei­ner Gelb-Rot-Sper­re zu­rück, da­für fällt des­sen Ver­tre­ter Ju­li­an Koch we­gen der fünf­ten Gel­ben Kar­te aus. Zu­dem ver­letz­te sich im Ab­schluss­trai­ning Ser­can Sara­rer bei ei­nem Zwei­kampf mit Ih­las Be­bou und trat die Bus­fahrt nach Ost­west­fa­len gar nicht erst an.

Da sich in Ma­this Bol­ly ein mög­li­cher Er­satz schon tags zu­vor mit ei­ner neu­er­li­chen Ober­schen­kel­Bles­sur vor­zei­tig in die Fe­ri­en ver­ab­schie­de­te, spricht vie­les für den Ein­satz des 18-jäh­ri­gen Em­ma­nu­el Iyo­ha auf dem lin­ken Flü­gel. Auf der Sech­ser-Po­si­ti­on könn­te Chris­to­pher Ave­vor spie­len – es wä­re ein be­mer­kens­wer­tes Zweit­li­ga-Come­back nach sei­ner Knie­ver­let­zung vor fast ge­nau ei­nem Jahr.

FOTO: DPA

Trai­ner Ste­fan Ef­fen­berg braucht drin­gend ein Er­folgs­er­leb­nis.

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